Viele Menschen müssen zuhause bleiben. Das kann zu Spannungen führen, und einer Zunahme häuslicher Gewalt. Die Pandemie erschwert auch dem BRK und Jugendamt die Arbeit.
+
Häusliche Gewalt ist in Zeiten der Ausgangssperre ein zunehmendes Problem.

Weniger Anzeigen, bedrohliche Dunkelziffer befürchtet

BRK und Jugendamt: Häusliche Gewalt breitet sich im Verborgenen aus

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
    schließen

Viele Menschen müssen zuhause bleiben. Das kann zu Spannungen führen, und einer Zunahme häuslicher Gewalt. Die Pandemie erschwert auch dem BRK und Jugendamt die Arbeit.

Erding – Seit bald sechs Wochen dürfen Menschen nur aus triftigen Gründen ihre Wohnung verlassen. Von Anfang der Corona-Krise an haben Experten vor einer Zunahme häuslicher Gewalt gewarnt. Die offiziellen Zahlen sprechen eine andere Sprache. Doch wie aussagekräftig sind die?

Marietta Wolf, Gleichstellungsbeauftragte im Landratsamt, und Andrea Wolf, Sachgebietsleiterin Jugend & Soziales, berichteten am Donnerstag in einer Pressekonferenz, dass zurzeit die Meldungen über Gefährdungen eher zurückgingen. In gleicher Weise hatte sich Erdings Polizeichef Josef Schmid in einem Interview mit unserer Zeitung geäußert. Doch die Experten sind überzeugt: Häusliche Gewalt bereitet sich im Verborgenen aus.

Corona im Frauenhaus: Absagen trotz freier Plätze

BRK-Kreisgeschäftsführerin Gisela van der Heijden berichtete: „Wir hatten vier Anfragen von Frauen, die im Frauenhaus Schutz suchten. Weil aber unbestätigt war, dass sie nicht mit Covid-19 infiziert sind, mussten wir sie abweisen. Und das, obwohl drei Plätze frei sind.“ Das schmerze. „Zum Glück haben wir jetzt Wohnraum, in dem künftige Bewohnerinnen unterkommen, ehe ihr Gesundheitszustand geklärt ist.“ Dass die Gewalt in den eigenen vier Wänden zunimmt, liest van der Heijden auch an dem um 20 Prozent gestiegenen Anrufaufkommen beim Hilfetelefon ab. Marietta Wolf rechnet mit deutlich mehr Anzeigen, „wenn die Ausgangsbeschränkungen weiter gelockert werden“.

Sie und van der Heijden berichteten zudem von Anrufen zunehmend verzweifelter Menschen. „Da war auch von Suizid die Rede“, so Wolf. Die Lage spitze sich zu.

Sicherungs- und Unterstützungssysteme des Jugendamts greifen aktuell nicht

Andrea Wolf vom Jugendamt teilt mit, das Anzeigeaufkommen sei hier ebenfalls rückläufig. „Das dürfte aber auch daran liegen, dass Gewalttaten nicht mehr so schnell bemerkt werden, weil Schulen und Kindergärten mit geschultem Personal seit 16. März geschlossen sind.“ Drei Kinder habe man seither in Obhut nehmen müssen. „Die Familien waren dem Jugendamt aber vorher bekannt“, sagt Andrea Wolf.

Sie musste zugeben, dass „die etablierten Sicherungs- und Unterstützungssysteme in der momentanen Situation leider nicht greifen“. Hausbesuche des Sozialen Dienstes könnten derzeit nicht stattfinden. „Ist aber Gefahr im Verzug, fahren wir natürlich nach wie vor raus.“ Viel versuche man über telefonische Beratung und Videotelefonie abzudecken. „So können wir Kontakt halten“, meint Andrea Wolf. Wer Hilfe braucht, soll sich unter Tel. (0 81 22) 581 070 ans Jugendamt wenden.

Landrat Martin Bayerstorfer hat derweil entschieden, dass Familien, die die Kindertagespflege nutzen, keine Gebühren mehr bezahlen müssen, die Tageseltern aber wie bisher entlohnt werden. „Niemand kann etwas für diese Situation.“ 

Hans Moritz

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Ein Apotheker an der Spitze des ÖDP-Kreisverbands
Der ÖDP-Kreisverband hat sich an der Spitze neu formiert. Apotheker Dr. Wolfgang Reiter ist in der Kreisversammlung in Riedersheim zum Nachfolger von Stephan Treffler …
Ein Apotheker an der Spitze des ÖDP-Kreisverbands
Video-Premiere: „Kein Mensch wird als Rassist geboren“
Musiker Andi Starek hat seinen Song gegen Rassismus präsentiert. Mit dabei war auch Schirmherr Kabarettist Christian Springer.
Video-Premiere: „Kein Mensch wird als Rassist geboren“
Ideen fürs verkehrsgeplagte Taufkirchen
Für die Bürgerbefragung zum kommunalen Mobilitätskonzept wurden  2400  Taufkirchener angeschrieben. Aus 565 Antworten  leiten die Planer einige Probleme und …
Ideen fürs verkehrsgeplagte Taufkirchen
Corona: Die Warn-App verhält sich bislang ruhig
Seit zweieinhalb Wochen gibt es die Corona-Warn-App. Dem Erdinger Gesundheitsamt sind bislang keine Fälle bekannt, die auf diese Weise bekannt wurden. 
Corona: Die Warn-App verhält sich bislang ruhig

Kommentare