Automobil- und Motorsportclub Erding 

Kasse verschwunden, Vorstand tritt zurück

Der Automobil- und Motorsportclub Erding ist in schwere Turbulenzen geraten. Mit dem Tod von Kassier Alfred Nitsche voriges Jahr ist die Vereinskasse verschwunden. Der Vorstand ist zurückgetreten, der ADAC-Ball wurde abgesagt.

Erding – Die Bombe platzte nach dem Totengedenken. Fritz Martinetz, Vorsitzender des Automobil- und Motorsportclubs (AMC) Erding im ADAC, teilte der Hauptversammlung mit, dass die Tagesordnung erweitert werden müsse – um den Punkt Rücktritt des gesamten Vorstands. Danach erlebten die Mitglieder einen Dammbruch:

Martinetz kam in seinem Bericht auf den plötzlichen Tod von Kassiers Alfred Nitsche zu sprechen. Revisor Elias Rihani habe die Kasse erst ab 19. September prüfen können, da für die zurückliegenden achteinhalb Monate weder die Kasse, noch Belege oder Ordner auffindbar seien. Es fehlen laut Vorstand mehrere tausend Euro.

Für zusätzliche Verwirrung sorgte der Vorstoß des Vorstandes, erst über die Entlastung der Führungsriege abstimmen zu wollen, ehe Rechtsanwalt Herbert Kreglinger seinen Kassenbericht vorgestellt hatte. Kreglinger berichtete von den „festgestellten Differenzen, die trotz intensiver Nachforschungen nicht geklärt werden konnten“.

In der Versammlung wollte niemand davon ausgehen, dass Unterschlagungen stattgefunden hätten, sondern sich der Vorgang doch noch aufklären lasse. Der Vorstand wurde nur für den Zeitraum nach besagtem 19. September entlastet.

Fest steht: Die aktuelle Entwicklung hat für den AMC weit reichende, möglicherweise existenzgefährdende Konsequenzen. Der gravierende Fehlbetrag hat dazu geführt, dass der traditionelle ADAC-Ball 2018 bereits abgesagt und auch das Lager am Wasserwerk in Altenerding geräumt und gekündigt werden musste.

Hop oder top: Neue Versammlung im Mai

Das noch zur Verfügung stehende Geld und die Mitgliedsbeiträge reichen nicht aus, um die Geschäfte im bisherigen Rahmen weiterzuführen, teilte Martinetz mit. Die Seniorenausfahrt „Goldenes Herz“ soll zumindest heuer noch einmal stattfinden.

Eine Erhöhung des Mitgliedsbeitrages von 15 auf 20 Euro für Einzelpersonen und von 23 auf 30 Euro für Ehepaare löste längere Diskussionen aus. Danach folgte die Abstimmung mit einer Gegenstimme.

Der nächste Tiefschlag ließ nicht lange auf sich warten. Die gesamte AMC-Spitze – Fritz Martinetz (Vorsitzender), Marianne Jorum (Stellvertreterin und Schriftführerin), Peter Färber (Organisationsleiter), Dr. Margit Jürging und Ludwig Malterer (Beisitzer), Hans Beck (Technik- und Verkehrsreferent), Klaus Riedl und Elias Rihani (Revisoren) sowie Herbert Kreglinger (AMC-Syndikus) – legt zum 31. Dezember dieses Jahres ihre Ämter nieder. Danach soll ein Neuanfang versucht werden.

Der Antrag von Kurt Beck über die Einberufung einer außerordentlichen Mitgliederversammlung zur Auflösung des Vereins löste weitere Turbulenzen aus. Auch dass eine Aufklärung des fehlenden Geldbetrages nicht möglich ist, konnten die Mitglieder nur schwer oder gar nicht akzeptieren.

Vor der endgültigen Eskalation ergriff Zweiter Bürgermeister Ludwig Kirmair das Wort und verwies darauf, dass der AMC an sich ein „toller Verein ist, der viele schöne Ausflüge anbietet und durchgeführt hat. Ich finde es schade, dass die Sitzung heute so verläuft“. Die Auflösung wäre ein Verlust. Er empfahl die Problematik mit dem verstorbenen Kassier abzuschließen und den Betrag auszubuchen. Auch wäre es sinnvoll gewesen, bereits im Vorfeld mit Mitgliedern zu sprechen, diese für die Tätigkeit im Vorstand anzuwerben und dies nicht erst bei der Mitgliedersammlung zu machen.

Eine sehr emotionale Rede hielt Sabine Martinetz, die bekannte, mit dem Verein aufgewachsen zu sein. Sie versicherte, am AMC zu hängen und ihn nicht aufgeben zu wollen. Anderseits erkenne sie, „dass einfach keine Jugend oder zumindest jüngere Mitglieder dem Verein angehören. Der Verein darf nicht den Bach hinunter gehen. Aber allein kann ich den Vorstand nicht machen“, schloss sie.

Nach fast zwei aufregenden und hitzigen Stunden fiel der Beschluss, alle 250 Mitglieder zu einer außerordentlichen Versammlung im Mai 2017 einzuladen. Einziger Tagesordnungspunkt wird dann sein: Bestand oder Auflösung des Automobil- und Motorsportclubs Erding. 

Fast unter in dem Trubel ging die Ehrung einiger langjähriger Mitglieder (Bericht folgt).

Von Elvi Reichert

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