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Glitzernd, laut und feurig: Die BongBongs müssten eigentlich „Knallbongbongs“ heißen. (V. l.) Die Schwestern Nina Renoth, Anja und Evelyn und ihr Vater Hartmut Thumser. 

Sinnflut-Festival in Erding

BongBongs auf Sinnflut: Eine Band für Bauch und Birne

Unser Sinnflut-Tipp für Montag, 29. August: Die Bongbongs aus Landshut spielen um 19 Uhr auf der Raiffeisenbühne. Eine explosive Mischung aus Rock und Pop.

Erding – Was haben Zyndie-Lunte, Nitro-Glitzerine, Batteria und Pyro gemeinsam? Eins ist klar, das ist eine explosive Mischung. Noch vor ein bis zwei Jahren waren die BongBongs unter ihren Pseudonymen Honey, Vanilla, Caramelle und Sugar unterwegs, bis sie gemerkt haben: so süß sind wir gar nicht. „Der Bandname entstand eigentlich nur, weil wir zum Großteil Mädchen sind, und uns nun mal für die Bühne schick, ausgefallen und bunt machen“, erzählt Evelyn Thumser (28), „Zyndie-Lunte“ und Gittaristin der Band. „Doch der Name hat die Leute schon nach dem ersten Lied erstaunt, weil wir doch eher ‘ne rockige Nummer sind“. So haben die Zwillinge Evelyn und Anja, die Frontsängerin, ihre große Schwester Nina Renoth (33), Schlagzeugerin, und ihr Vater Hartmut Thumser (62), Bassist, ihre Künstlernamen kurzer Hand geändert.

Die Familienband macht schon immer zusammen Musik, doch auf diese professionelle Art erst seit 2012. „Ich spiele seit ich sieben bin Gitarre, Nina hat als Kind Klavier gespielt und erst später mit Schlagzeug angefangen. Anja hatte Flöten- und Gesangsunterricht und kann auch sonst von allem ein bisschen, genau wie unser Vater“, zählt die 28-jährige, gelernte Fotografin auf.

Die Schwestern haben zum Spaß mit der Musik angefangen und es erst nur als Hobby in ihrer Freizeit betrieben. „Aber auch wenn ich nicht weiß, woher und warum das kam, wir hatten schon immer einen professionellen Anspruch an uns selbst“, erinnert sich Evelyn Thumser. „Nach dem Motto: Auch wenn’s nur im Wohnzimmer ist, dann doch auf jeden Fall gscheid.“ Später ist sie dann nach Nürnberg gezogen und ihre Schwester Nina nach Hamburg. Erst als dann alle wieder in München waren, sind sie gemeinsam in der Studentenstadt aufgetreten. „So hat sich das alles entwickelt“, meint die gelernte Fotografin. „Und als wir dann einen Bassisten gebraucht haben, meinte unser Vater, er sei der Beste für den Job“.

Hartmut Thumser ist evangelischer Pfarrer und hat sich nach der Anfrage schwer geehrt gefühlt. „Bei uns war schon immer Musik in Raum und Luft. Die Mädels haben früher auch in meinen Gruppen als Backgrounds gesungen und jetzt mach ich bei ihnen den Tanzbär am Bass“, sagt er lachend. Die Verständigung unter den Familienmitgliedern ist einfach super. „Wenn das erst einmal jede Band der Welt hätte, das wäre genial“, erzählt der Rocker-Pfarrer nicht ohne stolz in der Stimme. „Das liegt wohl daran, dass wir alle aus demselben Holz geschnitzt sind.“

Was ihre Musikrichtung angeht, kann Evelyn Thumser den Stil nicht genau festmachen. „Im Herzen ist es Rock, aber Pop ist auch dabei und gerade machen wir viel Blues und Rock’n’ Roll.“ Die Schwestern sind mit den Stones und Beatles aufgewachsen, alles, was ihr Vater früher auch gehört hat. Im Gegensatz zu seiner Tochter fällt diesem die Stilbeschreibung überhaupt nicht schwer: „Die Band ist einfach explosiv, wir können ein Feuerwerk auf der Bühne entfachen und sie, wenn wir gut drauf sind, auch in die Luft sprengen, kein Thema.“ Und in diesem Feuerwerk der „Knallbongbongs“ sind auch ihre Namen begründet. „Nina, die ,Batteria’ am Schlagzeug lässt die Energie entstehen und gibt sie an mich, ,Pyro’ weiter, bis zur ,Zyndie-Lunte’“, klärt Hartmut Thumser auf. „In Anja, der ,Nitro-Glitzerine’, explodiert dann unser Feuer.“ Von ihr und ihrem Vater stammen auch hauptsächlich Text und Musik der Gruppe. „Zu Anja kannst du an einem Tag sagen, ‘Ich hab da so ein Thema im Kopf, dazu könnten wir was schreiben’ und in zwei bis drei Tagen liefert sie dir daraus einen Song in Reinform“, berichtet Evelyn. „Es gibt wahnsinnig wenige Bands für Bauch und Birne“, meint auch ihr Papa dazu. „Doch das haben wir. Texte, wo es einem schier die Augen verdrehen kann“. Inspiriert werden sie dabei von allem Möglichen. „Letztens war ich durch von der Arbeit“, erzählt Evelyn, „da hab ich ununterbrochen Kaffee getrunken und jeden Tag Ibuprofen genommen.“ Und schwupps, daraus entstand dann ihr Song „Kaffee und Tabletten“.

Bis jetzt macht die Familienband ihre Musik nur in ihrer Freizeit. „Natürlich haben wir den Wunsch, einmal davon leben zu können“, gibt die Gittaristin zu, „doch bis jetzt proben wir einmal in der Woche, und das klappt eigentlich ganz gut.“ Die vier haben schon zwei Alben „Gegen den Strom“ und „Leck mich“ sowie verschiedene Videos veröffentlicht. Momentan sind sie außerdem mit dem Organisieren von Auftritten beschäftigt und haben ein Fotoshooting im August. Doch bevor das losgehen kann, brennen die „Knallbongbongs“ ihr Feuerwerk noch einmal beim Sintflut-Festival ab. Am Montag, 29. Juli, ist das Familienquartett ab 19 Uhr auf der Raiffeisenbühe zu sehen. Wer sich bis dahin schon mit der explosiven Mischung vertraut machen will, kann über youtube oder facebook einen Eindruck gewinnen. (Pauline DRücker)

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