Kuchen im Straßenverkauf bieten Christoph Krönauer und seine Ehefrau Nicole fortan genauso an wie Kaffee. Auch Eis gibt es beim Krönauer weiterhin zum Mitnehmen. 
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Kuchen im Straßenverkauf bieten Christoph Krönauer und seine Ehefrau Nicole fortan genauso an wie Kaffee. Auch Eis gibt es beim Krönauer weiterhin zum Mitnehmen. 

Traditionshaus setzt nach Corona-Krise auf Straßenverkauf

Cafe Krönauer in Erding: Eis und Kuchen nur noch zum Mitnehmen

  • Gabi Zierz
    vonGabi Zierz
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Das Cafe Krönauer in der Langen Zeile in Erding ist ein Traditionshaus. Nach der Corona-Krise gibt es das Eis und Kuchen nur noch im Straßenverkauf. 

Erding –Wer kennt es nicht, das Cafe Krönauer: ein Haus mit langjähriger Tradition im Herzen der Stadt. Es begann mit einer gebrauchten Eismaschine aus Holz. Otto Krönauer hatte sie 1935 erworben. Er legte damit den Grundstein für ein Kaffeehaus, das sein Sohn Helmut ab 1978 am heutigen Standort an der Langen Zeile aufbaute. Jetzt beschreitet dessen Sohn Christoph Krönauer, seit 1996 in dritter Generation in der Verantwortung, notgedrungen neue Wege.

Auslöser ist die Corona-Krise. Fortan bietet Krönauer die Eis-, Kaffee- und Kuchenspezialitäten nur noch im Straßenverkauf an. Das Kaffeehaus, wie es die Erdinger bislang kannten und schätzten, wird es so nicht mehr geben. „Wir sehen uns nicht in der Lage, es so zu betreiben, dass es wirtschaftlich Sinn macht“, sagt der 58-jährige Konditormeister angesichts der Corona-Vorgaben für die Wiedereröffnung der Gastronomie. Der Lockdown hat Christoph Krönauer zum Nachdenken gebracht. „In den vielen Wochen des Zur-Ruhe-Kommens kommt der Punkt, an dem du dich fragst, wie’s weitergehen soll.“ Trotz aller finanzieller Verluste sieht der Vater von drei Töchtern die Chance, andere und damit neue Wege zu gehen.

Hohe finanzielle Verpflichtungen

„Ich habe nie ans Aufgeben gedacht. Ich will das Schiff wieder auf Kurs bringen und neu ausrichten. Die Kunden erhalten Kaffee, Kuchen und Eis weiter in höchster Qualität“, verspricht Krönauer. Dafür sorgen neben ihm die Mitarbeiter in der Konditorei, die er übernehmen will. Für die insgesamt zehn Festangestellten, die er bislang beschäftigte, hatte Krönauer in der Krise Kurzarbeit angemeldet. Denn: „Obwohl uns das Haus gehört, haben wir hohe finanzielle Verpflichtungen.“

Schon einmal hatte das Café Krönauer schwierige Jahre zu überstehen. Es war Anfang der 1990er Jahre, die Gastronomie befand sich im Wandel. Lange Zeit hatte das Café von morgens bis Mitternacht geöffnet, nur montags war Ruhetag. „Die Arbeitstage wurden immer länger“, erzählt der 58-Jährige. Im Sommer seien zwölf bis 16 Stunden normal gewesen – und der Personalaufwand enorm. Um die umsatzschwachen Zeiten abzudecken, habe man begonnen, auf Sinnflut, Herbstfest und Christkindlmarkt präsent zu sein.

„Der Wandel, der sich langsam vollzogen hat, kostet Kraft“, sagt Krönauer. Und die Familie habe immer zurückstecken müssen. „Die Jahre fordern einfach ihren Tribut – auch gesundheitlich“, gibt er zu. So entschied er bereits vor einigen Jahren, das Café abends ab 19 Uhr zu schließen.

Konditor-Ausbildung in besten Häusern

Dabei liebt Christoph Krönauer seinen Beruf, ist mit Leib und Seele Konditormeister und vor allem Eismacher. Sein Spitzname „Gelati“ kommt nicht von ungefähr. Krönauer half daheim schon mit 14 Jahren mit, Kuchen und Eis zu machen. Seine Ausbildung zum Konditor begann er 1978/79 in der Confiserie Beer, eine der Top-Adressen in München. Es folgten Gesellenjahre am Bodensee und in Bad Cannstatt.

Zwischenzeitlich ließ er sich in Rimini und Bologna zum Eismacher weiterbilden. Der Besuch der Eismesse in Longarone, immer mit seinem Vater Helmut, war Jahr für Jahr ein liebgewonnener Pflichttermin. Stets bezogen Vater und Sohn ein Hotel im Val Zoldana, dem Tal der Eismacher.

Nur der Traum von einer Anstellung in der Schweiz erfüllte sich für Christoph Krönauer nach seiner Ausbildung nicht – trotz bester Zeugnisse. Er hatte sich unter anderem in der berühmten Confiserie Hanselmann in St. Moritz und bei Lindt & Sprüngli in Zürich vorgestellt. „Ich hatte viele Zusagen, aber das zuständige Arbeitsamt hatte keine freien Kontingente für Ausländer“, bedauert er noch heute.

Dafür brauchte ihn sein Vater im Eiscafé in Erding. Dort wurde er seit 1992 zum Nachfolger aufgebaut, vier Jahre später übernahm er die ganze Verantwortung. Auch unter seiner Leitung blieb das Café Krönauer ein Kaffeehaus im klassischen Sinn, nur mit neuem Anstrich. „Ich wollte nie so modernisieren, dass diese Philosophie verloren geht“, sagt der 58-Jährige rückblickend.

Auch wenn das Café mit seinen lang gezogenen Räumlichkeiten und den beiden Außenflächen an der Langen Zeile und im dahinter liegenden Garten räumlich das Vorbild alter Kaffeehäuser in Österreich oder Italien nicht erfüllen konnte: „Wir haben versucht, das von der Ware her zu leisten. Jede Masse, jeder Teig wird selbst hergestellt.“

Dazu trug mehr als 40 Jahre lang auch Konditor Andreas Galler bei. „Dieser Mann hat enormen Anteil an unserer Kuchengeschichte“, betont Krönauer und schwärmt von Gallers akribischer Arbeitsweise. „Er war ein Pedant im positivsten Sinn.“ Von Galler stammt auch der Spruch: „Die Tortenkante muss so exakt sein: Wenn a Fliang hifliagt, de muaß se s‘Gnack brecha.“

Dank an die treuen Kunden

Auch weiter wird beim Krönauer so akribisch gearbeitet, verspricht der Chef und dankt den Mitarbeitern und Kunden für ihre Treue. Er hofft, dass diese Treue Bestand haben wird. „Ich musste jetzt eine Entscheidung treffen“, sagt Krönauer. Und: „Ich kann die Kunden damit trösten: Ihr bekommt alles in gewohnter Qualität, nur aber für Zuhause.“

In Kürze soll der Straßenverkauf täglich angeboten werden. Auch für Taufen, Hochzeiten, andere Familienfeiern oder geschlossene Gesellschaften kann man – sofern diese irgendwann wieder erlaubt sind – die Räumlichkeiten mieten. Krönauer: „Wir werden mit der Zeit sehen, was möglich ist. Mein Dank gilt meiner Familie und unseren langjährigen Kunden.“

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