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28 Corona-Infizierte mussten auf die Intensivstation. Jetzt kehrt allmählich der Alltag zurück.

Klinikum legt Pandemie-Bericht vor – Eine Million Euro Sonderkosten und Einnahme-Einbruch

Corona: Auch Jüngere schwerst erkrankt

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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Während der Corona-Pandemie hat das Klinikum Erding eine für das Krankenhaus historische medizinisch-logistische Herkulesaufgabe bewältigen müssen – und wirtschaftlich dafür bluten müssen.

Erding – Eine Pandemie-Bilanz für die Einrichtung des Landkreises zogen die Vorstände Dr. Dirk Last und Martin Kornhaas am Montag im Krankenhausausschuss und in einer Pressekonferenz.

Insgesamt, so Last, wurden im Klinikum 92 Covid-19-Patienten behandelt. Zehn Infizierte überlebten das Virus nicht. „Neun sind an, einer mit Corona gestorben“, so Last. Von den 92 Patienten seien 43 zwischen 60 und 80 Jahre alt gewesen, 20 über 80. „Wir hatten aber auch 22 Fälle, in denen die Infizierten zwischen 41 und 60 Jahre alt waren, sieben sogar jünger als 40“, bilanzierte der Klinikchef. „Das zeigt, Corona kann auch für Jüngere eine große Gefahr darstellen.“

Im Schnitt lagen die Corona-Patienten zwölf Tage im Krankenhaus

Die durchschnittliche Liegedauer betrug zwölf Tage. 28 Erkrankte mussten laut Last auf der Intensivstation behandelt werden – mit einer durchschnittlichen Verweildauer von 17 Tagen. „Wir hatten aber auch Infizierte, die drei Wochen und länger bei uns waren.“ Insgesamt registrierte das Krankenhaus 1092 Corona-Belegtage. Rund eine halbe Million Euro habe die Behandlung der SarsCoV-2-Patienten erbracht.

Das reicht nicht, um das Defizit, das das Klinikum von Januar bis Mai vor allem deswegen eingefahren hat, zu kompensieren. Kornhaas berichtete von 5449 stationär aufgenommenen Patienten, 21,6 Prozent weniger als im Plan und 23,8 Prozent weniger als 2019. Der Schweregrad der Erkrankungen hat laut Kornhaas allerdings zugenommen. Dies gibt der so genannte Case-Mix-Index wieder, der in den ersten fünf Monaten dieses Jahres im Vergleich zu Vorjahr um 7,8 Prozent höher und um 7,3 Prozent über dem Plan lag.

Ein Teil des Defizits bekommt das Klinikum erstattet

Allerdings bekommt das Klinikum Ausfälle erstattet. Im Ausschuss berichtete Kornhaas von der Bettenfreihaltepauschale. „Sie wird die Ausfälle einigermaßen kompensieren.“ Allerdings müsse man heuer unterm Strich mit einem deutlich schlechteren Ergebnis rechnen. Das führte er auf die Pandemie zurück, „denn im Januar und Februar hatten wir gute Zahlen“.

Nicht nur die Zahlen zeigen: An der Bajuwarenstraße gibt es Nachholbedarf. „Die Behandlungen stauen sich. Gerade bei den elektiven Eingriffen, die wir wieder durchführen können, steht jetzt einiges an“, betonte Last. Dazu zählen etwa Gelenkersatz, aber auch plastische chirurgische Eingriffe.

Alltäglicher Betrieb fährt wieder hoch

Deswegen ist er froh, dass das Gesundheitsministerium dem Klinikum erlaubt hat, die Vorhaltekapazitäten für den Fall einer zweiten Corona-Welle von 25 auf 15 Prozent zu senken. Auf der Intensivstation sind es 30 Prozent. Zeitweise betrug die Corona-Kapazität 100 Plätze auf der – neu eingerichteten – Isolier- und 20 auf der – vergrößerten – Intensivstation.

Das Virus hat auch die Belegschaft gebeutelt. Kornhaas und Last berichten von 25 infizierten Mitarbeitern. „Wir können nicht sagen, ob das hier im Haus passiert ist“, so Last. Pfleger und Ärzte würden jetzt in 14-tägigem Rhythmus getestet. „Wir haben die Diagnostik angeschafft, um das im eigenen Haus durchführen zu können. Das Ergebnis liegt in 45 Minuten vor“, so der Direktor. Die 50 000-Euro-Investition sei „gut angelegtes Geld“.

Jeder Patient gilt zunächst einmal als infektiös

Grundsätzlich würden alle neu eingelieferten Patienten zunächst einmal als infektiös betrachtet. Erst nach Vorliegen eines negativen Testergebnisses beginne man mit der Behandlung.

Insgesamt belaufen sich die Sach- und Investitionskosten zur Bewältigung der Pandemie am Klinikum auf eine knappe Million Euro. Die Hälfte davon entfalle auf Schutzausrüstung. Hinzu kommen 200 000 Euro für die Tests und 280 000 Euro für zusätzliche Geräte auf der Intensivstation. Zu addieren sind die Mehrausgaben für erhöhten Personalbedarf und Mindereinnahmen wegen weggefallener Behandlungen und des kostenlosen Parkens.

Umbau und Erweiterung der Notaufnahme und der Umzug einiger chirurgischer Ambulanzen müssen wegen Corona umgeplant werden. Der Umzug der Schmerztagesklinik soll heuer nicht mehr erfolgen (Bericht folgt). ham

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