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Im Gewächshaus geht die Arbeit für Andrea und Paul Hagl dennoch nicht aus.

„Der März tut besonders weh“

Corona-Krise im Landkreis Erding: Gärtnereien verzeichnen Umsatzeinbußen

Von der angeordneten Schließung wegen der Corona-Pandemie der Geschäfte sind neben der Gastronomie und dem Einzelhandel auch die Gärtnereien sehr betroffen. 

Landkreis – Von der angeordneten Schließung der Geschäfte sind neben der Gastronomie und dem Einzelhandel auch die Gärtnereien sehr betroffen. Von März bis Juni herrscht dort ja eigentlich Hochsaison. Wir sprachen mit den Inhabern großer Gärtnereien im Landkreis, die trotz der großen Einbußen alle Verständnis für die Maßnahme der Regierung zeigen. Obwohl sie seit Samstag geschlossen haben, geht die Arbeit nicht aus.

So stehen die Gärtner nach wie vor mit ihren Angestellten, wenn auch nur in schmaler Besetzung, in den Gewächshäusern. Sie bereiten die Balkonsaison vor. Und alle bieten einen Lieferservice an. Der werde die Umsatzeinbußen nicht kompensieren können, auch da sind sich die Kollegen einig. Doch die Unternehmen wollen so weiterhin für ihre Kunden da sein.

Vitamin C in Corona-Zeiten: Starke Nachfrage bei Orangen

„Gerade in schwierigen Zeiten freut man sich doch über den Anblick von schönen Blumen“, ist Andrea Hagl, Junior-Chefin der gleichnamigen Gärtnerei in Erding sicher. „Natürlich ist die Situation nicht schön, aber uns geht die Arbeit nicht aus.“

Einen Teil der Frühlingsblüher müsse sie wegschmeißen. „Das tut weh“, aber der Platz werde früher oder später für die Pflanzen der Sommersaison benötigt. Seit Montag läuft bei der Gärtnerei Hagl der Lieferservice und schon am ersten Tag wurde er gut angenommen. Eine starke Nachfrage verzeichnet Hagl zudem bei den Orangen. Die würden gerne gekauft, „bestimmt auch, um das Immunsystem zu stärken“.

Mindestbestellmenge 25 Euro

Die Konditionen beim Lieferservice sind bei allen befragten Gärtnereien gleich: Die Mindestbestellmenge beträgt 25 Euro, im Umkreis von gut zehn Kilometern ist die Lieferung kostenlos. Um möglichst jeden Kontakt zu vermeiden, wird die Ware vor die Tür gestellt, die Kunden überweisen die Rechnung. Im Augenblick arbeiten die Hagls zu fünft in der Gärtnerei, die Floristinnen bauen Urlaub und Überstunden ab, denn Schnittblumen würden überhaupt nicht geliefert. „Zwei Wochen können wir überbrücken“, sagt Hagl, „wenn es länger dauern sollte, müssen wir uns etwas anderes überlegen“.

Robert Gauster aus Dorfen hat seinen Lieferservice auf Facebook publik gemacht. „Wir haben eine Riesenresonanz und viele aufmunternde Worte bekommen“, freut sich der Gärtner. Er hat wie seine Kollegen Trauerfloristik mit im Angebot, „auch wenn das aktuell schwierig ist. Wir bekommen überhaupt keine Schnittblumen. Wir müssen eben auf das zurückgreifen, was wir haben“. Schalen mit Blumenstöcken seien hier die Alternative.

60 Prozent Einbußen im März

Gauster beschäftigt 16 Mitarbeiter an zwei Standorten. Das Blumengeschäft in Mühldorf musste er schon am Mittwoch vergangener Woche schließen. Dennoch sei er froh, dass nun eine klare Linie herrscht. „Das Ungewisse zuvor war das Schwierige. Jetzt kann ich mich drauf einstellen.“ 60 Prozent Einbußen verzeichne er im März bereits. „In den Supermärkten gibt es ja alles – natürlich auch Blumen.“ Das sei wettbewerbsverzerrend, klagt der Unternehmer. Dennoch ist er optimistisch und setzt „ganz auf die nächste Saison. Ich hoffe, ab Ostern können wir wieder voll hochfahren“.

„Der März tut besonders weh, weil er der erste Monat ist, wo wir aus dem Plus-Minus rauskommen. Mit den März-Einnahmen werden bei uns die größten Löcher gestopft“, sagt Stefan Strohmair, Inhaber der Gärtnerei Strohmair und Hirsch in Erding. Doch der Verlust halte sich bei ihm mit geschätzten 30 Prozent noch in Grenzen.

Lieferservice kommt gut an

Seine Stammkunden hätten sich gut eingedeckt. Das schöne Wetter habe geholfen, aber auch die Angst vor der Ausgangssperre. Nichtsdestotrotz muss auch Strohmair Blumen wegschmeißen. „Narzissen und Primeln kann ich in ein paar Wochen nicht mehr verkaufen, außerdem brauche ich Platz für die Gemüsepflanzen.“ Er würde diese gerne spenden, habe aber noch keine praktikable Lösung.

Auch bei ihm werde der Lieferservice gut angenommen. „Wir haben ja immer schon geliefert, da wir auch Pflanzen anbieten, die nicht in einem normalen Pkw passen.“ Was zudem helfe: „Wir kennen unsere Kunden, so können wir sie auch am Telefon gut beraten.“ Von seinen zehn Mitarbeitern arbeiten derzeit vier bis fünf in der Gärtnerei. Der Rest baut Überstunden ab.

Keine Laufkundschaft mehr

Strohmair zeigt sich zuversichtlich: „Ich stecke den Kopf nicht so schnell in den Sand. Das schaffen wir schon – vorausgesetzt, alle sind schlau. Ich denke einfach an die Zeit, wo die Kunden, die so lange auf ihrem nackerten Balkon gesessen sind, mit Freude bei uns einkaufen.“

Was dennoch fehle, auch da sind sich die Gärtner einig, sei die Laufkundschaft. Zudem würden sich viele Kunden in den Gärtnereien inspirieren lassen und dementsprechend einkaufen. „Natürlich nimmt man dann noch das eine oder andere mit. Das werden wir mit Sicherheit spüren“, sagt Hagl.

Alexandra Anderka

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