+
Elisabeth Mayr greift als Kreisbäuerin die Ministerin scharf an. 

Bauernregel-Kampagne 

„Das ist Mobbing pur“

Erding – Die Bauernregel-Kampagne von Bundesumweltminister Barbara Hendricks schlägt auch im Landkreis Wellen und sorgt für hitzige Debatten. In der ersten Reihe der Kritiker steht Kreisbäuerin Elisabeth Mayr.

In der Frauenversammlung des Verbandes für landwirtschaftliche Fachbildung am Montagnachmittag in Bergham sagte sie: „Unser Berufsstand fühlt sich verhöhnt.“ Die PR-Kampagne sei ein „Schlag ins Gesicht“ und „Mobbing pur“.

Mit den provozierenden Bauernregeln, so Mayr weiter, würden Missstände angeprangert, die es so nicht gebe. So lautet ein Vers „Steht das Schwein auf einem Bein, ist der Schweinestall zu klein“. Mayr kommentierte empört: „Da werden wir als Tierquäler an den Pranger gestellt.“ Diese Kampagne trage nicht zu einer sachlichen Diskussion bei. „Wir dichten jetzt dagegen“, sagte Mayr und zitierte: „Schließt der Bauer Feld und Stall, brachten ihn die Umweltauflagen zu Fall.“ Die Kritik an der Umweltministerin führte die Kreisbäuerin ebenfalls in Reimform an: „Wenn Grünland brach und die Äcker still, ist das erreicht, was Hendricks will.“

Laut Bundesumweltministerium soll mit der Kampagne auf Fehlentwicklungen in der modernen Land- und Agrarwirtschaft aufmerksam gemacht werden. Erdings Kreisbäuerin unterstrich die hohe Fachkompetenz der Landwirte und sprach von verständnislosem „Kopfschütteln“ für die Ministeriumskampagne. Erleichtert stellte Mayr fest, dass sich Kanzlerin Angela Merkel hinter den Bauernstand gestellt habe.

Kritik kommt auch aus der ökologischen Landwirtschaft. Max Thalhammer, Biobauer aus Grund bei Ottenhofen, sagt: „Ich halte nichts von dieser Kampagne, weil sie nicht sachlich ist.“ Die Aktion werde nichts bewirken. Im Gegenteil: „Die Bauern fühlen sich auf den Schlips getreten.“ Die Sprüche seien alle negativ. „Es wäre besser gewesen, positive Botschaften zu senden, die die Leute ebenso zum Nachdenken anregen.“

Mehr als nur einen Schuldigen sieht Marlene Meier, Vorsitzende des Tierschutzvereins Landkreis Erding. „Die Politik hat bisher wenig dazu beigetragen, dass es den Bauern gutgeht. Wenn ein Landwirt so wirtschaftet wie vorgegeben, hat er es nicht leicht.“ Meier nimmt nicht zuletzt die Verbraucher in die Pflicht. „Viele wollen ihre Lebensmittel vor allem günstig kaufen.“ Besser sei es, mehr Geld für gute regionale Produkte auszugeben „Das würde dann wiederum den Landwirten helfen – und in der Folge auch einer tiergerechten Bewirtschaftung.“

Anders sehen es die Vertreter des Bund Naturschutz (BN). Geschäftsführer Manfred Drobny erklärt: „Im Grundsatz sind Missstände zum Teil vorhanden. Aber ob Form, Art und Weise der Kritik gut oder gerechtfertigt sind, muss man Frau Hendricks fragen.“ Die Aktion richte sich nicht grundsätzlich gegen die Bauern, so Drobny. Der frühere Wörther BN-Chef Reinhard Sommerer meint: „Ich finde die Bauernregeln aus dem Ministerium lustig. Manche treffen auch wirklich zu.“ Man müsse doch auch einmal ein bisschen Humor zeigen. „Darüber braucht man sich nicht aufzuregen.“

vev/vh

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Mit einer Feuerspritze ging’s los
Wenn am 8. Oktober der große Festumzug durch Pastetten zieht, erlebt die 140-jährige Historie der Freiwilligen Feuerwehr Pastetten ihren vorläufigen Höhepunkt. Seit …
Mit einer Feuerspritze ging’s los
Mehrere Rügen für Gemeinde
Die Gemeinde Hohenpolding ist bei der überörtlichen Prüfung für die Jahre 2014 und 2015 mehrfach gerügt worden.
Mehrere Rügen für Gemeinde
„Jetzt läuft es dann“
Die Arbeiten an der Freisinger Brücke laufen. Ab nächster Woche sollen die Bohrungen für die Pfähle erfolgen.
„Jetzt läuft es dann“
Erfolgreich gegen Jugendwahn und Isolation
Bayern soll die „digitale Inklusion“ voranbringen. Das hat Franz Wölfl, Chef der Landes-Senioren-Vertretung, beim Festakt anlässlich des 20-jährigen Bestehens des …
Erfolgreich gegen Jugendwahn und Isolation

Kommentare