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Bayerisches Rotes Kreuz 

Wachstum als Heilmittel für die Helfer

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Der BRK-Kreisverband Erding steht vor großen Herausforderungen: Die Mitgliederzahl sinkt, Spenden fließen spärlich, der soziale Markt ist immer stärker umkämpft. Das Rote Kreuz will darauf mit Wachstum reagieren. Das Angebot soll ausgebaut werden.

Von Hans Moritz

Erding – Das Wetter passte zum Anlass: Kaum war der frisch im Amt bestätigte BRK-Präsident Theo Ziegler beim Kreisverband Erding eingetroffen, begann draußen ein Schneesturm zu toben. Im Saal tobte niemand, der Wind des Umbruchs, vor dem der mit 10 720 Fördermitgliedern größte Vereins Erding steht, war dennoch zu spüren. Für Vorsitzenden Franz Hofstetter und seine Kreisgeschäftsführerin Gisela van der Heijden geht es um nicht weniger als die Zukunft von 120 hauptamtlichen und 1500 ehrenamtlichen Mitarbeitern.

6,45 Millionen Euro Umsatz hat das BRK zuletzt gemacht. Für van der Heijden kein finanzielles Ruhekissen. Darauf wies auch Schatzmeister Manfred Kroha hin: „Wie verlieren etwa durch Tod mehr Fördermitglieder als neue dazukommen. Und an reinen Spenden bekommen wir pro Jahr nicht einmal einen fünfstelligen Betrag.“

Querfinanzierung sichert das Überleben

Van der Heijden hat ein Konzept ausgearbeitet, mit dem sie verhindern will, dass das BRK irgendwann selbst ein Notfall wird. Grundsätzlich gilt: Profitable und nicht kostendeckende Gliederungen können dann erfolgreich bestehen, wenn sie sich gegenseitig stützen. „Gerade die profitablen wollen wir ausbauen.“ So werde man von Kostenträgern unabhängiger.

Präsident Ziegler erläuterte sie die Wachstumsstrategie. Für diese gelten zwei Prämissen: „Generierung von Einnahmen sowie Übernahme sozialer Aufgaben in einer älter werdenden Gesellschaft mit immer mehr Bedürfnissen und Ansprüchen an karitative Organisationen.“ Als Beispiele nannte van der Heijden unter anderem den geplanten Bürgertreff am Rätschenbach, die Übernahme der Aktion Erbse von der Bundeswehr sowie die Trägerschaft über das Frauenhaus. 2018 soll zudem ein rollender Supermarkt starten. „Wir wollen in die Ortschaften, wo es gerade für ältere Menschen Versorgungsprobleme gibt“, so die Geschäftsführerin. „Deswegen werden wir sicher keine Konkurrenz zum bestehenden Handel sein“, fügte Vize-Vorsitzender Jürgen Loher hinzu.

Das Wachstumskonzept sei nicht neu, so van der Heijden mit Verweis auf die beiden Kleiderläden, die Übernahme des Kriseninterventionsteams sowie den Einsteig in die Kinderbetreuung. Sie stimmte Ziegler zu, als der meinte, dass die Altenpflege „das große Zukunftsthema sein wird, dem auch wir uns verstärkt widmen müssen“. Als Erstes will das Erdinger BRK eine ambulant betreute Wohngemeinschaft gründen.

Insgesamt sieht sich das BRK vor immer größeren Herausforderungen. Van der Heijden äußerte die Befürchtung, dass der Sozialstaat zunehmend zu einem „freien Markt mit sozialer Komponente“ werde. Das spüre man sehr deutlich bei öffentlich-rechtlichen Aufgaben wie dem Rettungsdienst. Offen kritisierten sie, Hofstetter und Erdings OB Max Gotz, dass es in allen Ausschreibungen nur noch um das günstigste Gebot gehe und andere Faktoren wie ehrenamtlicher Hintergrund nicht mehrgewertet würden. „Konkurrenz- und Marktmechanismen entwickeln sich immer stärker.“

Die Folge sei auch eine zunehmende Konkurrenz zwischen den Sozialverbänden. „Hier ist aber gerade das Rote Kreuz wegen seiner Größe und Vielfalt gut aufgestellt“, meinte die Geschäftsführerin.

„Unbremsbare Kreativität“

Beim Ehrenamt hat van der Heijden festgestellt, „dass sich die Menschen nicht mehr für die Ewigkeit binden, sondern sich lieber projektbezogen einbringen wollen“. Rekrutierung und Erhalt würden schwieriger.

Ziegler lobte die „unbremsbare Kreativität“ in Erding, mahnte aber: „Hinterfragen Sie immer kritisch, ob es eine BRK-Aufgabe ist.“ Vom Staat forderte er eine „deutliche Aufstockung der Mittel für den Katastrophenschutz“.

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