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Souverän durchs Programm führte Dieter Link (l.) , Leiter der Berufsschule. Zum Festakt ins Gastrozentrum waren zahlreiche Festgäste gekommen, darunter Anton Erhard, die Landräte Martin Bayerstorfer und Robert Niedergesäß sowie der Erdinger Oberbürgermeister Max Gotz (1. Reihe, v. r.).

Festakt mit eigener Ausstellung und einer Jubiläumsschrift

Berufsschule Erding feiert 150. Geburtstag

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150 Jahre Berufsschule Erding Basis des Wohlstands Seit 150 Jahren ist die Berufsschule Erding das Rückgrat für eine erfolgreiche Wirtschaft. Doch die Knochen sind alles andere als porös. Die nächste große Herausforderung ist die Digitalisierung. Jetzt wurde erst einmal gefeiert.

Erding - Zu ihrem 150-jährigen Bestehen präsentiert sich die Berufsschule als Markstein in der Erdinger Bildungslandschaft: 2408 Schüler wurden hier zuletzt unterrichtet - nicht nur aus dem Kreis Erding, sondern auch aus Freising, Mühldorf, Ebersberg sowie aus Stadt und Landkreis München.

Sie erlernen hier Handwerksberufe wie die des Maurers, Zimmerers, Tischlers, Kfz-Mechatronikers und des Frisörs. Industrie und Handel schicken ihren Nachwuchs bei den Kaufleuten, den Fluggerät- und Triebwerkmechanikern, der Köche sowie der Restaurant- und der Hotelfachleute an die Freisinger Straße. Auch medizinische und zahnmedizinische Fachangestellte bekommen hier ihr Rüstzeug. Neu sind die heute acht Klassen für berufsschulpflichtige Flüchtlinge.

Wenn die Berufsschule Erding feiert, braucht sie keinen Caterer oder Stadthalle. Der Festakt zum Jubiläum fand am Donnerstag im eigenen Gastrozentrum statt. Die Gäste wurden aufmerksam und stilvoll von den Schülern dieser Sparte verköstigt. Schulleiter Dieter Link war nicht anzumerken, dass der aktuell drei Schulen zu leiten und dazu noch die Organisation des Festjahrs auf den Schultern lasten hat (siehe lokale Seite 1).

Selbstbewusst zitierte er das Weltwirtschaftsforum, das unlängst zu der Einsicht geraten sei: „Gut ausgebildete Kräfte sind für die Zukunft wichtiger als das Kapital.“ Link münzte das auf die Erdinger Berufsschule um: „Seit 150 Jahren liefern wir der Wirtschaft eben diese gut ausgebildeten Kräfte.“

Man blicke auf 150 Jahre erfolgreiche duale Ausbildung. „Sie gilt weltweit als Vorbild. Viele wollen es von uns lernen.“

Ministerialdirektor Herbert Püls nannte die berufliche Bildung ein „Erfolgsmodell, auch wenn die OECD, die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit in Europa, lange gebraucht hat, das zu verstehen“.

Gerade der Dualismus mit der Ausbildung in Betrieb und Schule mache Deutschlands Wirtschaft stark und stabil. „Er ist ein Grundpfeiler der bayerischen Bildungspolitik“, so der Ministeriale. Deswegen gebe es hier auch keine erschreckend hohe Jugendarbeitslosigkeit wie in vielen anderen europäischen Ländern.

„Daher wollen wir die Berufsschulen auch weiterentwickeln“, so Püls. Als Beispiele nannte er neuen „Kompetenzzentren für hochwertige und innovative Ausbildung“. Die brauche man nicht zuletzt, um dem großen Problem der schwierigen Fachkräftegewinnung entgegenzutreten.

Landrat Martin Bayerstorfer lobte die „hervorragende Atmosphäre in dieser Schule. Die Gesellschaft bekommt von hier eine herausragende Dienstleistung“. Von den Erfolgen der Wirtschaft profitiere die gesamte Gesellschaft, so Bayerstorfer mit Verweis auf die in Erding zuletzt sprunghaft angestiegene Steuerkraft. „Die Berufsschule Erding ist die Basis unseres Wohlstands, der uns für die Zukunft stark macht.“

Ausdrücklich dankte der Landrat der Schulfamilie, dass sie 2014 die Berufsschul-Turnhalle geopfert habe, damit die Regierung von Oberbayern zweimal hier eine Notunterkunft für Geflüchtete einrichten konnte. Heute, so Bayerstorfer, leiste die Schule einen „großen Beitrag zur Integration von Flüchtlingen“.

Die Festrede hielt der in Erding lebende frühere Amtschef des Kultusministeriums, Josef Erhard. Er erinnerte daran, „dass die Berufsschulen nach den ersten allgemeinbildenden Schulen aus dem 16. Jahrhundert und den Universitäten seit dem Mittelalter in Bayern eine recht junge Schulart seien“ – ermöglicht 1864 durch die königliche Verordnung, die bisherige Feiertags- zur beruflichen Bildungsschule umzubauen. Drei Jahre später, 1867, ging die Berufsschule Erding an den Start.

In Zukunft müsse es noch besser gelingen, Schüler mit Defiziten zu fördern. „Auch die Integration der Asylbewerber ist für die Berufsschulen eine Herkulesaufgabe.“

Dabei erlaubte sich Erhard einen Seitenhieb auf die Politik: „Es ist bedauerlich, wenn es mit den Arbeitserlaubnissen nicht so klappt, wie die Wirtschaft das will.“

Als großes Zukunftsthema nannte Erhard die Digitalisierung – der Betriebe wie des Unterrichts. Für Link hatte er einen Tipp: „Kümmern Sie sich um die Fördermittel. Die gibt es ab 2018 – ein Muss.“

Musikalisch umrahmt wurde der Festakt, an dem auch die früheren Berufsschulleiter Helmut Schmid und Josef Biller teilnahmen, von der FOS/BOS-Band und dem Berufsschulchor. Zum runden Geburtstag ist eine lesenswerte Festschrift erschienen. Zudem wurde nach dem Festakt eine Jubiläumsausstellung in der Berufsschule eröffnet.

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