Als Schlagzeuger Billy Cobham seine Rhythmusmaschine anwarf, begann eine entfesselte Fahrt durch Raum und Zeit.Vogel

Jazz Tage Erding

Cobhams magische Rhythmus-Maschine

Erding – Die Jazz Tage Erding präsentierten am Samstagabend den legendären Jazz-Schlagzeuger Billy Cobham in der Kreismusikschule. Der Saal war ausverkauft und die Gäste reisten teilweise von weit her, um den Star zu erleben.

Billy Cobham warf am Samstagabend im Konzertsaal der Kreismusikschule seine mächtige Rhythmusmaschine an und los ging’s auf eine entfesselte, bilderreiche und atemlose Fahrt. Der legendäre Schlagzeuger, der in den 1970er Jahren als junger Wilder neue Impulse in die Jazzszene eingebracht hatte, beeindruckte mit seinem energetisch aufgeladenen Spiel, das die Wände beben ließ und den Körper in Schwingungen versetzte.

Das Publikum wurde von Cobhams Rhythmuskaskaden ergriffen und förmlich durch Zeit und Raum geschleudert, um nach einem die Sinne überflutenden Musiktrip geradezu benommen wieder auf der Erde zu landen. Der erste Teil des Konzerts klang wie ein einziges großes, faszinierend virtuoses Schlagzeugsolo. Befeuert von den musikalischen Einwürfen der Bandmitglieder, bahnte sich Cobham immer wieder neue Wege, schuf mit aufpeitschenden Schlagzeugrhythmen grandiose Klanggemälde, stürmte vorwärts und eroberte tonangebend den ganzen Raum. Forever young: Wo nahm der 72-Jährige bloß seine ungebremste, rebellische Kraft und Lässigkeit her? Die Antwort mag in der Technik liegen, die Billy Cobham scheinbar unangestrengt mit seinem XXL-Instrument verschmelzen ließ.

Nach der Pause öffneten sich Räume für solistische Partien von Bass, Keyboard und Gitarre. Da entwickelte Gitarrist Jean-Marie Ecay spannende melodiöse und rockige Intermezzi mit einem traumwandlerischen Gefühl für gutes Timing. Christian Galvez ließ seinen sechssaitigen E-Bass wie ein Melodieinstrument klingen und entlockte ihm poetische Klänge – in enger Abstimmung mit Keyboarderin Camelia Ben Naceur, die das Musikgeschehen mit effektvollen Sounds und schnellen Läufen auflud.

Steve Hamilton brillierte am zweiten Keyboard mit differenziertem Spiel, das aus einer Ruhe entstand. Ja und wenn’s gar zu lyrisch werden wollte, startete Cobham erneut seinen magischen Rhythmusmotor und weiter ging die wilde Jagd mit rasanter Power, die durchaus eine gewisse Phonstärke besaß. Fürsorglich hatte das Veranstaltungsteam der Stadt Erding Ohrstöpsel besorgt, die der Meister der Tontechnik, Kurt Feller, verteilte.

Ob mit oder ohne Ohrstöpsel – das Gastspiel von Cobham und Band war ein überwältigendes Erlebnis, das die Zeit wie im Flug vergehen ließ und in Erinnerung bleibt. Nach dem Konzert nahmen sich die Musiker Zeit, CDs zu signieren und mit den Zuhörern ein paar Worte zu wechseln.

Bilder von den Erdinger Jazz Tagen

Vroni Vogel

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