Eiskalt erwischt: BRK-Vorsitzender Franz Hofstetter und Geschäftsführerin Gisela van der Heijden.
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Eiskalt erwischt: BRK-Vorsitzender Franz Hofstetter und Geschäftsführerin Gisela van der Heijden.

Nach der völlig überraschenden Abwahl Franz Hofstetters ist der gesamte Vorstand zur Untätigkeit verdammt

BRK-Mitglieder müssen noch zweimal an die Urnen

  • Hans Moritz
    VonHans Moritz
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Wie geht es beim BRK weiter? Der Vorsitzender Franz Hofstetter fiel bei der Vorstandswahl durch – ohne Gegenkandidaten. Nun herrscht Rätselraten, wie es weitergeht.

Erding – Es dürfte sich um einen einmaligen Vorgang beim Bayerischen Roten Kreuz handeln: Die Mitglieder haben, wie bereits kurz berichtet, ihren eigenen Vorsitzenden Franz Hofstetter bei der Vorstandswahl mit 77 Ja- und 82 Nein-Stimmen durchfallen lassen. Im Gespräch mit unserer Zeitung kündigte der Zweite Landrat am Dienstag seinen Rückzug von der BRK-Führung an. Nun herrscht Rätselraten, wie es weitergeht.

Wegen Corona fand die Wahl nicht im Rahmen der Hauptversammlung am Freitag statt, sondern erst zwei Tage später im Rotkreuzhaus.

Weil Hofstetter die Mehrheit verpasst hat, ist nun nicht nur sein Posten vakant, auch die gesamte Vorstandsriege kann vorerst nicht ihre Tätigkeit aufnehmen beziehungsweise fortsetzen. Wäre in der Versammlung gewählt worden, hätte eine Zwei-Drittel-Mehrheit den Vorstand ermächtigen können, die Arbeit fortzusetzen.

Genau das soll jetzt passieren. BRK-Sprecherin Danuta Pfanzelt sagte unserer Zeitung: „Nachdem dem Vorsitzenden nur sechs Stimmen für die absolute Mehrheit fehlten, werden die BRK-Mitglieder erneut an die Wahlurne gerufen.“ Am Sonntag, 18. Juli, werde von 9 bis 15 Uhr per erneuter Urnenwahl im Rotkreuzhaus entschieden, wie die Wahlen weitergehen. „Die Mitglieder können wählen, ob die gesamte Wahl, also alle Positionen vom letzten Sonntag, auszuschreiben sind, oder ob die bisher gewählten Ämter beibehalten werden und nur die Wahl des Vorsitzenden wiederholt wird.“ In beiden Fällen, so Pfanzelt weiter, werde ein weiterer Termin anberaumt. Infos dazu auf www.brk-erding.de.

Die große Frage, die sich jetzt stellt, ist: Wer füllt das Vakuum? Wer will einen offensichtlich tief gespaltenen Verband übernehmen? Immerhin geht es um rund 1000 aktive sowie gut 10 000 Fördermitglieder.

Hofstetter erklärte, er werde „aller Voraussicht nach“ nicht mehr antreten. Das Signal sei deutlich gewesen. Es sei an der Zeit, Jüngeren den Vortritt zu lassen. Er freue sich, sich nun wieder stärker auf sein Amt als Vize- Landrat konzentrieren zu können. „Das macht mir Freude.“

Er macht keinen Hehl daraus, vom Ausgang der Wahl eiskalt erwischt worden zu sein. Über die Gründe könne er nur mutmaßen. Möglicherweise wirke die Kampfabstimmung vor vier Jahren nach, die für viele Verletzungen gesorgt hatte. Die Arbeit im BRK sei nicht einfach, aber auch schön gewesen sei.

Die Wasserwacht weist den Vorwurf zurück, Hofstetters Wiederwahl sabotiert zu haben. Es habe keinerlei Absprachen gegeben, „wir sind genauso überrascht“, betonen Kreisvorsitzender Alois Schießl und Ortschef Bernd Janowsky.

Die neuerlichen Turbulenzen erwischen das BRK zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Das Impfzentrum bindet viele Kräfte, und nun wollte man intensiv in die Pflege einsteigen.

Auf der anderen Seite ist das BRK in den vergangenen Jahren stark gewachsen – Frauenhaus, Bürgerhaus Am Rätschenbach, Herzenswunschmobil, aber auch die Übernahme der Aktion Erbse von der Bundeswehr. Ein erbostes Mitglied spricht vom „schleichenden Gift der Verkonzernung und der Demoralisierung der Ehrenamtlichen“. Auf völliges Unverständnis war bei vielen gestoßen, dass die meisten ehrenamtlichen Gliederungen in Hofstetters Rechenschaftsbericht gänzlich unerwähnt geblieben waren. HANS MORITZ

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