Beratung für Bürger und Unternehmen 

Keine Mehrheit für Digitalisierungslotsen

Braucht es einen neuen Ansprechpartner, der Unternehmen und Bürger in Sachen Digitalisierung berät? Die SPD-Kreistagsfraktion meint Ja und hat die Etablierung eines „Innovationszentrums 4.0“ gefordert. Im Kreisausschuss scheiterte der Antrag allerdings. Eine 9:4-Mehrheit aus CSU und Freie Wählern lehnte ab.

Erding – Im Rahmen der Initiative „Gründerland Bayern“ sollen im Freistaat neun digitale Gründerzentren entstehen, berichtete Wolfgang Thomas von der Kreisverwaltung. In Oberbayern seien dies das Werk1 in München (seit 2013) und das Stellwerk18 in Rosenheim (im Bau). Über das Kuratorium der Hochschule Rosenheim sei dort auch der Landkreis Erding vertreten.

Außerdem gibt es laut Thomas in der Planungsregion 18, der auch der Kreis Erding angehört, eine Digitalisierungsoffensive. In deren Rahmen sei geplant, „in jedem Landkreis Ansprechpartner für Digitalisierung zu identifizieren“, so Thomas. Diese sollen als Digitalisierungslotsen qualifiziert werden. Fazit: „Die Einrichtung eines koordinierenden Steuerkreises wird als nicht zielführend angesehen“, schreibt Thomas. Auch eine Personalstelle für diesen Bereich solle nicht geschaffen werden.

Erst nach den Ausführungen des Landratsamtsmitarbeiters konnte die Antragstellerin ihre Idee erläutern. „Digitalisierung hat nicht nur Freunde, sondern macht auch Menschen Angst“, erklärte Dritte Landrätin Gertrud Eichinger (SPD). Die Entfernungen zu den nächsten digitalen Gründerzentren in Rosenheim, Landshut oder Ingolstadt seien zu groß. Daher empfehle sie einen festen Ansprechpartner hier vor Ort.

Eine solche Anlaufstelle gebe es schon, antwortete Landrat Martin Bayerstorfer (CSU): das Amt für Digitalisierung, Breitband und Vermessung in Erding. Diese Behörde sei nach ihrer Auffassung „bisher vor allem im Bereich Vermessung verortet“, erwiderte dagegen Eichinger.

Für Georg Els (FW) ist es „nicht sinnvoll, ein neues Angebot zu schaffen“. Er habe im Internet recherchiert und in Bayern 281 Stellen für Digitalisierung gefunden. „Da brauchen wir eher jemanden, der einen durch diesen Wirrwarr lotst“, erklärte Els.

Die Herausforderungen der Digitalisierung zu meistern, sei „in erster Linie Aufgabe der Wirtschaft“, meinte Thomas Bauer (CSU). Er verwies mehrfach auf die von der Kreisverwaltung angegebenen Personalkosten von 78 000 Euro pro Jahr für eine Vollzeitstelle. „Das können wir gar nicht leisten“, sagte auch Bayerstorfer. Solche Beratungen seien „ureigenste Aufgabe der jeweiligen Kammern und berufsständischen Vertretungen“.

Ulla Dieckmann (SPD) widersprach mit Verweis auf die Darstellung der Kreisverwaltung, wonach Digitalisierungslotsen installiert werden wollen. „Warum müssen wir warten?“, fragte sie. Auch der von Eichinger als erste Stufe vorgeschlagene Runde Tisch, bei dem keine Personalkosten entstehen würden, fand bei der Ausschussmehrheit keinen Anklang. Er wurde ebenso abgelehnt. 

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