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Kann was: Johanna Doll beeindruckte das Publikum im Konzertsaal der Kreismusikschule nicht nur mit ihrem Können, sondern auch mit ihrer unbekümmerten Art. 

Benefizkonzert von Johanna Doll

„Da fliegen die Finger und auch die Fetzen“

 Mit einem beeindruckenden Benefizkonzert hat die Erdinger Pianistin Johanna Doll im Konzertsaal der Kreismusikschule nicht nur für einen musikalischen Genuss gesorgt, sondern auch 1080 Euro für das Palliativ Team Erding eingespielt. Dessen Geschäftsführerin Monika Vogt sprach von einer „großartigen“ Summe. Das restlos begeisterte Publikum feierte die Ausnahmekünstlerin mit stehenden Ovationen.

Erding - Es war eins von Johanna Dolls persönlichsten Konzerten, in dem sie viel von ihrem musikalischen Werdegang durchscheinen ließ. Sie erzählte von jenem Komponisten, an dem ein angehender Pianist nicht vorbei kommt: Frederic Chopin. „Ich habe so Lust auf Chopin!“ Und so pfiff sie auf das, was auf dem Plakat stand und spielte jene Ballade Nr. 1 in g-moll, von der sie erzählte: „Das war in der Zeit, als ich beschlossen hatte, Pianistin zu werden.“ Und wie immer schwärmte sie dem Publikum etwas vor: „Da fliegen die Finger und auch die Fetzen.“

Damit war sie bei jenem Montagskonzert am damals noch so genannten Gymnasium Erding II (heute KAG) im Jahr 2006, wo sie als 15-Jährige ebenfalls Chopin spielte. Das Scherzo Nr. 4, das sie heute noch ab und an zu Gehör bringt. Dazu sagte sie gut gelaunt zu ihrem Übungserfolg: „Alter, jetzt kann ich die ja wirklich!“ Und wie sie die konnte. Genau wie die „Sonatine pour Piano“ von Maurice Ravel, mit der Doll ihre Professorin schon im Alter von 13 Jahren gefordert hatte. Das brachte ihr den Spitznamen „Ravellinchen“ ein.

Doll nimmt ihr Publikum gerne mit auf eine Reise zu ihren Lieblingskomponisten. „Mei, is des schee“, rief sie begeistert über das Ravel-Stück, bevor sie sich wieder an den Flügel setzte und die Finger fliegen ließ. Schuberts Sonate in A-Dur fand sie „unglaublich verspielt“ und „wahnsinnig süß“. Dann ließ sie ihr Auditorium wissen und spüren, warum.

Offenbar hat Doll nur Lieblingskomponisten, denn das sagt sie bei jedem Konzert, und es sind immer andere dabei. Einer aber gehört immer dazu: Ludwig van Beethoven. Von ihm hatte sie die „Waldsteinsonate“ ausgewählt. Zuvor musste sie allerdings ein technisches Problem lösen. Die 1990 in Erding geborene Pianistin hat sich so viel jugendliche Unbekümmertheit bewahrt, dass sie erst einmal auf allen Vieren unter dem Flügel herumkrabbelte, um die Bremsen fest zu ziehen.

Unter der Wucht Beethovens, so ihre Befürchtung, könnte sich das Instrument selbstständig machen. Was dann kam, konnte diese Sorge durchaus aufkommen lassen. Es war ein geradezu bombastischer Abschluss des offiziellen Programms, aber das Publikum forderte hartnäckig eine Zugabe. Da erinnerte sich Doll, dass Franz Liszt auf dem Plakat stand. „Und bevor jetzt die Beschwerdebriefe kommen...“ KLAUS KUHN

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