Bruno Jonas in der Erdinger Stadthalle

Packerl-Irrsinn und Smartphone-Romantik

Mit seinem Programm „Nur mal angenommen“ gastierte Bruno Jonas in der fast ausverkauften Erdinger Stadthalle, und die Gäste kamen am Donnerstagabend voll auf ihre Kosten.

Erding Seit 43 Jahren steht Bruno Jonas nun schon als Kabarettist auf der Bühne, und die Ideen gehen dem 65-Jährigen nie aus. Politik, Wirtschaft und Fernsehen liefern ihm immer wieder neue Kuriositäten. Die Bühne ist als Paketannahmestelle ausstaffiert. Dort nimmt der Passauer für Nachbarn Packerl entgegen.

Sie bestellen, sind nie zu Hause und holen die Sendungen zu unmöglichen Zeiten bei ihm ab. Er sehe sich als letzter Mitarbeiter von DHL, UPS und Co., sagt der Kabarettist, der in der Kult-Fernsehserie „Irgendwie und Sowieso“ als Briefträger Tango aufgetreten war. Auf der Bühne in Erding schlägt Jonas sogar einen Bachelor-Abschluss für die Paketannahme vor.

Besonders nimmt sich Jonas die Politiker aller Parteien vor. Die Unzufriedenheit der Menschen mit der Politik sei aber hausgemacht. Diese Ansicht bestätigten die Zuschauer mit Applaus. Bei der Kampfabstimmung um Horst Seehofers Nachfolge sägen „ritsche, ratsche zwei an seinem Stuhl“. Die Abschaffung der Dieselautos, die Glyphosat-Affäre, die Frauenquote und die Flüchtlinge nimmt er ebenfalls unter die Lupe.

„Wenn ich Sie so anschaue, müsste ich mich mit Ihnen über die Rente unterhalten“, sagt er mit Blick in die Zuschauerreihen. Das Publikum Ü45 nimmt ihm das aber nicht übel. Ihnen allen spricht Jonas aus dem Herzen, wenn er sich über Laubbläser, Schrittzähler und Smartphones Gedanken macht, die den Benutzer mittels „Blasen-App rechtzeitig auf den Toilettengang hinweisen und durch einen Link zu Google Earth die nächste Toilette heraussuchen – weltweit wohlgemerkt“.

Die „Feng Shui App“, die immer wieder zum Umräumen der Wohnung auffordert und vor allem die „Medical App“ mit direktem Link zum Arzt und Krankenkasse machen deutlich, dass wir uns in einer digitalen Revolution befinden. Tosender Beifall brandet bei Jonas’ Betrachtungen über die romantische Funktion von Smartphones auf: „Die Morgenidylle beim Frühstück ist gerettet, denn jeder Partner streichelt sein iPhone. Das sind die Zärtlichkeiten, die wir uns noch gönnen.“ Auch Fernsehendungen und Moderatoren bekommen ihr Fett weg.

Auch die Aussage „Der Islam gehört zu Deutschland – Was ist das, der Islam?“ erörtert Jonas. Er stellt fest, dass „auch der Buddhismus in Deutschland vertreten ist und auch Katholizismus und auch ein paar Evangelische und Atheisten“. Der Gag kommt nicht gleich an, wie auch der eine oder andere. Manchmal muss man schon genau hinhören und mitdenken, um die Hintergründigkeit zu erfassen.

Traditionell lässt Bruno Jonas den Abend musikalisch ausklingen. Seine Darbietung aus Soul und niederbayerischer Musik bringt die Stadthalle zum Brodeln, bevor alle gemeinsam „Ade zur guten Nacht“ singen.

(Elvi Reichert)

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