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Andreas Begert möchte endlich wieder als Chorleiter der Dorfener Liedertafel fungieren.

Chöre in der Warteschleife: „Wir warten, bangen und hoffen“

Die Chöre dürfen immer noch nicht proben. Die Chorleiter im Landkreis Erding warten sehnlichst auf Lockerungen.

Landkreis – Singen macht glücklich, in der Gemeinschaft noch viel mehr. Doch nach wie vor gilt der Corona-Lockdown für die Chöre auch in der Region.

Als musikalische und kulturelle „mittlere Katastrophe“, beschreibt Chorleiter und Organist Georg Rothenaicher von St. Johannes in Erding die Situation: „Nichts ist möglich. Wir können nicht einmal im Mini-Chor mit vier Sängern singen.“ Das Schlimme daran: „Wir haben keine Perspektive. Das ist furchtbar, denn niemand weiß, wie es weitergeht“, sagt Rothenaicher, der insgesamt neun Chöre im Pfarrcäcilienverein Erding leitet.

Alle Veranstaltungen musste Rothenaicher absagen, weil Proben nach wie vor nicht erlaubt sind. „Das ist ungerecht“, findet der Erdinger. „Singen steht leider an letzter Stelle der Lockerungsagenda.“ Sowohl für die Liedertafeln, Opernchöre oder auch Solisten breche mittlerweile alles auseinander: „In den Chören singen die Leute mit Leib und Seele. Musik muss man direkt erleben – als Zuhörer bei den Aufführungen, aber auch als Sänger.“

Auch Andreas Begert, Leiter der Liedertafel Dorfen, hofft auf eine Lockerung des Chor-Verbotes. Doch er gibt zu bedenken: „Der Altersdurchschnitt bei den Liedertafeln ist in der Regel hoch, die Sänger gehören somit zur Risikogruppe.“ Gerade die Dorfener Liedertafel habe in den vergangenen Jahren einen enormen Sprung nach vorne gemacht, sagt der Musiker: „Wir hatten starken Zuwachs bekommen, weil wir mehr moderne Lieder auf das Programm gesetzt haben.“ Begert fürchtet nun: „Wir verlieren den Anschluss – wer weiß, wer nach der Zwangspause noch weitermacht.“

Mit Maske singen? „Das ist Horror“, meint Lydia Ulrich-Riedl, Leiterin des Dorfener Chors Lyrico Vocale. Sie habe es selbst bereits ausprobiert. „Zu wenig Sauerstoff und schlechter Klang“, ist ihr Fazit. „Vielleicht könnte hier ein Visier funktionieren“, spekuliert die Chorleiterin. Sollte es wieder losgehen, werde sie die Sängerinnen und Sänger in Stimmgruppen einteilen. Soprane, Alt, Tenor und Bässe würden dann getrennt proben, nicht miteinander als Chorgemeinschaft. „Es tut mir im Herzen weh, dass wir immer wieder vertröstet werden. Wir warten, bangen und hoffen“, sagt Ulrich-Riedl.

Die Sänger würden einander brauchen, als Nachbarn sozusagen – das Miteinander sei eine der Stärken der Chöre, weiß Konrad Huber, der den Singkreis Forstern leitet. Huber hofft auf baldige, leibhaftige Singstunden. Bis dahin überlegt der Chorleiter in alle Richtungen: „Ich versuche, die Chöre coronafähig zu machen.“ Das reiche von Internet-Auftritten bei YouTube, bis hin zu Kleinstgruppen mit einem Solisten und einem Gitarristen. Oder auch Proben im Livestream. „Alles liegt brach“, bedauert der Forsterner Chorleiter: „Keine Reisen, keine Messen – abgesagte Konzerte.“

Flyer und Plakate im Wert von über 1000 Euro musste er wegwerfen. Im Freien singen? Das sei möglicherweise eine Option. Denn: „Zwei Meter Abstand bei den Proben – so einen riesigen Raum haben wir ja gar nicht“, gibt Huber zu bedenken.

Josef Weihmayr, er ist der Chorleiter des Singkreises Erdinger Moos. Er sieht die Zwangspause pragmatischer als seine Kollegen: „Uns sind die Hände gebunden.“ Es sei sehr schade, dass die Sänger derzeit ihr Hobby nicht ausüben dürften, doch er zeigt sich geduldig: „Wir müssen damit leben.“ (Michaele Heske)

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