Kampf gegen die Wohnungsnot

Ein Bund fürs Bauen

Erding – Wohnungsnot macht erfinderisch. In großen Städten gründen sich bereits Baugemeinschaften. Erdings Stadträte verfolgen dies interessiert.

Selbstgenutztes Wohneigentum schaffen und an der Planung aktiv mitwirken: Das macht eine Baugemeinschaft (BG) aus. Über diesen besonderen Zusammenschluss von Bauinteressierten informierte Architekt Markus Borst nun die Stadträte. Wohnungsbaureferent Herbert Maier (Grüne) hatte den Anstoß dafür gegeben und den Kontakt zum Verein Forum für Baugemeinschaften München hergestellt.

Der anhaltenden Wohnungsnot und den hohen Preisen in der Großen Kreisstadt kann man vielfältig zu Leibe rücken. So plant der Stadtrat in Zusammenarbeit mit der Baugenossenschaft und der Wohnungsbaugesellschaft des Landkreises günstigeren Wohnraum im Westen Erdings zu schaffen – auf einem städtischen Areal zwischen der Sigwolfstraße und der ED  18.

Ein weiterer Baustein können Baugemeinschaften sein, allerdings muss hier die Initiative von den Bürgern kommen. Hier war sich die Stadtratsmehrheit einig. Architekt Borst ist seit zwölf Jahren selbst in einer BG, die er mitgebaut hat. Diese Baugemeinschaften seien „die Reaktion der Bürger auf die Uniformität des Bauens durch Bauträger“.

Erste BG in Münchner Kaserne

Zudem hätte viele Menschen ein Bedürfnis nach Mitgestaltung. So gebe es seit Jahren BGs in Freiburg und Tübingen, seit kurzem auch in München, etwa im Domagk-Park (ehemals Funk-Kaserne). Auch in Moosburg und Landshut gebe es Ansätze, ergänzte Maier.

BGs seien Zweckgemeinschaften auf Zeit, die sich auch rechtlich verbindlich organisieren, so Borst. Dass sie damit auch Verantwortung, vor allem finanzieller Natur, übernehmen, machte Borst deutlich. Jedes BG-Mitglied trage Risiken, es gebe keinen Fixpreis, dafür ein umfassendes Mitsprache- und Gestaltungsrecht. Auch die Gewinnmaximierung spiele im Gegensatz zu Bauträgern keine Rolle.

Durch die intensive Zusammenarbeit von Anfang an entstünden stabile Hausgemeinschaften und eine lebendige Struktur. Durch die individuellen Konzepte werde jede Wohnung dem BG-Mitglied auf den Leib geschneidert. Auch die Integration von Gemeinschaftsräumen und Freiflächen für alle sei möglich. „Trotz hoher Ansprüche an die Wohnqualität können Kosten gespart werden“, sagte Borst. Gezahlt werde nur die erbrachte Bauleistung. Dadurch liege man 15 bis 20 Prozent unter den ortsüblichen Preisen.

Am Anfang steht eine Interessensgemeinschaft Bauwilliger. Haben sie ein passendes, von der Stadt zur Verfügung gestelltes Grundstück gefunden, werde ein Architekt oder Projektplaner beauftragt, der die Wünsche der BG-Mitglieder unter einen Hut bringt. Die Wohneinheiten würden zugeteilt, es entstünden konkrete finanzielle Verpflichtungen. „Ab dem Grundstückskauf wird’s ernst“, sagte Borst. Von da an sollte sich die Gruppe auch nicht mehr ändern. Ist das Gebäude – BGs gibt es vor allem im Geschosswohnungsbau – in Betrieb, wandelt sich die Gemeinschaft in eine Wohnungseigentümergemeinschaft mit allen Rechten und Pflichten.

Erinnerungen an den Bauhilfeverein

Die Stadträte folgten Bort aufmerksam. OB Max Gotz (CSU) sprach von einem interessanten Impuls. „Es ist nicht die Lösung des Wohnungsproblems, aber wenn aus dem Impuls eine konkrete Anfrage oder ein Antrag kommt, dann werden wir darauf reagieren.“ Der Ball sei gespielt. Für Horst Schmidt (SPD) und Petra Bauernfeind (Freie Wähler Erding) sind Baugemeinschaften ein Baustein. Bauernfeind war wichtig: „Wir suchen Lösungen für Erdinger, die hier bauen wollen und es sich leisten können sollen.“ Jakob Mittermeier (CSU) erinnerte sich daran, wie er vor 46 Jahren in Klettham gebaut hat. Dank eines Bauhilfevereins hätten sich die Bürger durch gemeinsame Besellungen Geld gespart. Eine BG sei im Idealfall weit mehr als eine Baugemeinschaft, erklärte Borst.

Gabi Zierz

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