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Das rote S im Mittelpunkt: Die Vorstände (v. l.): Joachim Sommer, Mischa Schubert und Ulrich Sengle.

Bilanzpressekonferenz

Sparkasse im Sturm

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Erding - Ein schweres, unterm Strich aber dennoch erfolgreiches Jahr liegt hinter der Sparkasse Erding-Dorfen. Die EZB-Zinspolitik setzt auch der Regionalbank zu. Neue Strategien sind gefragt.

Von einem „guten Jahr unter schweren Bedingungen“ sprach Joachim Sommer, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Erding-Dorfen, am Freitag in der Bilanzpressekonferenz. Vor allem zwei Entwicklungen bereiten dem Institut Kummer: Die Niedrig- bis Nullzinspolitik der europäischen Zentralbank macht es auch der Erdinger Sparkasse immer schwerer, mit dem Kerngeschäft Geld zu verdienen – der Vergabe von Krediten.

Bleibt vor allem der Handel mit Wertpapieren, bei dem es aber viel schwieriger und aufwändiger ist, Überschüsse zu erwirtschaften. Dieses Geschäft, beklagt Sommer, werde durch die überbordende Regulatorik noch erschwert. Offen stellte er in Frage, ob die Verhältnismäßigkeit noch gewahrt sei. Packenweise Papier zur Risikoaufklärung wirkten für viele eher abschreckend.

Dass Banken dafür bezahlen müssen, wenn sie ihr Geld zur EZB tragen, nannte Sommer eine Entwicklung, „die es so in der Geschichte noch nie gab“. Vor diesem Hintergrund erklärt es sich, dass die Sparkasse beim Bilanzgewinn erstmals Einbußen hinnehmen musste. Der Gesamtüberschuss reduzierte sich bis Ende 2015 von 3,1 Millionen Euro um 10,2 Prozent auf 2,8 Millionen Euro. Der Zinsüberschuss ging von 41,5 auf 37,4 Millionen Euro (- 10,9 %) zurück. Auf der anderen Seite stieg der Provisionsüberschuss von 9,4 auf 10,5 Millionen Euro (+ 12,3 %). Sommer geht jedoch davon aus, „dass unter den aktuellen Bedingungen weiter mit rückläufigen Gewinnen zu rechnen ist“.

Dennoch war 2015 für die Sparkasse kein schlechtes Jahr. Darauf wies Vorstandsmitglied Ulrich Sengle hin. Bei den Kundeneinlagen sei mit 1,514 Milliarden Euro ein neuer Rekord erzielt worden. Auch bei den Lebensversicherungen (23,2 Mio. e), Bausparverträgen (0,6 Mio. e) und beim Wertpapier-Absatz (114,1 Mio. e) habe man Wachstum erzielt, so Sengle.

Dass eine prosperierende Zuzugs-Region gut für die Bank-Bilanz ist, unterstrich Vorständler Mischa Schubert. Denn das Kreditvolumen sei mit 1,136 Milliarden um 37,8 Millionen Euro höher ausgefallen als 2014.

Für die Zukunft gab Sommer die klare Devise aus, dass sein Institut auch langfristig in der Gewinnzone bleiben müsse. Der Vorstandschef machte keine Hehl daraus, dass das ein harter Weg sei – „für alle im Haus“. In den kommenden vier Jahren sollen 35 volle Stellen wegfallen – aber nicht durch Kündigungen. Dabei sei man auf einem guten Weg.

Zum 1. Januar 2016 habe man die Filialen in Langenpreising und Inning auf reinen SB-Betrieb umgestellt, zum 1. Januar 2017 folgen Oberneuching und Moosen. Im Gegenzug, so Sommer, „werden die großen Geschäftsstellen mit zusätzlicher Beratungskompetenz ausgestattet“. Nach Erding-West kommt Beratungscenter. In Taufkirchen wird neu gebaut. Ein Augenmerk gelte auch dem wachsenden digitalen Sektor. „Dennoch muss jedes Detail auf den Prüfstand“, machte Sommer deutlich.

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