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Im südlichen Landkreis Erding muss ein gesamter Geflügelbestand getötet werden. Im Umkreis gelten strenge Restriktionen

Hof im südlichen Landkreis betroffen

Geflügelpest im Landkreis Erding ausgebrochen: 100 Tiere infiziert - Sperrbezirk errichtet

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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Ausgerechnet zu Ostern ist im Landkreis Erding die Geflügelpest ausgebrochen. Betroffen ist ein Hof im südlichen Landkreis, teilt das Landratsamt mit.

Erding – Für den Betrieb hat das schwerwiegende Konsequenzen, aber auch für Geflügel haltende Betriebe in der näheren Umgebung. Der Fall zeigt exemplarisch, wie sich die für den Menschen an sich ungefährliche Tierseuche verbreiten kann, nämlich durch den Handel mit Tieren.

Landkreis Erding: Zusammenhang mit Virusausbruch in Poing wahrscheinlich

Der Ausbruch der hoch ansteckenden Geflügelpest, wissenschaftlich „Hochpathogene Aviäre Influenza“ (HPAI) genannt, war am Mittwoch festgestellt worden. 100 Tiere sind infiziert. Die Diagnose war im Zuge der Beprobung eines Kontaktbetriebs gestellt worden.

Der Hinweis hatte sich nach den Worten von Landratsamtssprecherin Daniela Fritzen ergeben, nachdem das Veterinäramt Ebersberg einen Ausbruch der HPAI in einem kleinen Geflügelbestand bei Poing im Landkreis Ebersberg festgestellt hatte. Dieser Betrieb, hier geht es um knapp drei Dutzend Tiere, hatte zuvor Junghennen von dem Züchter im südlichen Landkreis Erding bezogen.

Nach Ausbruch der Geflügelpest: Gesamter Tierbestand von betroffenem Hof wird getötet

Weil seit Mitte März wegen der Geflügelpest auch im Erdinger Land eine Stallpflicht mit strengen Hygieneregeln gilt (wir berichteten) und der Erreger in der üblichen Ansteckungszeit nachgewiesen worden ist, „geht das Veterinäramt davon aus, dass das Virus H5N8 über Zukauf in den Betrieb eingetragen wurde“, so Fritzen.

Sämtliches Geflügel dieses Betriebs wird nun gekeult, sprich getötet. Doch auch die Umgebung ist betroffen. Das Landratsamt hat nach den Worten Fritzens rund um den Ausbruchsbetrieb einen Sperrbezirk mit einem Radius von drei Kilometern und ein Beobachtungsgebiet mit einer Ausdehnung von zehn Kilometern gezogen. „In diesen so genannten Restriktionszonen wird per Allgemeinverfügung das Verbringen von Geflügel, Eiern, Fleisch aus geflügelhaltenden landwirtschaftlichen Betrieben reglementiert“, erläutert die Sprecherin.

Die Geflügelpest stellt eine durch Viren hervorgerufene Tierseuche dar und betrifft sowohl wild lebende Vögel als auch Hühner, Puten, Gänse und Enten, die in landwirtschaftlichen Betrieben oder auch in Hobby-Beständen gehalten werden.

Geflügelpest in Bayern: Übertragung durch Tierhandel

In der Regel erkranken nur Wildvögel und Wirtschaftsgeflügel wie Hühner und Puten. Andere Vogelarten können das Virus nach Angaben des Veterinäramtes jedoch latent in sich tragen und verbreiten. „Ein direkter Kontakt von Hunden oder Katzen mit Vogelkadavern sollte daher zur Zeit nach Möglichkeit vermieden werden“, sagt Fritzen.

Auch eine indirekte Übertragung durch Menschen, Fahrzeuge, Mist, Futter oder Transportkisten ist möglich. „Hinweise zu Infektionen bei Menschen liegen in Deutschland allerdings nicht vor“, betont Fritzen.

Das Friedrich-Löffler-Institut als Nationales Referenzlabor für Tierseuchen bilanziert, dass in Deutschland seit Ende Oktober vergangenen Jahres etwa 1000 Fälle von Geflügelpest bei Wildvögeln und 133 Ausbrüche bei Geflügel, davon sechs bei gehaltenen Vögeln in Tierparks oder ähnlichen Einrichtungen, festgestellt worden sind.

Geflügelpest: Internationales Problem - nahezu täglich Neuinfektionen

Doch es handelt sich auch um ein internationales Problem: Zahlreiche europäische Länder melden nahezu täglich Infektionen. Zum einen verbreiten wild lebende Vögel das Virus. Es gibt aber auch Sekundärausbrüche wie jetzt in Erding. Und sie stellen derzeit das größere Problem dar, wie der Fall Erding/Ebersberg von dieser Woche zeigt: Das Virus springt beim Handel mit Tieren über. „Beim Handel mit Lebengeflügel ist daher jetzt äußerste Vorsicht geboten“, rät Fritzen. „Die Biosicherheit in den Geflügelhaltungen sollte weiterhin überprüft und optimiert werden.“

Als ein Hauptüberträger der Geflügelpest in Deutschland kommt ein Großbetrieb in Nordrhein-Westfalen in Frage, der Geflügelhof Schulte im Landkreis Delbrück-Westenholz. Hier war das Virus am 22. März festgestellt worden. Der Züchter verkauft bundesweit. „Da der Verbleib der von diesem Händler veräußerten Tiere nicht vollständig nachvollzogen werden kann – unter anderem fand der Verkauf einzelner Tiere aus dem Auto statt – ist nicht auszuschließen, dass neben den bisher bekannten Kontaktbetrieben noch weitere Tierhalter Geflügel zwischen 28. Februar und 23. März von diesem Händler erworben haben“, warnt die Sprecherin. Betriebe, die in diesem Zeitraum vom Geflügelhandel Schulte Tiere bezogen haben, sollen umgehend mit dem Veterinäramt Erding, Tel. (0 81 22) 58 14 70 Kontakt aufnehmen.

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(ham)

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