Vor dem Amtsgericht Erding wurde gegen die 32-Jährige verhandelt.
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Vor dem Amtsgericht Erding wurde gegen die 32-Jährige verhandelt.

Erdingerin (32) verletzt ihren Freund (26) im Streit, doch beide können nicht voneinander lassen

Beziehungsprobleme mit Messer gelöst: Bewährungsstrafe

  • Hans Moritz
    VonHans Moritz
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Eine 32-jährige Frau verletzte ihren Freund mit einem Messer. Vor dem Amtsgericht Erding wurde sie zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Erding – Diese Beziehung hat alles, um ein schäbiges TV-Drama draus zu machen. Eine 32 Jahre alte, arbeitslose Erdingerin und ein 26-jähriger Afghane sind schon länger ein Paar, sie führen eine On-Off-Beziehung. Immer wieder kracht es, immer wieder landen beide im Bett. Ein gemeinsames Kind ließ die Frau abtreiben.

Doch am 3. März dieses Jahres trieb es die 32-Jährige auf die Spitze. Nach einem Streit griff sie zu einem Küchenmesser und stach es ihrem Lebensabschnittsgefährten in den Arm. Eine Nachbarin hörte das Geschrei und rief die Polizei. Ein martialischer Großeinsatz lief an, die Frau wurde zu Boden gebracht und gefesselt.

Wegen gefährlicher Körperverletzung musste sie sich nun vor Amtsrichter Andreas Wassermann verantworten. Der verhängte acht Monate Haft auf Bewährung. In der Verhandlung ging es um die Frage, ob die bislang nicht vorbestrafte Frau ausgerastet war, als sie zu dem Messer mit 20 Zentimeter langer Klinge griff, oder ob sie den nicht minder aggressiven Freund lediglich abwehren wollte.

Bei diesem Streit – es gab und gibt immer wieder welche – ging es (wieder mal) um beider Handys. Übereinstimmend sagten sie aus, am Morgen sei auf ihrem Mobiltelefon eine Guten-Morgen-Nachricht aufgeploppt. Er ging davon aus: Seine Holde hat einen Nebenbuhler. Sie hingegen versicherte, es sei lediglich ein Vater aus der gleichen Kindergartengruppe gewesen. Zu Bruch ging dann aber sein Smartphone, nicht zum ersten Mal.

Das erboste den Afghanen, der in Taufkirchen lebt, so sehr, dass er auf seine Freundin losging, sie aufs Bett drückte und ihr eine kräftige Ohrfeige verpasste. Schließlich, so ihre Aussage, habe er sie regelrecht in die Küche getreten. Dort griff sie dann zum Messer und „piekste“ den Freund lediglich, wie sie versicherte.

Nachdem die Polizei die Oberhand über die Lage gewonnen hatte, ging es für beide ins Klinikum Erding. Dort wurde sein verletzter Unterarm versorgt. Die Ärzte stellten auch etliche frische Kratzer und Spuren eines Bisses fest.

Die Wohnung war voller Blut. Das sagte die Nachbarin aus, die nicht das erste Mal schlichtend eingreifen musste. Sie erklärte aber auch, dass sich beide immer wieder versöhnt hätten – auch nach diesem Exzess. Seither sei es auch wieder zu sexuellen Handlungen gekommen – und einer unerwünschten Schwangerschaft, die durch eine Abtreibung beendet wurde.

Richter Wassermann wurde konkret: „Wollen Sie, dass die Frau bestraft wird?“ Der 26-Jährige antwortete lapidar: „Ich will ihr nichts Böses, ich habe auch keine Anzeige erstattet.“ Offensichtlich kann er nicht ohne sie. Sie hätten immer noch Kontakt, „und der Sex mit ihr ist gut.“

Die Kripo stellte fest, dass der Messerstich eine Abwehrhandlung gewesen sein könnte. Eine Tötungsabsicht war nicht erkennbar.

Dennoch forderte die Staatsanwältin elf Monate Haft auf Bewährung. Anwalt Andreas Martin sah eher Notwehr beziehungsweise eine milde Form der fahrlässigen Körperverletzung. Dafür sei eine „kleine Geldstrafe“ völlig ausreichend.

Wassermann verhängte acht Monate Gefängnis auf Bewährung. „Das war eine Attacke, ein Präventivschlag und keine Notwehr“, urteilte er.

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