Rudolf Waxenberger (58) Kreishandwerksmeister

Azubi-Mindestlohn? Kreishandwerksmeister Waxenberger lehnt staatliche Eingriffe ab

„Mehr Geld bedeutet nicht mehr Lehrlinge“

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Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) will einen Mindestlohn für Lehrlinge einführen. Die Kammern sind mehrheitlich dagegen, die Gewerkschaften klar dafür. Darüber sprachen wir mit Kreishandwerksmeister Rudolf Waxenberger (58), Bauunternehmer aus Erding.

Erding –  Herr Waxenberger, was sagen Sie zu dem geplanten Mindestlohn in der Lehre von 515 Euro?

Es gibt den Trend, dass der Staat alles regeln will und die Eigenverantwortung schwindet. Da bin ich strikt dagegen. Deutschland profitiert vom Dualen Ausbildungssystem mit Betrieben und Berufsschule. In der Anfangszeit gab es gar keinen Lohn, die Vergütung sollte nur die Fahrt zum Betrieb sowie die Verpflegung gewährleisten. Es gibt Länder, da kostet die Ausbildung etwas. Aber bei uns haben sich die Zeiten geändert, die Ausbildung ist länger und komplexer. Das muss sich auch in der Entlohnung widerspiegeln.

Eine angehende Friseurin bekommt derzeit 495 Euro im ersten Lehrjahr. Davon kann man doch im teuren Erding nicht leben?

Das ist sicher richtig, das nähert sich ja fast schon dem Hartz-IV-Satz an. Davon kann ein Lehrling nur leben, wenn er noch zu Hause oder beim Lehrherrn wohnt.

Wäre mehr Lohn nicht ein Instrument gegen den Fachkräftemangel?

Das kann ich klar verneinen. Denn das Bauhauptgewerbe zahlt sehr hohe Löhne – zwischen 800 und 1500 Euro. Und trotzdem tun wir uns schwer, Nachwuchs zu finden. Mehr Geld bedeutet nicht mehr Lehrlinge.

Sollten nicht gerade Branchen, die sich schwer tun, Azubis zu finden, mit höheren Löhnen werben?

Ich gebe zu, dass es Branchen gibt, deren Lehrlingsvergütung sich am unteren Level bewegt. Keine Frage, hier sollte mehr bezahlt werden, aber ohne staatlichen Eingriff.

Wie ist denn die Situation auf dem Lehrlingsmarkt im Landkreis Erding?

Quer über alle Branchen ist die Zahl der Auszubildenden in Oberbayern im vergangenen Jahr leicht um 0,4 Prozent gestiegen. Das gilt auch für den Landkreis Erding. Aber es gibt Problembranchen. Etwa die Bauwirtschaft, die Gastronomie und die Nahrungsmittelerzeuger finden leider kaum noch beruflichen Nachwuchs.

Das Gespräch führte Hans Moritz.

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