Eintritt mit dem Impfausweis: Beim Erdinger Weißbräu kontrolliert das Personal, hier Armir Cehaj (r.), am Eingang den 3G-Nachweis. Wirt Mario Pianka (l.) hat Schilder aufgestellt, damit das Ganze möglichst zügig abläuft.
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Eintritt mit dem Impfausweis: Beim Erdinger Weißbräu kontrolliert das Personal.

Verwirrung bei Einlasskontrollen

Corona in Bayern: Wirte und Friseure verzweifeln an 3G-Regel - „Da braucht man eigenen Studiengang“

  • VonMayls Majurani
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Für Restaurantbesuch, Friseurtermin oder Hallensport ist seit Montag eins der 3Gs nötig. Gastronomen und Friseure berichten vom Kundenrückgang.

Erding – 3G – das ist die Zauberformel für Restaurantbesuch, Friseurtermin oder Hallensport. Wer in geschlossenen Bereichen dabei sein will, muss geimpft, genesen oder negativ getestet sein. Seit Montag gilt die Regel auch im Landkreis Erding, die entscheidende Inzidenz-Marke von 35 ist bereits überschritten. Bei einigen Betrieben herrscht Unsicherheit, wie das alles gehandhabt werden soll. Und ein Sportverein geht schon einen Schritt weiter. Der ESV Gebensbach hat die 2G-Regel verhängt. Wer nicht geimpft oder genesen ist, darf nicht spielen. Davon betroffen sind vier Spieler, die sich nun entscheiden müssen: Impfung oder Vereinswechsel.

Corona in Bayern: Wie genau sollen die Kontrollen aussehen? Das weiß keiner

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Um die Kontrollen zu regeln, hat Wirt Mario Pianka im Erdinger Weißbräu und im Gasthaus Zur Post Tafeln aufgestellt, die auf die 3G-Regeln hinweisen. Bei den Gästen sei das bisher auf Akzeptanz gestoßen. „Die allermeisten zeigen sofort freiwillig ihren QR-Code her, bei den wenigsten müssen wir nachfragen“, berichtet Andrea Neugschwendtner, Restaurantleiterin der Post.

Doch wie die Kontrollen offiziell auszusehen haben, darüber herrsche noch Unklarheit, sagt Pianka. „Ich gehe nicht davon aus, dass wir eine Ausweiskontrolle durchführen dürfen.“ Neugschwendtner vermutet zudem, dass die Testpflicht anfangs auch abschreckend wirken könnte.

Mittlerweile muss man einen Studiengang belegen, um bei den ganzen Regeln durchzublicken.

Nino Filippetti, Inhaber des Panino-Cafés

Das bezeugt Nino Filippetti vom Panino-Café am Schrannenplatz. „Ich habe das am Montag sofort gemerkt. Es waren viel weniger Gäste da.“ Durch die Kontrollen habe es vor der Tür hin und wieder Staus gegeben. Filippetti ist dafür, dass die Auskunft der Gäste reichen sollte. Denn wer schummeln will, könne „mir den QR-Code von jemand anderem zeigen“. Filippetti: „Mittlerweile muss man einen Studiengang belegen, um bei den ganzen Regeln durchzublicken.“

Video: Münchner Bar setzt auf 2G-Regel

Von einem großen Aufwand für die Kontrollen berichtet auch Inge Weber vom Bockhorner Gasthaus Weber: „Wir brauchen immer jemanden zusätzlich, der am Eingang die drei Gs kontrolliert.“ Auch sie hat Tafeln aufgestellt, damit die Gäste nicht einfach reinspazieren. Einige größere Reservierungen seien schon abgesagt worden, doch die allermeisten Gäste wüssten Bescheid und würden sich auch vernünftig verhalten. Hilfreich findet Weber den Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband Dehoga. Da bekomme man Rat und Informationen.

Ob alles regelkonform abläuft, prüfen Polizei und Ordnungsamt, wie Landratsamtssprecherin Daniela Fritzen auf Anfrage mitteilt. Zudem arbeite das Landratsamt an einem Konzept für die Kontrollen. Im Klinikum Erding gibt es durch die 3G-Regeln keinen erheblichen Mehraufwand. Die Mitarbeiterin am Empfang, die bisher Fieber gemessen und Kontaktdaten erfasst hat, kontrolliert nun auch die Testpflicht.

3G-Regel in Erding: Friseure befürchten Umsatzeinbußen

Im Friseursalon Backstage Hairdesign in Erding ist man nicht begeistert von den neuen Regeln. Fünf Kunden hätten am Montag ihre Termine abgesagt, berichten die beiden Inhaber Lucas Lopez und Ali Shafienasab. Weitere sechs Kunden seien einfach nicht gekommen – unentschuldigt. Dabei gibt es im Backstage auch die Möglichkeit, einen Selbsttest vor Ort durchzuführen. „Das ist aber auch schwierig“, erzählt Lopez. Denn bei jedem Test müsse ein Mitarbeiter abgestellt werden, der die Testung beaufsichtigt. Als es die Testpflicht schon mal für rund zwei Wochen gab, sei der Umsatz um die Hälfte abgebrochen, sagt Shafienasab.

Spucken und auf ein negatives Ergebnis warten muss Anil Deniz Ünal (r.) für seinen Friseurbesuch im Backstage Hairdesign, unter Aufsicht von Ana Bogojovski.

„Ich gehe davon aus, dass wir jetzt eine ruhigere Zeit haben werden“, sagt auch Bettina Kagerl, Inhaberin vom Haarreich in Altenerding und Friseurinnungs-Obermeisterin. Sie berichtet von einem Kunden, der sich nicht habe testen lassen wollen – auch Kagerl bietet Selbsttests an – und sei schließlich des Geschäfts verwiesen worden. Seit es die Testpflicht gibt, hätten die Terminanfragen abgenommen. Einen großen Aufwand sieht sie durch die Situation aber nicht: „Beim Selbsttest müssen die Kunden eine Viertelstunde früher kommen. Bisher konnten wir recht gut mit der Situation umgehen.“

Mahmut Ersan, Inhaber des gleichnamigen Friseur- und Kosmetiksalons in Erding, klingt nicht begeistert von der 3G-Regel. Er berichtet von mehreren verärgerten Kundenanrufen. „Schwierig“ findet er, dass es nur sehr wenige Infos zur Testpflicht von den Behörden gab. „Eigentlich hat keiner eine Ahnung, was zu tun ist.“

Corona in Erding: Auch der Sport ist betroffen

Das gleiche Problem hat Caro Baumann vom Kosmetiksalon Blickfang in Erding. „Wir wissen nicht Bescheid, wie die Kontrolle genau ablaufen soll.“ Sie mache sich, so gut es geht, über Handelskammer und Internet schlau.

Von der Testpflicht betroffen ist auch der Sport. Nadi Özdemir, Koordinator der Handball-Herrenmannschaften der SpVgg Altenerding, sieht es aber gelassen: „Wir hatten schon mal eine Testpflicht. Es wird genauso ablaufen wie damals.“ Für die Spieler sei es natürlich ein Aufwand, doch es im Herrenbereich seien ohnehin rund 70 Prozent der Aktiven schon geimpft. Über die Zuschauerbegrenzungen muss er sich noch keine Gedanken machen. Weil die Semptsporthalle saniert wird, spielt die SpVgg zunächst nur auswärts.

Auch im Sportpark Schollbach läuft die 3G-Regel relativ reibungslos. Bei Bedarf gibt’s am Eingang eine Testmöglichkeit. „Wir sind ja geübt vom letzten Mal“, sagt Simon Klawe, Fitness- und Gesundheitsbereichsleiter. Bei Geimpften und Genesenen sei das Ganze noch einfacher. „Die werden in der Datenbank hinterlegt, das müssen wir nicht jedes Mal kontrollieren.“

Mayls Majurani und Andreas Schuder

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