Vorfreude auf den Start: Das Kinder-Palliativteam von St. Marien mit den Förderern des Projekts.

Kinderkrankenhaus St. Marien

Begleitung in den schwersten Tagen

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Erding/Landshut - Für Kinder und Jugendliche aus dem Landkreis Erding, die unheilbar krank oder dem Tod geweiht sind, gibt es nun ein eigenes palliativmedizinisches Angebot. Am 1. April geht es am Kinderkrankenhaus St. Marien in Landshut in Betrieb.

 

Es ist das Schlimmste, was sich Familien vorstellen können: Das eigene Kind geht vor den Eltern. Und doch gibt es diese dramatischen Fälle. Die Begleitung junger Menschen, die wissen, dass sie nie wieder gesund werden, die Schmerzen haben oder die das Schicksal zu tragen haben, dass sie bald sterben werden, ist nicht nur medizinisch eine große Herausforderung, sondern auch psychisch. In Landshut können betroffenen Familie ihre Kinder nun bestens aufgehoben wissen. Zum 1. April startet nach dreijähriger Vorbereitungszeit am Krankenhaus St. Marien die spezialisierte ambulante Palliative Versorgung für Kinder und Jugendliche (SAPVKJ).

Es sind bewegende Zahlen und Fakten die Ärztlicher Direktor Dr. Reinhard Herterich und Tatjana Tarabek-Danzl, Co-Leiterin des Palliativteams, bei der Vorstellung nannten: 50 Kinder seien es aktuell in Niederbayern und den angrenzenden Landkreisen. „Die Erkrankungen, um die es hier geht, betreffen eher weniger den onkologischen Bereich, sondern vielmehr Kinder und Jugendliche mit schwersten Schädigungen des Herzens, der Muskeln, der Atemorgane und des neurologischen Systems“, schildert Herterich. Laut Tarabek-Danzl sterben daran in ganz Bayern etwa 560 Mädchen und Buben pro Jahr. „Bei 3000 weiteren wird eine Erkrankung mit lebensverkürzender Diagnose festgestellt.“

Für Betroffene aus dem Raum Landshut ist nun zumindest eine professionelle Begleitung gewährleistet. „Denn ein Team aus Fachleuten steht ab sofort rund um die Uhr, an 365 Tagen im Jahr bereit, um die Eltern in Krisensituationen zu unterstützen, damit das Kind im häuslichen Umfeld bleiben kann“, sagt Tarabek-Danzl. Es sei eben ein ambulantes Angebot, keines, das einen längeren Klinikaufenthalt erfordert. Verfolgt wird auch ein präventiver Ansatz: Eine Überforderung und Traumatisierung der Familie, nicht zuletzt der Geschwister soll vermieden werden. Schließlich geht es auch um das Weiterleben nach dem Tod eines Kindes.

Das Palliativteam im Akademischen Lehrkrankenhaus der Ludwig-Maximilians-Universität München leistet nach den Worten seiner stellvertretenden Leiterin vier Kernaufgaben: Das Ermitteln des Betreuungsaufwandes, die Koordination mit bereits bestehenden Strukturen wie Pflegediensten oder Kinderärzten, das Beraten inklusive psychologischer Unterstützung der Familie sowie das Erstellen eines Notfallplans und eines medizinisch-pflegerischen Schwerpunkts.

Dass das SAPVKJ in der Einrichtung der Solanus-Schwestern in Landshut starten kann, liegt zum einen an der Genehmigung des Gesundheitsministeriums und der Kostenzusage der Kassen. Marienhospital-Geschäftsführer Bernhard Brand machte aber auch deutlich, „dass es ohne Sponsoren niemals möglich gewesen wäre, dieses Angebot unterbreiten zu können“. Er dankte dem Förderverein Kinder-Palliativ-Hilfe Niederbayern, den Sternstunden des BR und weiteren privaten Geldgebern. Die Geschäftsführung geht davon aus, dass jährlich ein Spendenzuschuss in Höhe von 100 000 Euro erforderlich sei, um alle Kosten zu decken. Beim Aufbau wertvolle Dienste geleistet hat Dr. Monika Führer, die als erste in Bayern ein spezielles palliatives Konzept für Kinder und Jugendliche erstellt und umgesetzt hatte.

Brands Dank galt aber auch den Mitgliedern des Landshuter SAPVKJ-Teams: „Es ist eine herausragende Leistung gewesen, mit hoher Motivation alle geforderten Weiterbildungen zu durchlaufen und nun mit Optimismus und Engagement an den Start zu gehen.“

Infos zum SAPVKJ

per Mail: kinderpalliativteam@st-marien-la.de oder im Internet unter www.kinderkrankenhaus-landshut.de.

Hans Moritz

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