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„Blau ist die Farbe der Unendlichkeit“, sagt Rudolf L. Reiter. Der Erdinger Künstler zeigt seine neuesten Werke im Atelier am Rätschenbach.

Nach schwerer Herzerkrankung 

Bilder aus der Anderswelt

Vier Monate lang lag Rudolf L. Reiter schwerkrank danieder. Nach mehreren Operationen am Herzen hat sich der Erdinger Künstler ins Leben zurückgekämpft. Jetzt zeigt er seine neuen Bilder.

 

Erding – Wenn jemand schwer krank ist, dem Krankenhaus nicht mehr zu entkommen glaubt und unliebsame Erfahrungen mit dem Nahtod macht: Dann verfällt so mancher in tiefe Depression, verzweifelt an sich. Oder aber er malt – so wie Rudolf L. Reiter, der jetzt in seinem Atelier Am Rätschenbach ganz besondere neue Bilder zeigt unter dem Motto „Die Rückkehr des Seelenwanderers aus der Anderswelt“.

„Mir war klar, dass mich nach so langer Krankheit nur die Kunst retten kann“, sagt der Erdinger Künstler, immer noch sichtlich geschwächt. Also griff er sich spezielle Aluminiumplatten, schuf auf ihnen verschiedene Themen, die allesamt mit Liebe zu tun haben, und alle in blauem Ton. „Blau ist die Farbe der Unendlichkeit, nur sie ermöglicht den Blick aus der Anderswelt.“

Dort, wo Reiter schwere Stunden zubrachte, von seiner Familie in buchstäblich letzter Minute eingeliefert, in dieser anderen Welt, erlebte er vieles, was er jetzt seinen Kunstfreunden mitteilen will. Zu sehen ist dies im so genannten „Frühlings-Salon 2016“, an den beiden folgenden Wochenenden, jeweils von 10 bis 12 und von 14 bis 18 Uhr.

Die Krankheit hatte Reiter, der heuer das 40. Jubiläum seines Ateliers feiert, aus der Arbeit gerissen. Denn er wollte nicht nur seine Biografie „Leben gegen den Strom“ fertigstellen. Immerhin erzählt er darin, bekannt kritisch, aber auch unterhaltsam aus einem abwechslungsreichen Leben und von Begegnungen mit weltbekannten Künstlern.

In diesem umfangreichen Werk wird Reiter auch viele – nicht immer schöne – Erlebnisse aus der Welt der Kunst darstellen: Von der Zeit, als er in den Räumen der Druckerei Groschberger in der Färbergasse zusammen mit seiner Frau Hilde die erste Galerie eröffnete, vom Kunstverein Erding und einigen Aktiven, die ihn aus der heimischen Szene drängen wollten. Aber auch von jenen Tagen, als er seine Bilder erfolgreich an der Münchner Leopoldstraße verkaufte, quasi in der Open-Air-Galerie. Und Reiter steht auch im Mittelpunkt von Nina Winklers Film „Quelle und Schöpfung“. Hier lässt er sich von der Kamera über die Schulter blicken, wenn er Farbe auf großformatige Leinwände bringt. „Das ist hoch erotisch für mich, ein sehr persönlicher Moment. Malen ist letztlich eine sehr heimliche Angelegenheit, ein intimer Akt. Das vor laufender Kamera zu zeigen, ist Seelen-Striptease.“

Beide Werke, Buch und Film, sollen am 16. September in Ismaning erstmals zu sehen sein. Sie werden bislang unveröffentlichte Einblicke in Reiters Schaffen bieten, ihn aber vor allem als Menschen zeigen. Zimperlich wird er dabei nicht sein. Schließlich hat ihm Joseph Beuys, Freund und einstiger Kunstschreck aus Düsseldorf, einmal geraten: „Rudolf, hau immer feste druff.“

Friedbert Holz

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