Caritas Erding 

Das große Problem Obdachlosigkeit

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Der angespannte Mietmarkt und daraus resultierende Obdachlosigkeit sind ein wachsendes Problem im Landkreis. Immer öfter sind die Experten der Caritas in Sachen Wohnungsnot gefragt.

Erding– Der Mietmarkt im Landkreis Erding ist leer gefegt. „Es gibt eigentlich keinen bezahlbaren Wohnraum mehr“, sagte gestern Brigitte Fischer von der Sozialen Beratung der Caritas. Im Pressegespräch machte sie deutlich: „Die Wohnungsnot ist ein zentrales Problem.“

So sei auch 2017 ein Großteil der Hilfesuchenden wegen einer drohenden oder bereits angeordneten Kündigung oder Zwangsräumung in die Beratung gekommen, größtenteils Familien oder Alleinerziehende mit kleinen Kindern.

Ein Schwerpunkt der Arbeit sei die Beratung zur Vermeidung von Obdachlosigkeit, so Fischer: „Es läuft immer mehr darauf hinaus, die Leute in der Obdachlosigkeit zu begleiten“, sprich eine neue Wohnung zu finden. „Das ist sehr zeitraubend, sehr schwierig und wird immer mehr“, klagte sie. Denn der angespannte Mietmarkt und die fehlenden Sozialwohnungen erschwerten die Situation zunehmend.

In jedem Fall sollten sich Betroffene schnellstmöglich Hilfe holen. So könne man noch mit den Vermietern verhandeln. „Es passiert leider auch, dass sich jemand erst einen Tag vor der Zwangsräumung meldet“, sagte Jessica Sossau-Thiede von der Insolvenzberatung.

Bei der Vermeidung von Obdachlosigkeit arbeitet die Caritas mit den Gemeinden zusammen, erklärte Kreisgeschäftsführerin Barbara Gaab. „Insofern ist unsere Arbeit auch für sie präventiv, denn sie sind schließlich zuständig, wenn einer ihrer Bürger obdachlos wird“, ergänzte Ralf Lohrberg von der Schuldnerberatung.

Sie kennen die Schattenseiten der Boom-Region (v. l.): Jessica Sossau-Thiede, Ralf Lohrberg, Brigitte Fischer und Barbara Gaab von der Caritas Erding.

Ist erst eine passende Wohnung gefunden, scheitere es oft an der Kaution. „Wir haben schon viel Geld für Kautionen ausgegeben“, sagte Fischer – etwa aus Spenden- oder Stiftungsmitteln.

Soziale Beratung, Schuldner- und Insolvenzberatung bilden bei der Caritas Erding ein großes Paket. Die Abteilungen – laut Gaab drei „originäre Caritas-Aufgaben“, in die man am meisten Eigenleistung investiere – arbeiten eng zusammen. Erste Anlaufstelle für Menschen mit Existenzproblemen jeglicher Art – von Arbeitslosigkeit bis zur Bewältigung von Trennungen – ist die Soziale Beratung. Sie nahmen im vorigen Jahr 232 Klienten in Anspruch – auch telefonisch oder anonym in der offenen Sprechstunde.

Die Nachfrage nach Schuldnerberatung stieg auch 2017. Die Zahl der Beratungen blieb aus personellen Gründen mit insgesamt 357 jedoch relativ konstant. Laut Lohrberg kamen vor allem Familien zur Beratung, aber auch Alleinstehende und Alleinerziehende. Jeder fünfte Ratsuchende hatte einen Migrationshintergrund – so viele wie noch nie.

Rund ein Drittel der Menschen, die zur Schuldnerberatung kommen, sind ein Fall für die Insolvenzberatung. 86 Klienten seien in Erding und Dorfen beraten worden, 49 Frauen und 37 Männer. 27 Fälle habe man abgeschlossen, die übrigen würden weiterhin beraten und bei den Vorarbeiten für die private Insolvenz unterstützt. „Auch hier leisten wir Hilfe zur Selbsthilfe“, erklärte Sossau-Thiede, die auch Präventionsangebote für Schulen anbietet, um den „Einstieg in die Schuldenspirale durch fehlende Informationen“ so früh wie möglich zu verhindern.

Gut bewährt habe sich zudem die Unterstützung der Ämterlotsen, die beim Ausfüllen von Anträgen helfen. Drei Lotsen sind derzeit aktiv, „es dürften noch mehr werden“, sagte Fischer.

Rubriklistenbild: © dpa / Maurizio Gambarini

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