Eine Familie, die zusammenhält: Die Mitglieder des Circus Carl Brumbach mit Direktor Danny Brumbach (M.) und seiner Ehefrau Stefanie Frank (4. v. l.) tragen fürs Foto ihre Auftrittsgarderobe, auch wenn sie derzeit nicht in die Manege dürfen. Sie überbrücken den Lockdown auf dem Erdinger Volksfestplatz.
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Eine Familie, die zusammenhält: Die Mitglieder des Circus Carl Brumbach mit Direktor Danny Brumbach (M.) und seiner Ehefrau Stefanie Frank (4. v. l.) tragen fürs Foto ihre Auftrittsgarderobe, auch wenn sie derzeit nicht in die Manege dürfen. Sie überbrücken den Lockdown auf dem Erdinger Volksfestplatz.

Familienbetrieb überbrückt Corona-Veranstaltungsstopp in Erding – Auf Spenden angewiesen

Circus Brumbach: Zwangspause auf Erdinger Volksfestplatz

  • Gabi Zierz
    vonGabi Zierz
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Der Corona-Lockdown bringt den Circus Carl Brumbach in finanzielle Nöte. In Erding legt der Familienbetrieb mit seinen 28 Tieren gerade eine Zwangspause ein - und bittet um Hilfe.

Erding – Was macht ein Kamel auf dem Volksfestplatz? Diese Frage haben sich in den vergangenen Tagen einige Erdinger gestellt. Die Antwort: Das Tier gehört zum Circus Carl Brumbach, der gerade den zweiten Lockdown des Jahres überbrückt. Eigentlich hätte der Familienbetrieb hier für zwei Wochenenden gastiert, wie zuvor schon in Forstern, doch daraus wird nichts – zumindest nicht im November. Jetzt wird’s finanziell eng.

Der Volksfestplatz ist quasi ein Notquartier, das die Stadt der Familie zur Verfügung gestellt hat. Der Circus Brumbach hat kein festes Winterdomizil. „Wir gastieren durchgehend und sind überwiegend in Bayern unterwegs“, erzählt Stefanie Frank, Ehefrau von Zirkusdirektor Danny Brumbach. Seine Eltern, die drei Geschwister und deren Familien gehören zum Circus, leben das ganze Jahr über in Wohnwagen.

Corona hat auch ihrer Jahresplanung einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht. Normalerweise sei die Hauptspielzeit im Frühjahr und Herbst, sagt Frank. Im Sommer veranstalte man einen Mitmachzirkus an Schulen und Kitas oder als Ferienprogramm, bei dem die Kinder Kunststücke einstudieren und das Gelernte aufführen. Im Dezember ist in Mühldorf eigentlich wieder der Weihnachtscircus geplant, aber es sei noch nicht absehbar, ob das klappt. Alles ist in der Schwebe. Die wichtigen Herbst-Vorstellungen seien ausgefallen, diese Einnahmen seien aber dringend nötig, um über den Winter zu kommen, erklärt Frank.

„Es gibt immer mal schwierige Situationen, aber wir konnten uns finanziell immer weiterhelfen. Dass man komplett hilflos ist, ist neu“, sagt Frank angesichts des zweiten Veranstaltungsverbots in diesem Jahr. Es ist keine einfache Zeit. Neben den Familien sind im Circus täglich 28 Tiere zu versorgen. Dazu gehören neben dem Kamel Pferde, Ponys, Ziegen, Emus, Lamas und Esel.

„Da wir als Zirkus nicht als Kultur anerkannt sind und daher keine staatlichen Fördergelder bekommen, benötigen wir dringend die Hilfe aus der Bevölkerung“, so Frank: „Wir fallen durch jedes Raster.“ Die Erdinger können die Tiere tagsüber gerne besuchen, unter Einhaltung der Abstandsregeln. Sie sind in großräumigen Boxen und in Ausläufen im Freien untergebracht. Frank hat eine Spendenbox aufgestellt und bittet um Unterstützung, gerne auch mit Futterspenden. Zwei Rundballen Heu brauchen die Tiere pro Tag. Kosten: etwa 140 Euro. „Wir fahren verschiedene Landwirte ab und fragen sie, ob sie was haben“, erzählt die 41-Jährige. Dazu kommen Kraftfutter, Sägespäne und in regelmäßigen Abständen Ausgaben für Hufschmied und Tierarzt.

Am Volksfestplatz stehen auch die Wohnwagen der Familien. Ihren jüngsten Sohn (11) hat die dreifache Mutter am Montag an der Mittelschule Erding angemeldet. „Er wurde herzlich aufgenommen.“ In der Manege tritt er bereits als Messer- und Lassowerfer auf, seine ältere Schwester (17) ist Luftakrobatin, der Bruder (19) Clown.

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