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Neustart nach vier Krisenjahren

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Von: Hans Moritz

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Alles vermietet: Die neue Spitze der Baugenossenschaft steht (v.r.): Vorstand Karsten Vieth, Aufsichtsratschef Peter Helmprecht und Gerhard Ippisch im Holzgarten, Keimzelle der 1922 gegründeten BG. © Hans Moritz

Ein Jahr vor ihrem 100. Geburtstag hat sich die Baugenossenschaft Erding (BG) komplett neu aufgestellt.

Nach mehreren Jahren, die nach außen vor allem von Personalquerelen geprägt waren, wollen sich der neue Vorstand und Aufsichtsrat wieder ausschließlich ums Kerngeschäft kümmern: Bau und Unterhalt preisgünstiger Mietwohnungen.

Sand ins BG-Getriebe geriet 2017, als sich die damalige Aufsichtsratsvorsitzende Eva Kolenda mit einer Vorständlerin wegen der Ausrichtung der BG überwarf. 2018 ging Letztere. Ihr Kollege Matthias Lindmayer geriet derart unter Druck, dass er 2020 gesundheitlich angeschlagen das Handtuch warf. Nachfolger Holger Bleh blieb weniger als ein Jahr, ehe er 2020 aus familiären Gründen wieder abtrat. Nun führen die Vorstände Paul Reill (56) und Karsten Vieth (59) die Geschäfte.

Und das seit der Mitgliederversammlung unter einem neuen Aufsichtsrat. Kolenda (76) dankte nach 25 Jahren ab, für sie wurde das langjährige BG-Mitglied Peter Helmprecht (62) gewählt. Neu im Gremium sind der Grünen-Stadtrat Gerhard Ippisch (58) und Lolita Liening (63). Nicht mehr angetreten waren Christian Cosimo und Steffi Seifert. Im Amt bleiben Gertrud Scheffelmann als stellvertretende Vorsitzende, Thomas Kronseder und Walter Schachtner.

Die Versammlung beschloss, dass Aufsichtsräte nicht älter als 70 Jahre sein dürfen. Bemerkenswert ist, dass mit Liening und Kronseder zwei Beschäftigte des Stadtbauamtes sowie mit Ippisch ein Stadtratsmitglied im Aufsichtsrat sitzen. Im Pressegespräch stellen Vieth, Helmprecht und Ippisch klar, dass es nicht darum gegangen sei, dass sich die Stadt möglichst großen Einfluss in der BG sichern wollte. Helmprecht erklärt, man arbeite eng zusammen und sei bei der Schaffung günstigen Wohnraums aufeinander angewiesen.

Personalquerelen, betonen Helmprecht und Vieth, solle es keine mehr geben, dafür mehr Transparenz. Sie sprechen von einer „Zäsur und Neuausrichtung“. Zu Kolendas Doppelrolle als BG-Chefaufseherin und Vorsitzende des Erdinger Mietervereins will sich niemand äußern. Dass es (juristische) Konflikte gegeben habe, dementieren sie allerdings nicht.

Ein großes Projekt steht vor seiner Vollendung: Die 16 neuen Apartments, zum Teil Sozialwohnungen, im Thermengarten-Süd werden laut Vieth noch heuer bezogen. Sechs Millionen Euro hat die BG investiert – „und wir sind im Zeit- und Kostenrahmen geblieben.“

Insgesamt verfügt die BG über 400 Wohnungen und ebenso viele Parkplätze. Bei sieben Prozent handelt es sich um Sozialwohnungen. Die BG zählt über 800 Mitglieder. Der Leerstand ist laut Vorstand denkbar gering – nur 0,8 Prozent. Voriges Jahr hat es gerade einmal 14 Mieterwechsel gegeben, was Vieth auf Corona und Lockdowns zurückführt. Die Durchschnittsmiete beträgt 7,24 Euro kalt, die Instandhaltungskosten liegen pro Quadratmeter bei 19,30 Euro.

Zur Neuausrichtung gehört auch, sich weiter aus der Fremdverwaltung von Objekten Dritter zurückzuziehen. 800 Wohnungen sind es noch. Vieth erklärt: „Wir werden nur noch die Bestände verwalten, die wirtschaftlich sind.“ Wie viele noch abgegeben werden, „wird sich in den nächsten Jahren entscheiden“. Teilweise gebe es lange Laufzeiten.

Die Preissteigerungen – Baumaterialien sind in zwölf Monaten im Schnitt um 20 Prozent teurer geworden – treffen auch die BG. Deshalb hat der Vorstand nach den Worten Vieths einen Regiebetrieb mit aktuell fünf eigenen Handwerkern – zehn Angestellte zählt die BG insgesamt – aufgebaut. „Schäden müssen schnell repariert werden, und so können wir uns von der Preisentwicklung ein wenig entkoppeln“, sagt Helmprecht. Auch sollen Parkplätze mit E-Ladesäulen bestückt werden.

Verstärkt will die BG fortan ihrem Kerngeschäft nachgehen – Bereitstellung von Wohnraum, Instandhaltung und energetische Sanierung. Ippisch erklärt, „dass uns vorschwebt, uns im Fliegerhorst zu engagieren“. Helmprecht fügt an, „dass es darüber hinaus erhebliches Potenzial für Wohnraumverdichtung gibt“. Und Vieth stellt klar: „Der Kauf teurer Baugrundstücke kann nicht unser Geschäft sein.“ Stattdessen verfolge man Erbpachtmodelle.

ham

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