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Das Testament der Stifter verlasen Sarah Weidgans und Manfred Just beim Festakt in der Urweiße-Hüttn im Garten des Fischer’s Seniorenzentrums. Das Dokument ist ein wichtiges Kapitel Lokalgeschichte.

Jubiläum

Fischer’s Wohltätigkeitsstiftung feiert 125-jähriges Bestehen

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Erding – Für eine 125-Jährige kann man schon mal eine Ausnahme machen. Eigentlich wird das Testament der Eheleute Katharina und Friedrich Fischer nur alle zehn Jahre verlesen – zuletzt 2011. Dass am Freitagabend Manfred Just und die Schülerin Sarah Weidgans nach nur fünf Jahren die nicht unerhebliche Mühe auf sich nahmen, das Testament der Stifter vorzutragen, lag an eben jenem Jubiläum.

Auf den Tag genau vor 125 Jahren, am 15. Juli 1891, wurde die Stiftungsurkunde durch den königlichen Notar Peter Osenstätter und den königlichen Bezirksamtmann Michael Bachmaier ausgefertigt. Genehmigt hatte die Stiftung kein Geringerer als Prinzregent Luitpold – am 21. Mai 1891.

Daran erinnerte in seiner Festrede Bachmaiers Nachnachfolger Martin Bayerstorfer. Der Landrat ist zugleich Vorsitzender der Stiftung. Der Ehrentag hatte am Nachmittag mit einem Gottesdienst in der Stadtpfarrkirche St. Johannes begonnen, den Päpstlicher Ehrenprälat Josef Mundigl und Stadtpfarrer Michael Garmaier zelebrierten. Lautes Glockengeläut an einem Werktag-Nachmittag über der Stadt – das verheißt immer Großes.

Die Stiftung sollte an die drei früh verstorbenen Kinder der Eheleute Fischer erinnern: Maria Theresia, Friedrich und Therese. Das Vermächtnis ist zugleich ein entscheidendes Kapitel Erdinger Braugeschichte. Bayerstorfer erinnerte daran, dass die 1891 in die Stiftung eingebrachte Brauerei aus der bereits 1691 urkundlich erwähnten Resch-Brauerei hervorgegangen sei. Später kam die Lex-Brauerei hinzu. Friedrich und Katharina Fischer verfügten in ihrem Testament vom 30. Juni 1884, dass das gesamte Vermögen in eine Stiftung übergehen solle, um damit ein Distriktsarmenhaus zu finanzieren.

Heute ist daraus das Fischer’s Seniorenzentrum in Erding geworden, in dessen prachtvollen Garten das Jubiläum seit Donnerstag gefeiert wurde. Der Vorsitzende ging auf die Entwicklung „dieser für Stadt und Landkreis so wichtigen Einrichtung“ ein und betonte deren heute exzellenten Ruf, was Überprüfungen regelmäßig bestätigten. Sein besonderer Dank und Gruß galt allen, die sich um die Bewohner kümmern, ob haupt- oder ehrenamtlich. Sie seien die Bewahrer des Stifterwillens.

Die Fischer’s Wohltätigkeitsstiftung, so Bayerstorfer, habe sich über die Jahrzehnte wie ein Baum entwickelt – mit dem Altenheim als Wurzel und unter anderem Tagespflege, ambulanten Angeboten, Betreutem Wohnen und Demenzbereich als tragkräftigen Ästen.

Eine wichtige Rolle dabei spielen für Bayerstorfer auch Werner Brombach und dessen Erdinger Weißbräu. Er hatte 1991 die Stiftungsbrauerei übernommen. Für jeden verkauften Hektoliter erhält die Stiftung per Vertrag einen Euro. Ab 2017 wird das Stiftungsbier auch wieder in Erding gebraut, und nicht, wie aktuell aus Kapazitätsgründen, in Regensburg.

Das Essen beim Festakt fiel deutlich bescheidener aus als das im Testament verfügte opulente Mahl. Deswegen wird sich der Ärger von 1971 nicht wiederholen. Damals hatte man Bundeslandwirtschaftsminister Josef Ertl zu Gast. Und die gesamte deutsche Presse verriss die Testamentsverlesung, bei der sich alle nur ihre dicken Bäuche vollgeschlagen hätten, während die Senioren hätten darben müssen.

Hans Moritz

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