Häusliche Gewalt war Alltag in der Beziehung.
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Häusliche Gewalt war Alltag in der Beziehung.

Beziehungsdrama im nördlichen Landkreis Erding

Ehefrau verletzt und vergewaltigt: 45-Jähriger muss 40 Monate ins Gefängnis

Vergewaltigung mit vorsätzlicher Körperverletzung in zwei Fällen, vorsätzliche Körperverletzung mit versuchter Nötigung und vorsätzliche Körperverletzung: So lautete der Schuldspruch gegen einen 45-Jährigen aus dem nördlichen Landkreis Erding.

Nördlicher Landkreis/Landshut– Er hatte seine Ehefrau körperlich und seelisch missbraucht. Das Landgericht Landshut verurteilte ihn zu einer Gefängnisstrafe von drei Jahren und vier Monaten.

„Nicht schön, nicht entschuld-, aber erklärbar“: Verteidiger Dr. Thomas Krimmel war überzeugt, dass das Verhalten seines Mandanten einen psychischen Hintergrund habe. Am Ende blieb offen, warum der Angeklagte sich über Jahre seiner Frau gegenüber „menschenverachtend und sadistisch“ verhalten hatte, wie es Vorsitzender Richter Ralph Reiter formulierte.

Der psychiatrische Sachverständige wollte eine verminderte Steuerungsfähigkeit nicht ausschließen, allerdings weniger aufgrund der festgestellten depressiven Grundstimmung, sondern wegen des „konfliktbelasteten Verhältnisses“ zwischen den Eheleuten.

Ausschlaggebend für die milde Strafe von drei Jahren und vier Monaten war das Geständnis des 45-Jährigen, das seiner Ehefrau eine Aussage vor Gericht erspart hatte. Reue war damit allerdings nicht verbunden. Das Strafmaß war dem Angeklagten offensichtlich zu hoch: „Ich verstehe das nicht“, sagte er, nachdem Reiter das Urteil verkündet hatte.

Dem Urteil lag eine Verständigung zwischen den Prozessbeteiligten zugrunde. Dem Angeklagten war bei geständiger Einlassung eine Freiheitsstrafe zwischen drei und dreieinhalb Jahren in Aussicht gestellt worden (wir berichteten). Dem entsprechend hatte Krimmel eine Freiheitsstrafe von drei Jahren, Staatsanwalt Matthias Zweck eine von dreieinhalb beantragt. Reiter wies in der Urteilsbegründung darauf hin, dass die Strafe ohne Geständnis wesentlich höher ausgefallen wäre.

Der Angeklagte habe mit dem Schuldeingeständnis nicht nur der Geschädigten eine Aussage, sondern auch dem Gericht eine umfangreiche Beweisaufnahme erspart. Diese Tatsache sei bei der Strafzumessung an erster Stelle gestanden. Zudem sei die Kammer dem Gutachter gefolgt und von verminderter Schuldfähigkeit ausgegangen, so Reiter.

Der Sachverständige hatte eine seit Jahren anhaltende depressive Grundstimmung beim Angeklagten ausgemacht. Ob diese Ursprung der von der Ehefrau geschilderten zunehmend realitätsfernen Behauptungen gewesen ist, konnte der Gutachter aber nicht mit absoluter Sicherheit sagen.

Die Frau hatte einer Freundin und dem Ermittlungsrichter berichtet, dass der Angeklagte beispielsweise ihre Eltern des Mordes an ihrer Oma bezichtigt habe. Zudem hatte er behauptet, Vater und Bruder hätten den Familienhund von der Leine gelassen. Wäre er nicht dazwischen gegangen, hätte der Hund dem gemeinsamen Sohn das Gesicht zerfetzt. Diese „wirren Ideen“ hätten naturgemäß zu Konflikten zwischen den Eheleuten geführt, so Krimmel. Sein Mandant habe darauf unter anderem mit „Strafsex“ reagiert. Gewalttätige Übergriffe seien an der Tagesordnung gewesen, die Anlässe häufig nichtig.

Zu den Kindern sei ihr Mann aber immer gut gewesen, hatte die Geschädigte gesagt. „Ein guter Vater behandelt aber auch die Mutter seiner Kinder gut“, hielt Reiter dem Angeklagten vor, und setze sie nicht „wie einen Hund vor die Tür“. Mehrmals hatte der 45-Jährige seine Frau nur mit einem Höschen begleitet über Nacht ausgesperrt. Auch dabei hatte es sich um Strafaktionen gehandelt.

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