So kannten ihn seine Kunden: Wolfgang Bornemann mit Lupe bei der Uhrenreparatur.
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So kannten ihn seine Kunden: Wolfgang Bornemann mit Lupe bei der Uhrenreparatur.

NACHRUF - Beliebter Uhrmachermeister (83) stirbt drei Jahre nach Rückzug aus seinem Erdinger Geschäft

Wolfgang Bornemann war nur ein kurzer Ruhestand vergönnt

Er war Uhrmacher aus Leidenschaft: Wolfgang Bornemann. Sein Geschäft in der Spiegelgasse in Erding gab er erst mit 80 auf. Jetzt ist er gestorben. Ein Nachruf.

Erding/Niedergeislbach – Über Jahrzehnte hielt Wolfgang Bornemann die Uhren in Erding am Laufen. Nun ist die Lebenszeit des beliebten Uhrmachermeisters zu Ende gegangen. Er verstarb vergangenen Samstag im Alter von 83 Jahren.

Erst vor drei Jahren hatte Bornemann sein Geschäft mit „Uhren – Schmuck – Pokalen“ an der Spiegelgasse nach 44 Jahren aufgegeben und war im Alter von 80 Jahren in den wohlverdienten Ruhestand gegangen. Der aus Herford (Westfalen) stammende Bornemann war in seiner Bundeswehrzeit an den Erdinger Fliegerhorst gekommen und fand anschließend eine Anstellung im Uhren- und Schmuckgeschäft Widmann.

Nach sieben Jahren verwirklichte er seinen Wunsch nach Selbstständigkeit. Der Uhrmachermeister erarbeitete sich schon bald einen guten Namen. Bis zu fünf Mitarbeiter waren in seiner Werkstatt beschäftigt, um die erforderlichen Reinigungen der mechanischen Uhren zu bewältigen. Erst der Vormarsch der Quarzuhren und zunehmende Konkurrenz übers Internet brachten auch für Bornemanns Geschäft Veränderungen mit sich.

Als zweites Standbein hatte Bornemann von Anfang an auf Schmuck gesetzt und bot unter anderem Trauringe, Ketten und Ringe an, immer verbunden mit fachkundiger Beratung. Er liebte seinen Beruf wegen der Abwechslung zwischen den Reparaturen in der Werkstatt, den Kundengesprächen und dem Handel. Stolz war Bornemann, dass ihm auch im fortgeschrittenen Alter seine wichtigsten Werkzeuge, nämlich seine Augen und Hände, noch tadellos zu Diensten waren, wie er bei Geschäftsaufgabe betonte.

Von seinem Laden wollte er nur ein kleines Werkzeug-Set zurückbehalten und erklärte: „Damit werde ich nur noch die Batterien an meinen eigenen Uhren reparieren.“

Vom Geschäftsbetrieb befreit, freute sich Bornemann auf den Ruhestand an der Seite von Gattin Annemarie, mit der er 38 Jahre lang in zweiter Ehe verheiratet war. Das Ehepaar war im Reitverein Taufkirchen aktiv und hatte zwei eigene Pferde. Der passionierte Reiter bestritt früher sogar kleinere Turniere, später verzichtete er wegen der Sturzgefahr auf Ausritte hoch zu Ross.

Auch Annemarie Bornemann blickt auf die schöne gemeinsame Zeit zurück. „Wir konnten uns damals unseren Traum erfüllen vom eigenen Hof mit Pferden, Hunden und Katzen“, erzählt sie. Hier waren auch Bornemanns Sohn Rainer, der das Uhrmacher-Gen vom Vater geerbt hat, und die beiden Stiefkinder mit Enkeln und Urenkel stets willkommen.

Bornemanns Wunsch bei der Geschäftsaufgabe, „möglichst lange gesund bleiben“, erfüllte sich nicht. Gesundheitliche Probleme erschwerten ihm das Leben mehr und mehr, auch die geliebten Spaziergänge mit Hundedame Wally waren nicht mehr möglich. Um Wolfgang Bornemann trauern seine Familie, Freunde und auch ehemalige Kunden, die sicher noch die eine oder andere Uhr aus dem Traditionsgeschäft in Gebrauch haben.

Die Urnenbeisetzung findet im engsten Familienkreis statt.

GERDA GEBEL

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