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Die Schattenseiten der Boom-Region sind ihr Metier (v. l.): Barbara Gaab, Brigitte Fischer, Ralf Lohrberg und Jessica Sossau-Thiede von der Caritas Erding.  

Caritas Erding

Schlecht bezahlte Jobs als Schuldenfalle

Schulden, Wohnungsverlust und drohende Obdachlosigkeit – mit diesen Problemen kommen Menschen hilfesuchend zur Caritas. Die Nachfrage steigt, die Zahl der Beratungen ging 2016 trotzdem zurück. Gestern stellte die Caritas ihren Jahresbericht vor.

Erding – „Erst einmal kommen alle zu mir“, sagt Brigitte Fischer von der Sozialen Beratung der Caritas Erding. Nach einem ersten Gespräch werde ein Teil an andere Stellen weitervermittelt, so auch an ihre Kollegen von der Schuldner- und Insolvenzberatung. Diese drei Bereiche arbeiteten eng zusammen und seien wie ein Zyklus, den die Klienten durchlaufen, so Kreisgeschäftsführerin Barbara Gaab.

Die zentralen Themen der Sozialen Beratung sind wie in den Vorjahren Wohnungsnot, Fragen zu Sozialleistungen und Konflikte in der Familie. „Viele finden keine neue Wohnung, weil die wenigsten bezahlbar sind“, kritisierte Fischer. Es gebe zu wenige Sozialwohnungen in Erding. „Es wird zwar gebaut, aber es wurde zuletzt viel versäumt“, klagte Fischer.

Jede Woche gebe es zwei bis drei neue Fälle, „wobei die Probleme immer umfangreicher und komplexer werden“, so Gaab. Dies erfordere eine zeitintensive Beratung, sodass sich für andere Hilfesuchende längere Wartezeit ergäben.

Der Beratungsbedarf steigt also: 2016 gab es 270 entsprechende Gespräche – persönlich wie telefonisch. Da die Caritas laut Gaab einen Großteil der Kosten selbst tragen muss – bei der Sozialen Beratung sind es beispielsweise 94 Prozent – hat sich die Caritas bewusst dafür entschieden, die Beratungszahl zu beschränken.

Können Menschen ihre Miete nicht mehr bezahlen oder rutschen aufgrund Krankheit oder Arbeitslosigkeit in die Schuldenfalle, kommt Ralf Lohrberg von der Schuldnerberatung ins Spiel. Hier ging die Zahl von 363 Beratungen im Jahr 2015 auf jetzt 355 zurück. Lohrberg berichtete, er helfe Lösungsstrategien zu entwickeln. So werde beispielsweise ein Haushaltsplan erstellt, um den Klienten zu zeigen, wie sie mit ihrem Einkommen auskommen können. „Oft kommen die Menschen aber zu spät, weil sie sich schämen“, so Lohrberg. Dadurch sind sie oft schon überschuldet. „Das heißt, sie können ihre Schulden auch nicht mehr in Raten zurückzahlen.“ Etwa ein Drittel der Klienten der Schuldnerberatung werde zu Insolvenzfällen.

„Dabei ist es wichtig, dass die Menschen selbst entscheiden, ob sie den Schritt in die Insolvenz gehen oder nicht“, machte Jessica Sossau-Thiede deutlich.

Die Hauptursache, in die Schuldenfalle zu geraten, sei aber nicht Arbeitslosigkeit, so Fischer. „Einen Job zu finden ist bei uns nicht so schwer, das Problem sind vielmehr schlecht bezahlte Jobs.“ Auch die oft nur befristeten Arbeitsverträge hätten mitunter fatale Folgen, so Sossau-Thiede.

Sie ist bei der Caritas zudem für die Prävention zuständig und mit dem Programm „Fit for life“ an Schulen im ganzen Landkreis unterwegs. „Dabei will ich junge Menschen darauf vorbereiten, ihre Lebenshaltungskosten alleine zu tragen.“ Lohrberg ist mit ihr einer Meinung, dass das Sprichwort „Wer Schulden macht, ist selber schuld“ nicht stimmt. Er sagte: „Wer keine Schulden machen will, darf nicht krank werden, keine Kinder bekommen und sich nicht scheiden lassen.“

Von Maria Bachmaier

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