Stadtrat Erding

Billigwohnungen werden teurer

Erding – 15 neue Einfachstwohnungen lässt die Stadt Erding an der Sportfeldstraße bauen. Sie werden im Anschluss an die bestehenden Gebäude errichtet. Doch sie kommen teurer als erwartet.

Dass die Jahresmitte aus finanzieller Sicht ein schlechter Ausschreibezeitpunkt für einen Bauauftrag ist, mussten nun Stadt und Planer erfahren. Denn das günstigste Angebot für die Baumeisterarbeiten lag mit knapp 600 000 Euro 13 Prozent über den angenommenen Kosten. Planer Martin Janik vom Münchner Architekturbüro EAP hatte mit 530 000 Euro kalkuliert. Jetzt musste er im Planungs- und Umweltausschuss zum Rapport antreten.

„Es macht keinen Spaß, hier zu sitzen“, sagte Janik und erklärte detailliert, wie es zur Kostenmehrung von insgesamt 90 000 Euro gekommen ist. Aktuell wird die Stadt für die Baumaßnahme damit 2,4 Millionen Euro ausgeben.

Stadtbaumeister Sebastian Henrich betonte, dass man gerade in einer Zeit liege, „in der es schwierig ist, an Firmen zu kommen“. Auch Einsparpotenzial gebe es bei Einfachstwohnungen kaum.

Die Bauweise der Sozialwohnungen ist ebenfalls ein Grund für die Teuerung. Die Konstruktion aus Beton-Sandwich-Elementen sei robust und schnell zu errichten – aber deshalb eben auch extrem teuer. Dass statt der normalen Verbauarbeiten, so Janik, nun der Kellerbereich rüttelfrei abgefangen werde, kostet weitere 23 000 Euro mehr.

Eine Alternative wäre laut Janik, die Ausschreibung aufzuheben und Ende des Jahres zu wiederholen. Dann allerdings verzögerten sich der Baubeginn und damit auch die Fertigstellung bis zum Juli 2018. Hans Balbach (Erding Jetzt) wollte sich damit nicht anfreunden: „Das Einzige, was zum Jahresende sicher ist: Wir haben Zeit verloren.“

Die einzige Einsparmöglichkeit, die konkret 30 000 Euro bringen würde: Man verzichtet auf die Balkone an den Wohnungen, damit aber auch auf Wohnqualität, so Janik. Hubert Sandtner (CSU) wollte diese Qualität nicht schmälern, meinte aber auch, „dass die Balkone, die jetzt schon dort sind, in erster Linie als Abstellflächen missbraucht werden“. Dem widersprach niemand im Planungs- und Umweltausschuss.

Henrich gab jedoch zu bedenken, dass beim Verzicht auf die Balkone umgeplant werden müsse, und dies auch Kosten verursache. Außerdem gebe es viele Beispiele in der Stadt, „wo ich mir wünschen würde, dass es anders wäre, etwa bei Carports“. Johanna Heindl (Freie Wähler Erding) meinte dazu: „Es gibt auch andere Balkone, wo Sachen stehen, die dort nicht hingehören.“

Oberbürgermeister Max Gotz (CSU) sah die Gefahr, dass beim Verzicht auf die Balkone andere Abstellflächen gesucht würden. „Wir reden hier von Menschen in schwierigen Lebenssituationen, die auch dort wohnen, weil sie woanders nicht zurechtkommen.“

Gotz empfahl „zähneknirschend, die Preissteigerung mitzutragen“ und die Balkone zu belassen. Die Wohnungen seien ohnehin außergewöhnlich spartanisch. „Das ist zurecht so, denn es ist eine Übergangslösung.“ Dem Beschlussvorschlag schlossen sich die Stadträte an.

Gabi Zierz

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