Engagieren sich für Jugendliche im Landkreis Erding (v. l.): Doris Stoiber, Boglarka Halasz und Barbara Huber von der Brücke Erding e.V.  Foto: Gabi Zierz
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Engagieren sich für Jugendliche im Landkreis Erding (v. l.): Doris Stoiber, Boglarka Halasz und Barbara Huber von der Brücke Erding e.V.

LICHT IN DIE HERZEN - Erdinger Verein begleitet Jugendliche auf ihrem Weg ins Berufsleben

Brücke gibt Struktur und soziale Wärme

  • Gabi Zierz
    vonGabi Zierz
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Seit 1985 begleitet die Brücke Erding junge Frauen und Männer ins Berufsleben, vermittelt ihnen Struktur und Basiswissen. Das Leserhilfswerk unterstützt den Verein dabei.

Erding – Als Wegbegleiter von Jugendlichen ins Berufsleben sehen sich die Mitarbeiter der Brücke Erding. Sie geben jungen Frauen und Männern zwischen 15 und 21 Jahren Stabilität, vermitteln ihnen Struktur und Basiswissen, haben aber auch ein offenes Ohr für deren Probleme und Verständnis, auf das die Jugendlichen in ihren Familien nicht immer bauen können.

Trotz der Corona-Pandemie und der damit verbundenen Einschränkungen kann der Verein, der 1985 gegründet wurde, auch heuer vermelden: Die intensive Arbeit trägt Früchte. Größter Erfolg: Im Rahmen der Jugendberufsbildung fanden 13 von 14 Jugendlichen einen Ausbildungsplatz – im Verkauf, in der Alten- und Krankenpflege oder im Lager.

Dass dies gelang, dazu hat auch das Leserhilfswerk „Licht in die Herzen“ des Erdinger/Dorfener Anzeiger beigetragen. „Dank der Spenden konnten wir die Stundenzeiten der Betreuer aufstocken“, berichtet Brücke-Geschäftsführerin Barbara Huber erleichtert. So hat der Verein die Monate, in denen die Jugendlichen coronabedingt keine Praktika machen konnten, mit zusätzlichen Übungseinheiten überbrückt. „Sie wären sonst unbeschäftigt zu Hause gewesen. Das fanden sie selbst nach einigen Tagen ätzend“, sagt Doris Stoiber, sozialpädagogische Fachkraft bei der Brücke. Huber pflichtet ihr bei: „Alles, was vorher nicht so geschätzt wurde, hat plötzlich gefehlt, sogar die Schule.“ Viele Jugendliche hätten daheim wenig Ansprache. So rücke das Soziale wieder in den Vordergrund.

In den Brücke-Räumen an der Färbergasse in Erding wurden Bewerbungsschreiben verfasst, Vorstellungsgespräche geübt, aber auch gemeinsam ein Buch gelesen und besprochen. Der Unterricht fand in zwei Gruppen mit je sieben Schülerinnen und Schülern statt. Einer von ihnen hatte sogar ein Vorstellungsgespräch per Video, erzählt Stoiber. Nur mit dem Handy, ohne Computer. Der junge Mann hat diese Herausforderung selbstbewusst gemeistert und den Ausbildungsplatz bekommen.

Auch Andreas (Name geändert) ist froh, dass ihn Stoiber und Sozialarbeiterin Boglarka Halasz unterstützen. Er hatte seine Ausbildung bereits beendet, aber die Abschlussprüfung nicht bestanden und wurde nicht übernommen. Der 21-Jährige lebt mit seiner Mutter in einem Apartment, hat keinen Rückzugsort. Es kommt immer wieder zu Konflikten. Lernen fällt ihm schwer, einen Computer hat er nicht. Ohne die Unterstützung der Brücke wüsste er nicht weiter.

Die Jugendberufshilfe ist das „Herzblut-Projekt der Brücke“, betont Geschäftsführerin Huber. Dazu zählen das Berufsintegrationsjahr, das Berufsvorbereitungsjahr, die Berufsintegrationsklassen (BIK) oder das Projekt „Jugend ohne Arbeit“ (JOA). Die Jugendlichen werden unter anderem von der Agentur für Arbeit und dem Jobcenter vermittelt, manche kommen auch über Mundpropaganda. „Wir sind so bekannt, dass wir empfohlen werden“, freut sich Huber.

Was ihr und ihrem Team auffällt: Vielen Jugendlichen fehlt das Durchhaltevermögen, immer weniger können sich eine körperlich harte Arbeit vorstellen. „Die meisten Handwerker kamen bisher aus den Berufsintegrationsklassen mit Geflüchteten“, sagt Huber. Bei ihnen scheitere ein erfolgreicher Abschluss dann aber häufig an den Anforderungen in der Berufsschule.

Zum JOA-Projekt kommen auch Jugendliche, „die nur einen Tick Unterstützung brauchen“, sagt Halasz. Darunter seien auch Gymnasiasten oder FOS-Schüler. „Sie müssen sich nicht komisch vorkommen“, betont sie. Die Bandbreite der Betreuung ist genauso groß wie ihre Dauer: „Manche sind nur zwei Wochen da, manche eineinhalb Jahre.“ Während des Lockdowns im Frühjahr hatte das Brücke-Team nur telefonischen Kontakt mit den Jugendlichen, später gab es Einzelbetreuung mit Mund-Nasen-Schutz und Abstand. Mittlerweile kommen wieder alle Schüler mit den Betreuern zusammen. Deshalb wünscht sich die Brücke für den Schulungsraum eine Lüftungsanlage, denn: „Wir wollen unsere Leute schützen“, sagt Huber. Die Anlage kostet nach ihren Worten zwischen 1000 und 3000 Euro. Geld, das der Verein nicht hat.

Gabi Zierz

Licht in die Herzen

Das Leserhilfswerk des Erdinger/Dorfener Anzeiger unterstützt die Arbeit der Brücke Erding und damit die Jugendlichen, die der Verein betreut. Spenden sind auf das Konto (Nummer 17 111) bei der Sparkasse Erding möglich. Kontoinhaber: Zeitungsverlag Oberbayern. IBAN: DE54 7005 1995 0000 0171 11. Auf Wunsch werden Spendenquittungen ausgestellt. Dies vermerken Sie bitte mit Ihrer Adresse auf dem Überweisungsträger. Die Namen der Spender werden veröffentlicht. Wer dies nicht wünscht, vermerkt es bitte ebenfalls auf der Überweisung.

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