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Nachhaltige Unterstützung: Caritas-Geschäftsführerin Barbara Gaab informierte über die vielfältigen Angebote des Sozialverbandes. 

Caritas-Zentrum Erding 

Große Aufgaben, kleine Glücksgefühle

„Mitten im Leben“: Das Caritas-Zentrum Erding setzt mit seinen Angeboten auf eine unmittelbare und nachhaltige Unterstützung von Menschen in verschiedenen Lebens- und Aufgabenbereichen.

ErdingAuf aktuelle Angebote ging Caritas-Geschäftsführerin Barbara Gaab am Dienstagabend in der Mitgliederversammlung im ungeheizten Johanneshaus in Erding ein. Der Krisendienst der Psychiatrie Oberbayern sei in Erding und anderen Landkreisen vor gut einem Jahr an den Start gegangen, erklärte Gaab. Damit werde eine deutlich verbesserte Krisenversorgung bei psychischen Problemen angeboten. Außerdem gebe es beim Tageszentrum Prisma für Menschen mit psychischen Problemen jetzt eine Außenstelle in Dorfen.

Neu im Mehrgenerationenhaus Taufkirchen sei das Sonderprogramm „Zusammenhalt fördern – Integration stärken“ des Ministeriums für Arbeit und Soziales. Drei Projekte seien damit gestartet worden: Patenschaften, Taufkirchener Begegungen und eine internationale Mutter-Kind-Gruppe. Es gehe hierbei vor allem um „gegenseitige Unterstützung“, so Gaab. Inzwischen werde im Mehrgenerationenhaus auch die Übergangsklasse mit Flüchtlingen betreut.

Die Einzelintegration im Kinderhaus der Caritas, die sich zunächst nur auf die Kleinen bezogen habe, finde seit 2017 auch im Hortbereich statt. Auch für Senioren gibt es zahlreiche Angebote. Gaab freute sich, dass der Gebrauchtwarenmarkt Rentabel in Altenerding als zertifizierter Bildungsträger ausgezeichnet wurde.

Das Thema rund ums „liebe Geld“, verbunden mit Finanzierungsfragen, griff Gaab auf. Sie erklärte, dass es nicht schwierig sei, Spenden oder Stiftungsmittel für konkrete Sachhilfen zu bekommen. Anders sehe es bei der indirekten Hilfe aus, beispielsweise für die Schuldnerberatung. Dabei wäre die Finanzausstattung hier ganz besonders wichtig, um „nachhaltige Unterstützung“ für Betroffene anbieten zu können. Die Anschaffung einer dringend benötigten Waschmaschine sei hilfreich, die Schuldnerberatung reduziere Rückfälle, zeige Perspektiven und Wege zur Selbsthilfe auf.

Aktuell arbeiten 258 hauptamtliche Mitarbeiter für das Caritas Zentrum Erding, zehn Menschen im Freiwilligendienst sowie 283 Ehrenamtliche, die „sehr nötig“ seien, so Gaab. In der Diskussion wurde angesichts der Aufgabenfülle der Wunsch nach einer weiteren Aufstockung im hauptamtlichen Bereich geäußert.

In einer Talkrunde mit Brigitte Fischer (soziale Beratung), Jessica Sossau-Thiede (Insolvenzberatung), Ralf Lohrberg (Schuldnerberatung) und Pfarrer Martin Garmaier (Suchtberatung), moderiert vom Kuratoriumsvorsitzenden Josef Erhard, setzte man sich mit den Schwerpunktthemen Armut, Wohnungsnot und schwere Erkrankung auseinander. „Was würden Sie sich für Ihre Arbeit wünschen?“, fragte Erhard in die Runde. Fischer erklärte, dass mehr Stunden nötig wären, um die Menschen intensiv zu unterstützen. Lohrberg wünschte sich „mehr Kollegen“.

Erhard fragte auch nach bewegenden Situationen im Berufsalltag. Sossau-Thiede erzählte von einer Rentnerin, die sich um ihren kranken Sohn kümmert und in die Schuldenfalle geraten sei. Über ein Insolvenzverfahren sei es geglückt, die Frau von ihren Restschulden zu befreien. „Wie die Frau gestrahlt hat, das war ganz toll“, so Soussau-Thiede.

Lohrberg berichtete von Menschen, „die bedrückt hereinkommen und federnd hinaus schreiten“, weil das Gespräch Entlastung und Ausblick gebracht habe. Wenn für Wohnungssuchende eine Bleibe gefunden oder eine Zwangsräumung verhindert werden könne, die „sehr belastend“ sei, dann habe man „Glücksgefühle“, sagte Fischer. Aber manchmal stehe man auch fassungslos davor, wie viel Pech ein Mensch haben könne. Da bleibe nur, ihn unterstützend zu begleiten, so Sossau-Thiede. „Die Leute schämen sich auch“, sagte Fischer. Es gebe eine große Hemmschwelle. „Wenn sie zu uns kommen, haben sie schon viel geschafft.“

von Vroni Vogel

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