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In Erding

Vater will Töchter verschleppen: Aufmerksame Nachbarn verhindern Entführung

Aufmerksamen Nachbarn ist es zu verdanken, dass zwei Mädchen nicht in den Irak verschleppt worden sind. Die Kinder lebten bei Pflegeeltern in Erding. Ihr leiblicher Vater stand jetzt vor Gericht.

Erding - Ein Oldtimer-Kennzeichen an einem VW-Touran. „Das geht gar nicht“, dachte sich ein aufmerksamer Erdinger, als er am frühen Morgen des 6. März 2020 einen schwarzen Van vor seinem Haus stehen sah. Der Mann behielt den Wagen im Auge und hat dadurch verhindert, dass zwei kleine Mädchen auf Nimmerwiedersehen in den Irak verschleppt werden. In Griechenland, unmittelbar vor der Grenze zur Türkei wurde der Van gestoppt und der Vater festgenommen.

Erding: Mann möchte Töchter verschleppen - Ungewisse Stunde für Pflegevater

Bei dem Gedanken an die Stunden der Ungewissheit konnte der Pflegevater vor dem Amtsgericht minutenlang nicht weitersprechen. „Die Nacht war so schlimm“, sagte er. Man habe ja nicht gewusst, was mit den Mädchen passiert sei.

Der leibliche Vater der Kinder entschuldigte sich über Verteidiger Thomas Fauth für sein „Fehlverhalten“. Richterin Sandra Brenner verurteilte den 50-Jährigen wegen Entziehung Minderjähriger zu einer Freiheitsstrafe von neun Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Die Staatsanwaltschaft hatte ein Jahr Haft ohne Bewährung beantragt, die Verteidigung eine Bewährungsstrafe von maximal einem Jahr.

Fauth räumte für seinen Mandanten den angeklagten Sachverhalt ein. Demnach hatten der Iraker, seine Frau und ihre zwei älteren Kinder die Mädchen (sechs und acht Jahre alt) auf dem Schulweg abgepasst. Ziel war es, in den Irak zu fahren. Um einer Fahndung zu entgehen, hatte der Angeklagte falsche Kennzeichen ans Fahrzeug montiert. Damit schaffte es die Familie bis Griechenland.

Vater fängt Töchter auf Schulweg ab: Nachbarin beobachtet Geschehen - und verständigt Pflegevater

Das Amtsgericht München hatte dem Ehepaar im November 2019 das Sorgerecht entzogen und auf die Stadt München übertragen. Von Richterin Brenner nach dem Grund befragt, meinte der Pflegevater, den in Deutschland geborenen Mädchen sei es wohl „von der Mutter aus nicht so gut gegangen“. Sie hätten ein paar Mal von Schlägen erzählt.

Am 6. März hätten sich die Kinder wie immer gegen 7.20 Uhr verabschiedet und auf den Weg zur Schule gemacht, sagte der Pflegevater. Fünf Minuten später sei an der Tür Sturm geklingelt worden. Er habe gedacht, es seien die Mädchen. Die hätten das öfter gemacht – „zum Spaß, und wir mussten ihnen dann noch mal winken“, so der 60-Jährige.

Doch es sei die Nachbarin gewesen. Völlig aufgeregt habe diese berichtet, dass ihr Mann und sie beobachtet hätten, wie die Kinder in ein schwarzes Auto gestiegen seien. Ihr Mann habe das Ganze sogar gefilmt, weil ihm das Fahrzeug zuvor schon verdächtig vorgekommen war. Mehr als eine halbe Stunde lang sei es in der Straße gestanden. Der Fahrer habe es immer wieder mal hin- und herrollen lassen.

Nach versuchter Entführung: Kinder derzeit am Chiemsee untergebracht

Durch einen Anruf in der Schule erfuhr der Pflegevater, dass die Mädchen dort nicht angekommen sind. Er habe sofort die Polizei alarmiert. Dass die Kinder von ihren eigenen Eltern entführt worden seien, darauf wären seine Frau und er nie gekommen. Ein Vertreter des Jugendamts sagte, es habe telefonisch eine erste Annäherung zwischen den Mädchen und den Eltern gegeben. Begleitete Treffen sollen folgen.

Die Kinder sind auf Geheiß des Jugendamts derzeit am Chiemsee untergebracht. Auch die Pflegeeltern telefonieren regelmäßig mit ihnen. Er habe das Gefühl, so der Pflegevater, „dass sie dort sehr zufrieden sind. Aber es kommt schon häufig die Frage, wann sie wieder kommen dürfen“.

Weil er seine Ehefrau verletzt und vergewaltigt hat, verurteilte das Landgericht Landshut einen 45-Jähriger aus dem Landkreis Erding zu einer Gefängnisstrafe von drei Jahren und vier Monaten. Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s jetzt auch in unserem neuen, regelmäßigen Erding-Newsletter.

(nig)

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