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Die Null-Zins-Politik der EZB war Thema bei der Jungen Union. Daniel Gottal (JU), Georg Fahrenschon, CSU-Kreisgeschäftsführer Thomas Bauer und der ehemalige CSU-Bundestagsabgeordnete Max Lehmer (v. l.) diskutierten mit zahlreichen Gästen.

Vortrag zur EZB-Politik 

„Billiges Geld riecht immer nach Krise“

Erding - Noch mehr sparen als bisher: Das ist der Rat von Georg Fahrenschon. Der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes und ehemalige bayerische Finanzminister sprach in Erding.

Sein Tipp klingt nicht gerade sexy, doch Georg Fahrenschon schwört darauf: „Bei einem Null-Zins sollte noch mehr gespart werden als bisher. Sonst werden wegen unseres demografischen Wandels die Rentenprobleme für Jüngere noch größer.“ Der Mann weiß, wovon er spricht: Er ist Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes und war drei Jahre lang bayerischer Finanzminister. Am Freitag sprach Fahrenschon auf Einladung der Jungen Union im Gasthaus Erdinger Weißbräu zur aktuellen Finanzlage.

„Vor Jahren noch wäre die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) ein Fall für einen akademischen Kreis gewesen. Doch heute interessiert sich fast jeder Bürger dafür.“ Und so gab der 48-Jährige den rund 30 Gästen im Saal einen kleinen Einblick ins heutige Finanzgewirr und auch einen vagen Ausblick.

„Wenn eine bislang sicher geglaubte Anlage, wie die zehnjährige Bundesanleihe, komplett auf den Kopf gestellt wird, weil der Anleger – quasi als Gebühr für einen Schuldschein – noch einen Extra-Zins zahlen muss, dann ist Gefahr in Verzug“, sagte Fahrenschon. 40 Prozent aller Sparkassen-Kunden hätten in einer Umfrage große Sorge um ihr Sparguthaben geäußert. „Dabei funktioniert unser Sparkassen-Kreislauf in den Regionen zum Glück noch sehr gut.“

Er sagte, dass es „nicht einfach“ sei, für alle 19 Euro-Länder einen einheitlichen Zinssatz zu erheben. „Aber wir können nicht akzeptieren, dass die EZB damit argumentiert, dass ein Zinsverlust beim Sparen durch günstige Kredite für Immobilien wieder egalisiert wird – das ist Augenwischerei“. Und so ermunterte er vor allem junge Menschen, trotz Nullzinsen Geld fürs Alter auf die Seite zu legen.

Es sei zwar nicht leicht, Vorsorge und Konsumverzicht zu vermitteln. Immerhin bestehe die Gefahr, dass Deutschland in eine Gesellschaft abrutsche, die nur noch auf Pump lebe. Den Grund dafür sieht Fahrenschon in der nur vordergründig gut gemeinten Strategie der Europa-Finanzierer in Frankfurt, gerade südlichen Ländern mit billigem Geld zu mehr Investitionen und Wirtschaftskraft zu verhelfen.

„Mittlerweile ist die EZB aber nicht nur zur Feuerwehr von Staaten-Lenkern geworden. Sie hat sogar selbst Firmenanleihen gekauft. Damit greift sie aktiv in die Märkte ein. Eine institutionelle Verquickung von Stabilitätskontrolle einerseits und Struktureinfluss andererseits kann aber nicht gut gehen“, erklärte Fahrenschon. Außerdem sei zu viel billiges Geld im Umlauf – „und billiges Geld riecht immer nach Krise“.

Einen Ausweg sieht Fahrenschon nicht sehr zeitnah. Und er warnt auch vor zu schnellem Handeln: „Wir brauchen kleine Schritte, wenn es eine Zinserhöhung geben soll. Sonst geht in den Staaten Europas zu viel kaputt.“ Seiner Meinung nach sollte die Politik wie einst wieder ein Vermögensbildungsgesetz einführen, „das könnte Millionen von Menschen helfen“. In keinem Fall aber „kann ein Sparer in Bayern für eine marode Bank auf Zypern gerade stehen“.

Friedbert Holz

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