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Bundeswehr-Uniformen im Museum sind noch bis 16. Juli zu sehen. Zur Eröffnung mit Vortraag begrüßte Dritter Bürgermeister Hans Schmidmayer (r.), selbst Mitarbeiter des Wiweb in Erding, die Gäste. 

Ausstellung über Bundeswehr-Uniformen

Coole Tarnanzüge und smarte Textilien

Erding - Das Museum Erding zeigt Uniformen und Kampfbekleidung der Bundeswehr von einst bis heute. Die Ausstellung verrät auch viel über die Arbeit des Wiweb, das Textilien für den Einsatz testet.

Soldaten früherer Bundeswehr-Generationen erinnern sich mit Schrecken an sie: die so genannte Filzlaus. Diesen Spitznamen bekam einst jene wollene Uniform für Einsätze im Winter, die auf der Haut der Kämpfer unglaublich kratzte. Dieses verhasste Stück deutscher Militärgeschichte ist nun im Rahmen einer Sonderausstellung im Museum Erding zu sehen, ebenso wie die Kampfanzüge heutiger Soldaten.

Alle Exponate stammen vom Wehrwissenschaftlichen Institut für Werk- und Betriebsstoffe (Wiweb) am Ortsausgang von Langengeisling. Wer immer schon einmal wissen wollte, womit sich die rund 220 Mitarbeiter dort beschäftigen, erhält dazu nun im Foyer des Museums eingehende und anschauliche Aufklärung. Denn die Experten des Instituts erforschen und entwickeln Bekleidung für spezielle Anforderungen der Bundeswehr.

„Weil Kampfbekleidung gleichzusetzen ist mit Arbeitsschutzbekleidung, heißt unser Ziel: weltweiter Schutz gegen alles.“ So umriss Ingenieur Alexander Dietel die extremen Anforderungen der Soldatenbekleidung, die beim Einsatz in der Kälte Nordschwedens genauso bestehen muss wie im Dschungel-Klima von Französisch-Guyana.

„Nur ein Soldat, der fit ist, kann lange durchhalten“, sagte Dietel und nannte die Hauptkriterien bei der Entwicklung neuer Kleidung: Fähigkeit zum Überleben, zum Durchhalten, zur Mobilität und zur Kompatibilität innerhalb der NATO. „Wenn ein Soldat bei 40 Grad Außentemperatur in Afghanistan oder Mali eine 15 Kilogramm schwere Schutzweste tragen muss, um gegen Gewehrmunition gewappnet zu sein, braucht er darunter gute Funktionswäsche.“ So hat das Institut für nahezu jeden Einsatzzweck spezielle Textilien entwickelt.

In der Ausstellung wird neben Schaufensterpuppen mit diversen Uniformen in Vitrinen und auf Videos gezeigt, wie diese Kleidung entwickelt und getestet wird. So muss ein Stoff unzählige Prüfungen über sich ergehen lassen, bis er zum Einsatz kommt: vom Berstverhalten über den Widerstand gegen Scheuern bis hin zur Farbechtheit beim Tarndruck. Mit einem Reibechtheitsprüfgerät, einer Art Textil-Hobel, wird jeder mögliche Stoff gequält und auf sein Brennverhalten oder seine Wasserdruckbeständigkeit untersucht.

„Auch der Schutz gegen Krankheitskeime wird immer wichtiger“, so Dietel. „Denn die Bundeswehr ist nicht mehr nur Verteidigungsarmee in Europa, sondern kämpft überall in der Welt.“

Was einst, kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, in einem US-Labor begann, hat sich in Erding zum eigenständigen Institut entwickelt, das heute bereits an so genannten Smart Textiles forscht – Materialien der Zukunft aus leitfähigem Garn, „die einmal gezielt elektrische Funktionen übernehmen können“, wie Wiweb-Leiter Professor Georg Maier erklärte.

An einer Eigenschaft jedoch kommt auch Bundeswehr-Bekleidung nicht vorbei, selbst wenn sie alle Tests im Schutz gegen Wetter, Flammen, Antistatik oder Insekten bestanden hat: an der Optik. „Wenn Kampfbekleidung nicht cool aussieht, wird sie von Soldatinnen und Soldaten abgelehnt. Selbst im gefährlichen Einsatz wird Wert darauf gelegt, dass die Kleidung passt und gefällt, das geht bis zur Gestaltung eines modernen Tarnmusters“, sagte Dietel.

Die Ausstellung ist noch bis 16. Juli im Foyer des Museums Erding zu sehen. (Friedbert Holz)

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