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Hans Moritz, Redaktionsleiter des Erdinger/Dorfener Anzeiger.

Längerer Lockdown und die Folgen

Kommentar: Bildung hat jeden Stellenwert verloren

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Der Lockdown geht weiter - mit noch schärferen Bestimmungen. Dass alle Schulen bis auf nicht absehbare Zeit geschlossen bleiben, ist der Offenbarungseid der Staatsregierung. Die Entscheidung fiel wider besseres Wissen, kritisiert Redaktionsleiter Hans Moritz in seinem Kommentar.

Kanzlerin und Ministerpräsidenten haben eine große Chance vertan, den Bürgern endlich die Wahrheit zu sagen. Bleibt der Lockdown, bis die Inzidenz auf 50 oder gar 25 gesunken ist, werden Monate vergehen. Das wird sie erst im späten Frühjahr sein, wenn es wieder wärmer ist und die Menschen mehr im Freien sind. In der zweiten Welle starten wir zudem von einem viel höheren Infektionsniveau als im März 2020.

Für Familien und Schüler heißt das zwangsläufig: Distanzunterricht nicht bis Februar, sondern eher bis Ostern.

Erinnern wir uns: Nach der ersten Welle reifte auch in der Politik die Erkenntnis, dass Schulen in der Tat keine Infektionstreiber sind. Im Landkreis Erding lässt sich weniger als ein halbes Dutzend von 4338 Ansteckungen auf Klassenzimmer zurückführen.

Es ist noch nicht lange her, da versprachen die Kultusminister, nie wieder so rigide in die Schulpflicht einzugreifen. Lange hat diese Erkenntnis nicht gehalten. Den Kindern wird ein komplettes Jahr verloren gehen. Ein Kalender-, kein Schuljahr wohlgemerkt. Das ist Wahnsinn. Nach wie vor gilt der Mindestabstand von 1,5 Metern. Wechselunterricht ab Montag wäre also gefahrlos möglich gewesen.

Keine Frage: Homeschooling ist großer Mist. Hinzu kommt, dass die meisten Schulen nicht erheblich besser auf den Distanzunterricht vorbereitet sein dürften als im Frühjahr.

Auch in den Schulen selbst ist nicht viel passiert. An denen des Landkreises gibt es gerade einmal vier Raumluftfilter – für den Testbetrieb. Und Kultusminister Michael Piazolo hat schon angedeutet, dass Mebis wieder nicht für alle leistungsstark genug sein wird. Man hat den Eindruck: Bildung hat in unserem Land jeglichen Stellenwert verloren.

Die meisten Geschäfte sind nun schon seit zwei Monaten wieder zwangsgeschlossen, und sie werden es auch noch sehr lange sein. Dabei sind die Infektionszahlen kaum gesunken – ein Indiz, dass Läden und Gastronomie eben doch keine Infektionstreiber waren. Nun droht auch bei uns ein Wirtschaftssterben historischen Ausmaßes.

Keine Antworten gaben die Regierungschefs auf die wirklich drängende Frage: Wie schützen wir unsere Heime und ihre Bewohner endlich richtig? Denn vorrangig die Hochbetagten sind es, deretwegen es dieser einschneidenden Maßnahmen bedarf. Eine Antwort wäre in ausreichendem Maß bestellter Impfstoff und eine kluge Logistik bei der Verteilung gewesen. Auch das – vertan.

Doch wer jetzt nur auf die böse Politik zeigt, vergisst, dass er dabei gleich drei Finger auf sich selbst richtet. Dass die Fallzahlen nach wie vor viel zu hoch sind, dafür sind wir ausschließlich selbst verantwortlich – zumindest zu viele von uns.

ham

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