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Mit Zahlen kennt sich Stephan Glaubitz aus. Zu 9+2 in Finsing oder Isen will er noch einmal selbst nachrechnen.

Debatte um 9+2

„Bestelltes Gutachten“ oder beste Lösung

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Erding – Grünen-Kreisrat Stephan Glaubitz hat gegen 9+2 an der Mittelschule Isen gestimmt – zunächst nur, weil ihm entscheidende Informationen gefehlt hätten, sagt er. Vier Wochen danach versucht er immer noch, das komplette Hochschulgutachten zu bekommen.

Wird der zweite 9+2-Zug im Landkreis an der Mittelschule Isen oder Finsing angesiedelt? Die Entscheidung des Schulamts steht noch aus. Doch die Kreistagsmehrheit hat bereits einen Pflock eingeschlagen: Der Landkreis übernimmt die Schülerbeförderungskosten für ein solches Angebot an der Mittelschule Isen. Das Zustandekommen des 35:18- Beschlusses war schon in der Sitzung vor vier Wochen umstritten. Seitdem bemüht sich Grünen-Kreisrat Stephan Glaubitz um die Informationen, die als Grundlage für die Entscheidung dienen sollten: eine Studie der Hochschule Erding. Bis heute war Glaubitz nur teilweise erfolgreich.

„Ich kann nicht sagen, welcher Standort besser ist. Mir geht es nur um die Transparenz, damit man als Kreisrat überhaupt weiß, über was abgestimmt wird“, sagt der Musiker und Lehrer im Gespräch mit unserer Zeitung. Er hatte schon ein paar Tage vor der Kreistagssitzung offiziell um das Gutachten gebeten. Aber in der Tagung selbst lag es weder elektronisch noch gedruckt vor (wir berichteten).

Mittlerweile haben Glaubitz und seine Kreistagskollegen das präsentierte Gutachten. Aber auch die „Langfassung“, die er vom Landratsamt erbat, mache für ihn die Argumentation nicht verständlicher, sagt der Walpertskirchener, der auch Mathematik mit Nebenfach Statistik studiert hat. Es fehle ein wissenschaftlicher Text, der die Berechnungen und die Quelle der Zahlen erklärt.

„Es steht in dem ganzen Ding nicht drin, wie sie auf die Färbung der Karte kommen“, sagt der Kreisrat zur Zusammenfassung der Erkenntnisse auf einer bunten Landkreiskarte. Darauf ist für 9+2 in Isen zu sehen, dass die Gemeinden im Südwesten des Landkreises die beste Busanbindung ans Poinger 9+2 hätten. Eine Erläuterung erhielt der 53-Jährige auch nicht auf mehrfache E-Mail-Anfragen bei Landratsamt und Hochschule. „Das ist so haarsträubend, dass es nie und nimmer wissenschaftlichen Ansprüchen genügt. Ich glaube, das ist ein bestelltes Gutachten“, folgert er.

„Im Gutachten wird lediglich farblich die hypothetische Erreichbarkeit mit öffentlichen Busverbindungen innerhalb einer angenommenen Fahrzeit von 60 Minuten Fahrzeit dargestellt“, erklärt dazu das Landratsamt auf Nachfrage unserer Zeitung. Das könne aber nur im Rahmen „einzelfallbezogener Zuweisungen“ durch das Schulamt erfolgen, schreibt die Kreisbehörde. Das gelte für Schüler, die keinem Sprengel einer Mittelschule mit 9+2 angehören. Eine generelle Lösung gebe es dafür nicht.

„Die Studie verkürzt das Thema auf die Beförderungszeiten auf bestehenden Buslinien“, kritisiert Glaubitz. Das stehe komplett im Gegensatz zu den Daten aus der Bewerbung Finsings um die „Vorbereitungsklassen“, wie 9+2 mittlerweile offiziell heißt. Dieses Gutachten datiert vom März 2016. Eine 18-seitige Fassung davon steht auch auf der Gemeindehomepage.

Aus Glaubitz’ Sicht wäre es eine Selbstverständlichkeit gewesen, dass die Hochschule sich mit der Finsinger Argumentation auseinandersetzt. Zum Beispiel mit der Idee, Jugendliche mit dem kleinen Umweg über Markt Schwaben an die Schule zu bringen. Das könne nicht so exorbitant teuer sein, wie der Landrat das immer darstelle, meint der Grünen-Kreisrat.

Timo Aichele

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