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Pfarrer Jan-Christoph Vogler hat sich bei seinen Schäfchen einen Schiefer eingezogen. Zum Inhalt steht er, beim Ton gibt er zu, ganz schön hingelangt zu haben.

Brief an Pfarrverband Walpertskirchen

Rüder Ton: Pfarrer verärgert Gläubige

Walpertskirchen/Altenerding - Für Verärgerung unter den Katholiken hat das Grußwort des neuen Pfarradministrators Dr. Jan-Christoph Vogler im aktuellen Pfarrbrief des Pfarrverbands Walpertskirchen gesorgt. Seine Aussagen sollen sogar zu einigen Kirchenaustritten geführt haben.

Dieser Pfarrbrief schlug in so manchem Haushalt ein wie eine Bombe. Viele fühlten sich beschimpft. Der Autor, Pfarrer Jan-Christoph Vogler, zeigt sich im Gespräch überrascht über den Unmut. Inhaltlich steht der Geistliche zu seinen Aussagen, räumt aber ein, dass er manches „netter und besser formulieren“ hätte können.

Doch wie kam es überhaupt zu dem geharnischten Brief? „Manches ist dem Umstand geschuldet, dass ich vorhabe, meinen Beruf ohne Schäden (Herzinfarkt, Schlaganfall o.ä.) zu überstehen“, schreibt Vogler. Der gebürtige Münchner ist Nachfolger von Pfarrer Dr. Guy-Angelo Kangosa. Vogler, der seit sechs Jahren Pfarrer von Altenerding, seit vier Jahren Leiter der Stadtteilkirche Altenerding-Klettham und seit Februar 2016 Prodekan des Dekanats Erding ist, ist als Leiter des Pfarrverbands Walpertskirchen nun auch für Walpertskirchen, Wörth und Hörlkofen zuständig.

Um für die Fülle an Aufgaben – Vogler steht ein Pastoralteam zur Seite, dass auch für Altenerding–Klettham zuständig ist – die „bestmögliche Lösung“ zu finden, hat der Pfarrer in seinem Grußwort einen 13-Punkte-Katalog an strukturellen Änderungen bekannt gegeben. Vor allem der Ton stößt vielen sauer auf. Der Geistliche kündigte geänderte Öffnungszeiten im Pfarrbüro Wörth an, um den neuen Kaplan, der wohl im örtlichen Pfarrhaus wohnen werde, zu entlasten und schreibt: „Nach einem Gespräch mit unserem neuen Kaplan fiel diesem auf, dass das Pfarrbüro Altenerding montags nicht besetzt ist. Ich erwiderte ihm, dass dies mit dem Umstand zu tun hat, dass ich im Pfarrhaus Altenerding qua Dienstanweisung wohnen muss und ich keine Lust hätte, an meinem freien Tag der halben Pfarrei über den Weg zu laufen, von denen mindestens die Hälfte etwas von mir will.“ Nachdem der Kaplan dies begrüßt habe, „will ich es ihm auch am neuen Wohnort ermöglichen“.

Vogler kündigte zudem radikale Einschnitte an: „Ich feiere die Messe vom letzten Abendmahl, die Feier vom Leiden und Sterben des Herrn und auch die Osternacht nur einmal.“ Der Pfarrverbandsrat solle bestimmen, in welcher Kirche die Osternacht gefeiert werde und welche zwei anderen Pfarreien dann Osterhochämter haben sollen.

Den Brauch, die Namen der Messintentionen (Anmerkung der Redaktion: Messen, die Gläubige für Verstorbene halten lassen) vorzulesen oder auch am Sonntag das Sterbegebet zu beten, will der Pfarrer nicht fortsetzen. Dafür gebe es den Gottesdienstanzeiger und Schaukästen. Vogler weiter: „Wer vor einem oder mehreren Jahren oder vorige Woche gestorben ist, interessiert die meisten Leute nur wenig – außer den Betroffenen.“

Vogler will mit den Änderungen seiner Gesundheit, eigenen Vorstellungen, gewissen Vorgaben seitens der Kirchenlehre sowie den Wünschen des Erzbischofs und des Diözesanrats Rechnung tragen. Er bittet im Pfarrbrief, dies nicht als „Schikane“ aufzufassen. Ihm gehe es darum, die fünf Pfarreien „optimal zu betreuen“. Keineswegs habe er die Adressaten vor den Kopf stoßen wollen. Auslöser sei auch nicht gewesen, „dass ich die Leute nicht mag“. Er habe sich lediglich „klar und deutlich“ positioniert. Denn es habe keinen Sinn, „um den heißen Brei herumzueiern“.

Vogler betonte, dass er dankbar für die Arbeit der Laien und deren Engagement sei. Gerne sei er bereit, „über die Punkte zu diskutieren und sie jedem zu erklären“. Es gehe darum, den Spagat zu meistern, als Pfarrer bei den Leuten zu sein und gleichzeitig mit den Strukturen der universellen Kirche umzugehen. Am Ende des Grußworts schreibt Vogler: „Nun hoffe ich, dass Ihnen nicht die Lust an mir, oder – schlimmer gar – an Kirche vergangen ist. Es sind keine rosigen Zeiten, und wenn es nach mir ginge, hätte jede Pfarrei ihren eigenen Pfarrer. Aber da dies nicht so ist, wird es Einschränkungen geben müssen.“

Veronika Vogel

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Hilferuf eines Seelsorgers

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