Berufsintegrationsjahr

Mit der Brücke fit für den Ausbildungsplatz

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Erding - Sie motivieren, strukturieren und geben Halt: Die Mitarbeiter des Vereins Brücke Erding helfen Jugendlichen mit und ohne Schulabschluss, eine Lehrstelle zu finden. Ein mühsamer, aber erfolgreicher Weg.

Hans hat keinen Bock. Dem 17-Jährigen ist alles egal. Er ignoriert Absprachen, weicht Kontakten aus. Nur Drogen findet er cool. Ein harter Brocken für die Brücke Erding. Hans ist einer von 15 Jugendlichen, die das Berufsintegrationsjahr (BIJ) absolvieren, ein gemeinsames Projekt des Vereins Brücke Erding und der Berufsschule.

Die Erzieher Dominik Rehbein (29) und Judith Heger (40) betreuen die Jugendlichen auf ihrem Weg in ein strukturiertes Leben mit Berufsausbildung. Sie sind unterschiedlicher Nationalität und sozialer Herkunft. Manche haben keinen Schulabschluss, andere den Quali.

Hans ist einer von ihnen. Er hat die Mittelschule abgeschlossen. „Er war schwierig, hat sich verschlossen“, schildert Rehbein den ersten Eindruck. Nach zwei Wochen bei der Brücke taut der 17-Jährige langsam auf. In intensiven Gesprächen, viel im Rollenspiel, vermitteln Heger und Rehbein den Jugendlichen Sicherheit und Selbstwert. „Man muss die Stärken herauskitzeln, damit sie fürs Leben fit werden“, sagt Rehbein.

Dass den jungen Leuten das bislang nicht gelungen ist, hat viele Gründe. Oft interessiert sich zuhause niemand für sie, oft bringt die Pubertät viel durcheinander. „Da sollen 14- oder 15-Jährige Entscheidungen über ihre Zukunft treffen“, sagt Rehbein. Vielen falle das schwer. Was die Jugendlichen eint: Sie haben den Anschluss verloren. Und den finden sie bei der Brücke wieder.

Die Basis dafür ist ein strukturierter Alltag. Das heißt, ein Schuljahr lang immer im Wechsel zwei Wochen Unterricht in der Berufsschule, eine Woche bei der Brücke, eine Woche Praktikum in einer Firma. Das kann in einem Handwerksbetrieb sein, im Verkauf/Einzelhandel oder im Lagerbereich.

Im Schulungsraum der Brücke an der Färbergasse arbeiten die Jugendlichen an ihrer Sozialkompetenz. Sie lernen, sich selbst einzuschätzen, schreiben Bewerbungen für ihre Praktika, berichten von ihren Erfahrungen. Die Brücke stellt den Erstkontakt zu den Firmen her, sieht sich als Wegbegleiter.

„Wir stellen den Schülern kostengünstig Bewerbungsmaterial zur Verfügung – wie Mappen und Bewerbungsfotos. Wir unterstützen durch das Üben von Telefonaten und Bewerbungsgesprächen und halten Kontakt mit den Betrieben“, sagt Judith Heger. So werde den Jugendlichen Sicherheit und Routine vermittelt. Dabei helfen auch externe Referenten, etwa von der AOK oder der Agentur für Arbeit, Motivationseinheiten beim Kickboxverein oder ein Antigewalttraining bei der Polizei.

Neben all dem ist die sozialpädagogische Betreuung der Jugendlichen ein Kernpunkt in dieser Zeit. Die Brücke-Mitarbeiter sind oft Kummerkasten und Prellbock zugleich. Sie motivieren, hören zu, geben Ratschläge. Kurzum: Sie nehmen den Jugendlichen mit all seinen Problemen ernst.

Ziel des Berufsintegrationsjahres ist es, „den jungen Menschen eine gesunde Wahrnehmung für sich selbst und ihre Fähigkeiten vermittelt zu haben und die nötige Motivation und Anstrengungsbereitschaft, die Ausbildung durchzuziehen“, fasst Heger zusammen.

„Viele sind schon bis Februar mit Praktika versorgt“, freut sich Rehbein. Wie Hans. Er hat in den Beruf des Kochs hineingeschnuppert und will eine Lehre beginnen. Er ist ein Beispiel, wie wertvoll die Arbeit der Brücke Erding ist.

Rubriklistenbild: © dpa-tmn

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