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Imposante Knochen: Biologe Ulrich Meßlinger erklärt der BN-Kreisvorsitzenden Gabriele Betzmeir die Funktion des Biber-Schädels. 

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Biber: Oft Ärger, aber großer Nutzen

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Rund 300 Biber leben im Landkreis Erding. Nicht zur Freude aller, da er seinen Lebensraum sehr aktiv verändert.

ErdingBiologe Ulrich Meßlinger berichtete auf Einladung des Bund Naturschutz (BN) Erding von seinen Untersuchungen in Biber-Revieren. Beim Mayr-Wirt gab es überraschende Ergebnisse zu hören – und angeregte Diskussionen.

Der vor gut 100 Jahren wegen seines Felles, Fleisches und Duftsekretes (Bibergeil) ausgerottete bayerische Ureinwohner hat sich in den vergangenen 40 Jahren seinen Lebensraum zurückerobert. Heute leben wieder 16 000 bis 20 000 Biber in Bayern, etwa 300 im Landkreis Erding. Meist liest man über den Biber nur von unterhöhlten Ufern, überschwemmten Äckern, gefressenem Mais, umgenagten Bäumen und dem Verdruss der Anlieger.

Die gemeldeten Schäden liegen im Freistaat zwischen 350 000 und 610 000 Euro im Jahr. Das sind drei bis sechs Cent pro Einwohner, wie Meßlinger vorrechnete. Im Landkreis sind es laut Landratsamt 5000 bis 10 000 Euro. Einen Großteil der Schäden gleiche der Freistaat aus. Außerdem könnten so genannte Problem-Biber nach Genehmigung „entnommen“ und getötet werden: 2016 waren es offiziell 1300 Biber. „Andere Bundesländer und Nachbarländer sind da deutlich zurückhaltender“, sagte Meßlinger. Das sei verständlich, da den Kosten ein Vielfaches an Nutzen gegenüber stehe. Schließlich würden Biber für eine kostengünstige Umsetzung aufwändiger staatlicher Pflichtaufgaben im Natur- und Gewässerschutz sorgen.

Meßlinger berichtete von einem Fall an der Donau, wo sich die Kosten für Rückhaltebecken wegen der Arbeit des Bibers um mehrere hunderttausend Euro reduziert hätten. Biber-Dämme förderten die Grundwasserbildung und verzögerten den Abfluss, was zu schwächeren und selteneren Hochwassern in Biber-Revieren führe, wie Untersuchungen in Belgien und den USA gezeigt hätten. Und, für manche überraschend, es steigt der jagdliche und fischereiliche Wert in Biber-Revieren: „In Wyoming war die Zahl der Enten an Gewässern mit Bibern 75 Mal höher als im Vergleich zu biberfreien Gewässern.“

Das Landesamt für Umwelt und der Landesfischereiverband hätten eine bis zu 80-fach erhöhte Fischdichte an Biber-Burgen gemessen. Auch die Artenvielfalt von Vögeln, Libellen, Fröschen und Molchen nehme in Biber-Revieren zu. So gelte der Nager als Motor der Renaturierung von Gewässern und Auen. Meßlinger plädierte deshalb dafür, die Biber-Aktivitäten für den Hochwasser- und Gewässerschutz zu nutzen. Dafür brauche es natürlich einen finanziellen Ausgleich für die Betroffenen.

Teils kontrovers, aber fair war die anschließende Diskussion mit anwesenden Landwirten. Neben dem Ärger – oft über den Verlust einzelner schöner Bäume – war man sich letztlich einig, dass Fließgewässer für eine nachhaltige Konfliktvermeidung mehr Platz brauchen. Doch der ist immer schwerer zu bekommen.

Meßlinger zitierte als Unterstützer den ehemaligen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber: „Die Wiederherstellung natürlicher Retentionsräume und Feuchtflächen dient dem Hochwasser- und Artenschutz gleichermaßen.“ Für Meßlinger ist der Biber „die Schlüsselart für Gewässerökosysteme“. Seine Erkenntnisse zeigen ihm, dass der Schweizer Forscher Maurice Blanchet recht habe: „Ein Bach ohne Biber ist kein Bach.“  red

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