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Gut besucht war die BN-Versammlung, in der Toni Wollschläger (l.) über den Flächenfraß sprach.

Bund Naturschutz zum Flächenfrass 

ZerstörerischesKonkurrenzdenken

Der wirtschaftliche Boom im Erdinger Land frisst Flächen. Immer mehr Grund wird hier für Gewerbebetriebe und Wohnungsbau versiegelt. Das muss nicht sein, befand Toni Wollschläger beim Bund Naturschutz in Erding.

Erding Er ist Bio-Landwirt in Langenpreising, Grünen-Politiker, Naturfreund und Gegner des zunehmenden Flächenfraßes. Darüber referierte Toni Wollschläger in der Jahreshauptversammlung der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe Erding im Erdinger Weißbräu. Er mahnte aber nicht nur den Flächenverbrauch an, sondern zeigte auch Alternativen auf.

„Unser Boden ist keine freie Verfügungsmasse, wie uns Markus Söder glauben macht. Vielmehr sollten wir den Verbrauch unserer Flächen dringend mäßigen.“ Immerhin würden in Bayern täglich zehn bis zwölf Hektar Land überbaut.

Um das einzubremsen, will der Bund Naturschutz, sofern das Verwaltungsgericht Grünes Licht gibt, ein Volksbegehren erwirken. „Wir sollten nicht ständig in den Dörfern neue Baugebiete ausweisen, sondern vielmehr vorhandene Flächen besser nutzen.“

Freizeitflächen und Einkaufszentren gehören für Wollschläger nicht zwangsläufig auf die grüne Wiese. „Zudem hängen unser gesamtes Planen und Denken noch viel zu sehr an Autos und Parkplätzen“, so der Landwirt. Bürgermeister müssten zwar für ihren Ort wirtschaften, sie sollten ihn und seine Flächen aber nicht ausbeuten. Vielmehr habe die Kommunalpolitik auch an kommende Generationen zu denken – „und zwar nicht nur bis zur Ortsgrenze“.

Er widersprach der Auffassung, möglichst viele Gewerbeflächen seien für eine Gemeinde gut. Damit meinte er nicht zuletzt Logistiker, die viel Platz bräuchten. Provokant meinte er dazu: „Jeder Internet-Bestell-Klick bedeutet letztlich eine Schädigung unserer Natur.“

Von 1992 bis heute, rechnete Wollschläger vor, sei bereits die vierfache Fläche des Saarlands in Deutschland überbaut worden. „Das hat vorrangig mit der Gleichgültigkeit von Politikern und Planern und mit der Angst vor möglicher Benachteiligung im Vergleich zu anderen Gemeinden zu tun.“

Wollschläger stellte positive Beispiele vor: In Marzling bei Freising habe ein Bürgermeister einem Mittelständler ein altes Gebäude zur Ansiedelung angeboten. In Berglern habe eine Softwarefirma in der Gemeindemitte einen ehemaligen Kuhstall zum attraktiven Großraumbüro umfunktioniert. „Wir brauchen dringender denn je die Einheit von Wohnen, Arbeiten und Einkaufen an einem Ort.“

Der Landwirt brachte sogar eine eine Neuordnung der Gemeinde-Finanzierung auf freiwilliger Basis ins Spiel. „Es könnte einen Ausgleich zwischen reicheren und ärmeren Orten geben.“ Freiwilligkeit sei aber immer ein extrem schwieriges Thema: „Gemeinden mit lukrativen Einkommen bei der Gewerbesteuer für ein Teilen mit anderen zu gewinnen, kommt dem Versuch gleich, einen Hund zu bitten, die Wurst vor sich nicht zu fressen.“ Friedbert Holz

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