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Kümmern sich vertrauensvoll um Menschen mit psychischen Erkrankungen (sitzend, v. l.): Lisa Untiet, Avi Gorer und Christine Reger; (stehend, v. l.) Angelika Bago, Irina Hausen, Michael Stephan und Alfons Kühnstetter von der Beratungsstelle für psychische Gesundheit der Caritas in Erding.

Beratungsstelle für psychische Gesundheit der Caritas 

Sie helfen aus dem Seelen-Tief

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Erding - Ein schwerer Autounfall verändert Erichs Leben von heute auf morgen. Der 42-Jährige leidet als Folge an einem schweren Schmerzsyndrom, hat Depressionen. Er kann nicht mehr arbeiten, schottet sich ab. Hilfe findet er bei der Beratungsstelle für psychische Gesundheit der Caritas.

Es sind Menschen wie Erich (Name gändert), für die sich die Caritas in Erding stark macht. Menschen mit psychischen Problemen, die sie aus dem Tritt gebracht haben. Ihre Zahl ist seit Jahren gleichbleibend hoch. Die Beratungsstelle für psychische Gesundheit (BfG) der Caritas Erding begleitet Jahr für Jahr rund 800 Klienten. Und mit ihnen auch viele Angehörigen, die oft die größte Last zu tragen haben. Denn: „Die Menschen versuchen, den Deckel drauf zu halten, so lange es geht“, weiß Alfons Kühnstetter.

Der Sozialpädagoge leitet die BfG in Erding seit 2004. „Viele trauen sich nicht, sich krank schreiben zu lassen wegen einer psychischen Problematik. Ihnen muss man vermitteln, dass das genauso eine Erkrankung ist wie ein körperliches Problem.“ Neben Depressionen sind Persönlichkeitsstörungen und Schizophrenie, aber auch Zwänge und Ängste die Krankheitsbilder der Betroffenen. Sie können sich schleichend entwickeln oder durch ein Schlüsselerlebnis ausgelöst werden. In schweren Fällen zerbrechen die familiären Beziehungen, der Job ist weg.

Kühnstetter betont: „Unsere Aufgabe ist es nicht, die Arbeit der niedergelassenen Ärzte zu machen.“ Aber oft sei es schwierig, bei ihnen zeitnah einen Termin zu bekommen. In akuten Situationen aber kommt es genau darauf an, schnell zu helfen. Hier springt die Caritas-Beratungsstelle ein. Das beginnt beim persönlichen Kontakt übers Telefon.

So lief es auch bei Erich. Ihm fällt es schwer, den Alltag zu meistern. Neben den Schmerzen, die plagen, ist auch seine Psyche angeschlagen. Er zieht sich zurück, geht kaum noch aus dem Haus. Und er merkt selbst, dass das nicht mehr so weitergehen kann. Also greift er zum Telefon und meldet sich bei der Caritas.

„Wir vermitteln den Betroffenen, dass hier jemand ist, der ihnen vertrauensvoll und neutral zuhört.“ Wichtig sei, dass das Problem ernst genommen werde. Denn: „Es ist nach wie vor ein großes Tabuthema psychisch krank zu sein“, weiß Kühnstetter. Dabei macht jeder dritte Bundesbürger laut Statistik einmal im Leben eine depressive Periode durch, und ein bis zwei Prozent leiden an schizophrenen Störungen.

Das Angebotsspektrum der Caritas reicht von der einmaligen Beratung bis zu regelmäßigen Gesprächsterminen und der Unterstützung im Alltag. Denn oft kommen zur psychischen Erkrankung Probleme in der Partnerschaft, in der Familie oder am Arbeitsplatz hinzu. In besonders schweren Fällen schotten sich die Betroffenen total ab.

„Die Phase des Kontaktaufbaus ist häufig relativ lang“, sagt Kühnstetter. Es braucht Geduld, bis der Betroffene sich öffnet und Vertrauen fasst. Gemeinsam werden Lösungen gesucht, die den Weg in die Zukunft wieder frei machen. Besonders wichtig: Eigenmotivation. „Man kann niemanden zur Hilfe verdonnern“, so Kühnstetter. Der Betroffene müsse sagen: „Ich möchte in meinem Leben etwas ändern.“

Die Caritas-Beratungsstelle beschäftigt Sozialpädagogen, eine Psychologin und einen Kunsttherapeuten. Das Tageszentrum besuchen jedes Jahr rund 100 Klienten regelmäßig, im ambulanten Wohnen werden 25 Menschen betreut. „Manche arbeiten noch auf Mini-Job-Basis, aber die meisten sind arbeitslos oder erwerbsgemindert“, sagt Kühnstetter über diese Klienten. Das Therapieziel sei schon, die Menschen wieder in Arbeit zu bringen. „Das gelingt manchmal zeitweilig, aber selten dauerhaft.“ Der Leistungs- und Zeitdruck sei für viele angesichts der schweren psychiatrischen Erkrankungen nicht leistbar. Diese Menschen unterstützt die Caritas bei der Alltagsbewältigung. Etwa, wenn sie vergessen haben, rechtzeitig einen Antrag beim Jobcenter zu stellen. Dann ist das Geld gesperrt, aber nur noch ein Packerl Nudeln im Schrank.

Die Basis der Beratung ist Vertrauen. So unterliegen alle Gespräche der Schweigepflicht. Die Hilfe ist kostenlos und anonym. Die Kosten für die Beratung tragen der Bezirk Oberbayern (80 Prozent) und die Caritas, das ambulante betreute Wohnen übernimmt der Bezirk als Sozialhilfeträger. „Es gibt schon Fälle, wo wir nicht wissen, ob’s geholfen hat“, sagt Kühnstetter. Etwa, wenn sich Betroffene nach einigen Telefonaten nicht mehr melden. „Mit dieser Ungewissheit müssen wir leben.“ Andererseits gebe es auch Klienten, die nach Monaten nochmal anrufen, sich bedanken und erzählen, wie es ihnen geht.

Erich kommt regelmäßig ins Tageszentrum der Caritas. Es ist seine Tür zurück ins Leben, auch wenn es nie mehr so sein wird wie vor seinem Unfall.

Licht in die Herzen

Das Leserhilfswerk des Erdinger/Dorfener Anzeiger unterstützt Menschen wie Erich und die Arbeit der Beratungsstelle für psychische Gesundheit der Caritas Erding. Spenden sind auf das Konto (Nummer 17 111) bei der Sparkasse Erding möglich. Kontoinhaber: Zeitungsverlag Oberbayern. IBAN:

DE54 7005 1995 0000 0171 11.

Auf Wunsch werden Spendenquittungen ausgestellt. Dies vermerken Sie bitte mit Ihrer Adresse auf dem Überweisungsträger. Die Namen der Spender werden veröffentlicht. Wer dies nicht wünscht, vermerkt es ebenfalls.

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