Ausnahmezustand an der Schule

Ohne Testergebnis abzuwarten: Erdinger FOS-Schülerin geht mit Covid-19 in den Unterricht

  • Markus Schwarzkugler
    vonMarkus Schwarzkugler
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Trubel an der FOS/BOS Erding: Eine Schülerin wurde positiv auf Corona getestet. Obwohl sie Symptome gezeigt hatte, ging sie vor Erhalt ihres Ergebnisses zur Schule.

Erding Corona hat die FOS/BOS Erding in Ausnahmezustand versetzt. Wie gestern berichtet, hat sich eine Schülerin mit dem Virus infiziert. Eine komplette zwölfte FOS-Klasse und damit 32 Schüler sind nun in Quarantäne. Doch was vor allem für Unverständnis sorgt: Die Schülerin hatte laut Schulleiter Jens Baumgärtel Symptome gezeigt, sich auch testen lassen, war allerdings zum Unterricht erschienen – ohne den Befund abzuwarten. Das positive Ergebnis erhielt sie dann während des Unterrichts am Dienstag.

Eltern, Schüler und Lehrer seien ausführlich über den Hygieneplan an der Schule informiert worden. Zudem habe man den ersten Elternbrief des Schuljahres extra noch in den Ferien herausgegeben, sagt Baumgärtel. In dem Brief steht, wie bei Verdachts- beziehungsweise bestätigten Fällen vorzugehen ist. Ausdrücklich heißt es darin: „Der Präsenzunterricht darf erst wieder besucht werden, wenn ein schriftliches negatives Testergebnis beim Klassenleiter vorgelegt wird und keine Symptome mehr vorhanden sind.“

Trotz-Corona-Symptomen: Erdinger Schülerin geht zum Unterricht

Die Schülerin sei am Freitag zum Arzt gegangen und habe sich tags darauf testen lassen. Die Klassenleitung sei allerdings nicht informiert worden, die Schülerin habe sich nicht in freiwillige Quarantäne begeben. Baumgärtel teilt auch mit, dass der Arzt die gezeigten Symptome wohl zunächst nicht zwingend mit Corona in Verbindung gebracht habe. Der Schulleiter betont, dass sich die Schülerin nicht an der FOS/BOS angesteckt habe, sondern wohl in der Freizeit bei einem Gelegenheitsjob außerhalb des Landkreises.

Als das Ergebnis am Dienstag während des Unterrichts eintraf, wurde dann auch die Schule informiert. „Wir haben sofort mit dem Gesundheitsamt Kontakt aufgenommen“, berichtet Baumgärtel. Sämtliche Mitschüler der Klasse seien nun für zwei Wochen zuhause in Quarantäne. Hinzu kämen zur Sicherheit auch acht weitere unmittelbare Banknachbarn aus klassenübergreifenden Wahlpflichtfächern. Laut Landratsamt sollten allesamt am Mittwoch getestet werden. Baumgärtel schätzt, dass sie während der Quarantäne sogar zweimal einen Abstrich machen werden. „Wir hoffen, dass sich keine weiteren Fälle bestätigen“, sagt der FOS/BOS-Leiter. Er findet: „Es war die richtige Entscheidung, die Schule offen zu lassen.“

Sie zeigt Symptome: Schülerin an Covid-19 erkrankt - jetzt ist die ganze Klasse in Quarantäne

Eine Schwierigkeit ist Baumgärtel zufolge, dass die Schule nicht nur aus dem Landkreis Erding besucht werde, sondern sie auch viele Schüler aus Ebersberg und München habe. Die letzten Eltern sollten am Mittwoch noch über den Vorfall informiert werden. Die erkrankte Schülerin wohnt im Landkreis Erding.

Baumgärtel sagt, seine Schule gehe mit dem Thema Corona sogar strenger um als das Kultusministerium. Umso fassungsloser macht ihn nun die aktuelle Situation: „Man soll bei Symptomen unbedingt daheim bleiben. Besser zwei Tage mal kein Unterricht als jetzt so“, betont er.

Glück im Unglück hat die Klasse, dass sie bereits am Montag eine Einführung in das Microsoft-Programm „Teams“ bekommen hat, das unter anderem im digitalen Schulalltag genutzt werden kann. Auch die Zugangsdaten dafür habe man am Montag herausgegeben. Nun ist also für die Klasse vorerst wieder Homeschooling angesagt. Die erste Videokonferenz gab es bereits am Mittwoch.

Rückkehr zum Homeschooling: Schülerin bringt ganze Klasse in Quarantäne-Situation

Wie unsere Zeitung erfahren hat, sind Schüler und Eltern verärgert über die Verantwortungslosigkeit. Da ist zum einen die Rückkehr zum Homeschooling, bei dem doch vielleicht so mancher Lerninhalt auf der Strecke bleibt. Zum anderen arbeiten die Zwölftklässler ja gerade auf ihren Abschluss hin.

Erwartet die Schülerin nun eine Strafe? Das hängt laut Landratsamtssprecherin Daniela Fritzen maßgeblich auch davon ab, wie gut sie vom Arzt, der den Abstrich gemacht hat, aufgeklärt worden ist. „Abhängig davon wird die Einleitung eines Ordnungswidrigkeitsverfahrens geprüft“, sagt Fritzen. Die Schülerin sei aufgrund grippeähnlicher Symptome vom Bereitschaftsdienst der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) getestet worden.

Schülerin mit Covid-19 im Unterricht - immer mehr solcher Fälle an Bayerns Schulen

Für weiterführende Schulen gelte der Rahmenhygieneplan des bayerischen Kultusministeriums. „Die Schulen sind zudem verpflichtet, ein Schutz- und Hygienekonzept auf dessen Grundlage auszuarbeiten. Darüber hinaus haben die Schulen das Hausrecht und können weitergehende Regelungen erlassen“, teilt Fritzen noch mit.

Die Corona-Zahlen bei Lehrern und Schülern steigen in Bayern. Die Maskenpflicht ist nun dennoch ausgesetzt. Dabei sind auch andere Landkreise betroffen. Sechs Schulklassen im Landkreis Miesbach sind jetzt in Corona-Quarantäne. Grund ist jeweils ein positiver Corona-Test eines Mitschülers. Auch an vier Schulen im Landkreis Freising musste am Montag je eine Klasse wegen Coronafällen vorsichtshalber in Quarantäne geschickt werden. Zudem wurde ein Schüler der Realschule Dachau positiv auf das Coronavirus getestet. Nun müssen er sowie 42 andere Schüler in eine 14-tägige Quarantäne.

Rubriklistenbild: © Bauersachs Peter

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