Blüten in schlechter Qualität

Zehn falsche Zwanziger

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Er hatte das Falschgeld zwar wohl nicht selbst hergestellt, aber ein gutes halbes Dutzend nachgemachter 20-Euro-Scheine in Umlauf gebracht. Die Blüten waren von derart dürftiger Qualität, dass der Betrug schnell aufflog. Vor dem Amtsgericht Erding musste sich gestern ein 53-jähriger Italiener wegen Geldfälscherei verantworten.

Erding – Die Haftstrafe über ein Jahr und acht Monate, die Richter Björn Schindler verhängte, dürfte den Kellner sogar erfreut haben. Denn sie wurde auf Bewährung ausgesetzt. So kam der Italiener nach sechs Monaten Untersuchungshaft in Mühldorf auf freien Fuß. Seine letzten Worte: „Ich fühle mich hier nicht gut, ich will so schnell wie möglich nach Hause.“

Laut der von Staatsanwältin Sandra Seeburger verlesenen Anklage hatte der Vater zweier erwachsener Söhne im August und September vorigen Jahres mindestens zehn gefälschte 20-Euro-Scheine bei sich. Die Hälfte brachte er in Umlauf, darunter in einem Schnellrestaurant, an einem Kiosk und in einem Tabakgeschäft.

In Freising flog der Schwindel am 3. September auf, nachdem eine Verkäuferin misstrauisch geworden war. Die Kripo Erding wurde aktiv. Ein Fahnder berichtete im Zeugenstand, dass im Geldbeutel weitere fünf Blüten entdeckt worden seien. Sie seien von dürftiger Qualität gewesen, sowohl der Sicherheitsstreifen als auch das Hologramm fehlten, teilweise seien die Kopien verrutscht gewesen. Der Beamte sagte auch: „Beim Zahlen an der Kasse konnte man das aber leicht übersehen.“ Hinzu kam: An mehreren Blüten konnten Fingerabdrücke des 53-Jährigen sichergestellt werden.

Die Erdinger Kriminaler recherchierten auch im Umfeld des Täters. Dabei sei man auf einen weiteren Italiener gestoßen, den der Angeklagte im Bus kennengelernt habe. Er habe ihn zum Flughafen mitgenommen, weil sein Arbeitgeber dort immer auf der Suche nach Personal sei. Zeitweise hatte er Mann in der Gastronomie gearbeitet. Er war nach Deutschland gekommen, um hier Beschäftigung zu finden.

Auch das Handy wurde ausgelesen. Der Ermittler äußerte den Verdacht, dass es sich um ein Netzwerk gehandelt haben könnte. Man sei auf einen Dialog gestoßen, in dem es darum ging, T-Shirts nach Deutschland zu bringen, weil deren Vorrat zur Neige gehe. „Es ist gut möglich, dass ,T-Shirt‘ das Codewort für das Falschgeld war.“

Bei der Eröffnung des Haftbefehls am Amtsgericht Erding erlitt der 53-Jährige einen epileptischen Anfall, wurde nach einer Behandlung im Klinikum aber als haftfähig eingestuft. In der JVA Mühldorf kollabierte er dann noch einige Male, berichtete Pflichtverteidiger Thomas Fauth.

Er hatte gleich zu Beginn der Verhandlung um ein Rechtsgespräch gebeten. Das Ergebnis: Der Italiener zeigte sich vollauf geständig, weshalb ihm eine Strafe von einem Jahr und sechs Monaten bis zwei Jahre in Aussicht gestellt wurde. Woher er die Blüten hatte, verriet der Kellner aber nicht. Er machte auch keine Angaben, warum er Falschgeld in Umlauf gebracht hatte.

Staatsanwältin Seeburger sprach von einem Verbrechen, für das er nun schon seit einem halben Jahr in Haft sitze. Bislang habe sich der 53-Jährige zumindest in Deutschland nichts zu Schulden kommen lassen. Sie plädierte auf ein Jahr und zehn Monate auf Bewährung. Verteidiger Fauth hielt ein Jahr und sechs Monate für ausreichend.

Das Schöffengericht mit Schindler, Arthur Heimann und Anna Gfirtner wählte den Mittelweg: ein Jahr und acht Monate. Die Verhandlung verließ der Geldfälscher folglich als freier Mann. Dennoch musste er noch einmal in seine Zelle zurück – um seine Sachen zusammenzupacken.

Rubriklistenbild: © dpa / Boris Roessler

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