Beste Stimmung beim Publikum herrschte am Samstagabend in der Stadthalle Erding. Manche tanzten sogar in den Seitengängen zur Boogie-Woogie-Musik.
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Beste Stimmung beim Publikum herrschte am Samstagabend in der Stadthalle Erding. Manche tanzten sogar in den Seitengängen zur Boogie-Woogie-Musik.
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Vier Pianisten, ein Klavier: Ulrike Hausmann, Matthias Heiligensetzer, Peter Heger und Christian Willisohn (v.l.) spielten zum Finale der 32. Erdinger Boogie Woogie Nacht achthändig. 

32. Boogie Woogie Nacht  in Erding

Ganz großes Ohren-Kino

Erding - Rollende Bässe, stampfende Rhythmen, Jazz-Einsprengsel, rasante Läufe, virtuose Tastentänze und kehliger Gesang: Bei der 32. Boogie Woogie Nacht gab’s viel hören und sehen.

Der Erdinger Pianist Peter Heger hatte zur 32. Boogie Woogie Nacht in die gut besuchte Stadthalle eingeladen – und für die Zuhörer ein abwechslungsreiches Programm mit Musikerpersönlichkeiten zusammengestellt, die mit ihrer Handschrift dem Boogie Woogie ein eigenes Profil verliehen.

Christian Willisohn brach wie eine Urgewalt über das Publikum herein, war dabei ganz lässig, warf scheinbar mühelos die Boogie-Woogie-Maschine an, ließ den Klangmotor leise schnurren, aufheulen, melodisch singen, ratternd durch den Saal rasen oder leise innehalten.

Er überraschte auch mit Ausflügen in die Jazzharmonik, wobei er bluesige Balladen erzählte. Seine sonore Stimme verband sich ganz selbstverständlich mit den Klavierklängen. Da hörte man einen, der souverän über vielfältige musikalische und pianistische Mittel verfügt. Das war schon großes Ohren-Kino.

Wie Organisator Heger erzählte, war Willisohn ein Gast der ersten Stunde, als die Boogie Nacht vor mehr als 30 Jahren im „Picnic“ aus der Taufe gehoben wurde. Schön, dass man Heger selbst, der ja auch ein Meister seines Fachs ist, zum Finale solistisch hören konnte. Auch das immer wieder ein tolles Erlebnis.

Pianist Matthias Heiligensetzer ließ Elemente aus der klassischen Musik und des Rock’n’Roll in seine Spielart des Boogie einfließen. Gestochen scharf kam da der „Hummelflug“ nach Nikolai Andrejewitsch Rimski-Korsakow daher, kraftvoll gehämmert die Klänge aus Pjotr Iljitsch Tschaikowskis „Nussknackersuite“. Heiligensetzer flanierte auch in Stride Piano Technik „On The Sunny Side Of The Street“ entlang, ließ einen abgedreht schnellen Ragtime erklingen und brachte „The Great Balls of Fire“ von Jerry Lee Lewis zum Leuchten. Eine Nummer von Ray Charles lud zu einer Zeitreise in die große Zeit des „Rhythm & Blues“ ein. Mit „Something Stupid“ erinnerte Heiligensetzer an das berühmte Vater-Tochter-Duo Frank und Nancy Sinatra.

Die Dresdener Pianistin Ulrike Hausmann bewegte sich mit energetischem Drive im Boogie-Genre und brachte mit gemeißelten Rhythmen, markant treibenden Bässen und flirrenden Diskantfiguren den Saal noch vor der Pause zum Kochen. Aufhorchen ließ der eigenwillige „Boogie Misterioso“ als Hommage an Komponistin Mary Lou Williams, eine der ersten Jazzinstrumentalistinnen.

Derart aufgeheizt war man in der Pause froh um eine innere Abkühlung an der Bar. Im Stadthallen-Foyer nutzten zudem viele Gäste die Gelegenheit, mit den Musikern ins Gespräch zu kommen und die eine oder andere CD mit nach Hause zu nehmen. Einige Fans waren zur Boogie Woogie Nacht extra aus Südtirol angereist – die Damen in getupften Petticoats, die Heren mit Hosenträgern.

Unter den Besuchern waren auch Tanzpaare, die zu den mitreißenden Piano-Klängen in den Seitengängen eine heiße Sohle aufs Parkett legten. Als das Publikum gegen 23 Uhr enthusiastischen Schlussapplaus spendete und vehement nach einer Zugabe verlangte, teilte sich das Quartett den Flügel und ließ die Töne einträchtig durch den Raum wirbeln. Da ging noch einmal die Post ab. Doch der Abschied fiel ganz leise, mit ironischer Zärtlichkeit aus: Heger spielte eine Strophe des bekannten Schlaflieds „Guten Abend, gut’ Nacht“ von Johannes Brahms, animierte die Zuhörer dirigierend zum Mitsingen und schickte einen Abschiedskuss hinterher.

Damit war für die Musiker allerdings noch nicht Schluss: Denn am Sonntagvormittag bestritten sie den ausverkauften Boogie-Frühschoppen im Hotel Henry. (Vroni Vogel)

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