BRK und Landkreis 

Ein Notruf für alle Opfer häuslicher Gewalt

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Jetzt steht es fest: Im Landkreis wird ein Notruf für Opfer häuslicher Gewalt eingeführt. An ihn wenden können sich nicht nur Frauen. Betreiber ist das BRK. Landrat Martin Bayerstorfer konnte staatliche Fördergelder an Land ziehen.

Erding – Die Betreuung von Opfern häuslicher Gewalt steht ab diesem Jahr auf neuen Beinen, seit der Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) die Trägerschaft über das Frauenhaus abgeben musste. Sein Nachfolger ist der Kreisverband Erding des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK). Landrat Martin Bayerstorfer (CSU) hat sein Versprechen eingelöst, das Hilfeangebot auszubauen.

Am 1. Januar nahm die Interventionsstelle ihren Betrieb auf. Sie kümmert sich in der Regel auf Anforderung durch die Polizei in Akutfällen um gepeinigte Frauen. Die Interventionsstelle leitet erste Unterstützungsmaßnahmen ein, stellt zum Beispiel Kontakt zu einem Rechtsbeistand her. Seit 1. März betreibt das BRK zudem das Frauenhaus mit fünf Plätzen.

Im Mai wird die Trilogie komplett sein. Das Bemühen von BRK-Kreisgeschäftsführerin Gisela van der Heijden und Bayerstorfer, auch einen rund um die Uhr erreichbaren Frauennotruf einzuführen, ist von Erfolg gekrönt. Das teilt Landratsamtssprecherin Claudia Fiebrandt-Kirmeyer mit. „Die Regierung von Mittelfranken als zuständige Bewilligungsbehörde hat das Einverständnis zum vorzeitigen Maßnahmenbeginn erteilt und somit eine Förderung für das Projekt in Aussicht gestellt“, heißt es in einer Presseerklärung.

Nicht zustande gekommen ist laut Fiebrandt-Kirmeyer eine Kooperation mit dem Frauennotruf im Landkreis Ebersberg – aus „organisatorischen Gründen“, wie es heißt.

Das Erdinger Konzept trägt die Handschrift des BRK. Dessen Sprecherin Danuta Pfanzelt erklärt auf Anfrage unserer Zeitung, dass sich der Notruf nicht nur an weibliche Opfer häuslicher Gewalt richten werde, sondern auch an Jugendliche sowie an Männer. Denn auch die, so Pfanzelt, könnten Opfer von Gewalt sein.

Gestemmt wird das Angebot von Sozialarbeitern, „die wir noch anstellen werden“, so Pfanzelt. Hilfe werde nicht nur telefonisch geleistet, sondern auch in persönlicher Beratung. Noch nicht entschieden sei, ob der Notruf am Frauenhaus direkt oder beim BRK-Kreisverband Erding angedockt wird. Die Kosten tragen der Landkreis und der Freistaat Bayern.

Der Landkreis Ebersberg lehrt, wie wichtig, aber auch wie aufwendig ein Gewaltopfernotruf ist. Dort wird er von einem 1998 gegründeten Verein getragen, der von Landkreis und Freistaat, aber auch durch Spenden finanziert wird. Eine der Vorsitzenden, Birgit Dimotsios, berichtet auf Anfrage unserer Zeitung, dass es im vergangenen Jahr 391 Betreuungskontakte gegeben habe. Zwei Teilzeitkräfte seien fest angestellt. Hinzu, so Dimotsios, kämen zehn Ehrenamtliche, die vor allem die Rufbereitschaft außerhalb der Geschäftszeiten sicherstellten.

Zuletzt drückten den Verein Personalsorgen. Das Problem konnte nun gemindert werden. Der Ebersberger Landrat Robert Niedergesäß (CSU) sagte dem Frauennotruf eine Personalaufstockung um 30 Stunden zu.

Bayerstorfer ist stolz auf die jüngste Entwicklung: „Der Frauennotruf bedeutet eine deutliche Qualitätssteigerung im Angebot für hilfsbedürftige Frauen im Landkreis Erding.“ Sein Dank gilt dem BRK, insbesondere Geschäftsführerin van der Heijden.

Die Nummer des Erdinger Opfer-Telefons steht noch nicht fest, soll aber rechtzeitig veröffentlicht werden. „Eine Konkurrenz zur Organisation Weißer Ring werden wir nicht sein“, versichert Pfanzelt, „uns geht es nicht allgemein um Kriminalitätsopfer, sondern um die aus dem häuslichen Bereich“.

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