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Herzkammer der Pandemie-Bekämpfung: Drei Monate lang koordinierte die Führungsgruppe Katastrophenschutz Einsätze und Beschaffungen im Landratsamt. 

Bilanz nach drei Monaten Katastrophenfall – Hilfskrankenhaus wird aufgelöst

Corona, eine beispiellose Krise

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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Nach drei Monaten Katastrophenalarm wegen der Corona-Pandemie hat Landrat Martin Bayerstorfer nun Bilanz gezogen.  Sie zeigt: Das Virus hat alle bisher bekannten Dimensionen gesprengt.

Erding – „Das Corona-Virus hat uns vor nie da gewesene Herausforderungen, sowohl im beruflichen wie auch im privaten Leben, gestellt.“ Dieses Fazit zog am Freitag Martin Bayerstorfer in einer Pressekonferenz, in der er den längsten Katastrophenfall in ganz Bayern bilanzierte. Auch in Erding ist er seit Mittwoch aufgehoben. Bayerstorfer ist froh, „dass wir vom Schlimmsten verschont geblieben sind“ und dankte allen, die dazu beigetragen hätten. Wochenlang sei rund um die Uhr gearbeitet worden.

Mit Ende des K-Falls kann das Hilfskrankenhaus im Fliegerhorst doch noch zurückgebaut werden. Das haben Innenministerium und Regierung von Oberbayern angeordnet. Noch vor einer Woche hatte Bayerstorfer erklärt, daran vorsorglich festhalten zu wollen. Die Kosten von einer halben Million Euro hofft er, aus dem Katstrophenschutzfonds des Staates erstattet zu bekommen.

Wird Screeningstelle geschlossen?

Ein positives Resümee zog er über die Virustests. Der Landkreis habe zeitweise drei Screeningstellen in Erding und Dorfen in Betrieb und eine vierte in Taufkirchen auf Reserve gehabt. Mittlerweile gibt es nur noch die am Erdinger Schwimmbad. Bayerstorfer erneuerte seinen Wunsch, „dass wir mehr testen können“. Andernfalls werde man das Angebot auflösen und der Kassenärztlichen Vereinigung zurückübertragen. Der Aufbau habe 31 000 Euro, der Betrieb bislang 66 500 Euro gekostet.

Die letzte verbliebene Screeningstelle schlage mit knapp 11 000 Euro monatlich zu Buche. Die 5611 Tests hätten 625 Infektionen ergeben. Bayerstorfer erinnerte daran, „dass wir hier sehr schnell waren und chaotische Zustände wie etwa in Landshut verhindern konnten“.

Schutzausrüstung für 4,5 Millionen Euro

Der K-Fall war mit einem enormen personellen Aufwand verbunden. Bayerstorfer berichtete von knapp 4000 Einsatzkräften, wobei Helfer, die mehrmals aktiv waren, auch mehrfach gezählt wurden. Unter anderem entfallen auf das Landratsamt 1164 Kräfte, auf die Feuerwehren 616, auf das BRK 528, auf die Malteser 264, auf das THW 102 und auf das Bürgertelefon 273. Auch den Ehrenamtlichen, die knapp 13 000 Masken genäht und Mitbürger betreut hatten, dankte der Landrat.

Die Führungsgruppe Katastrophenschutz hat, wie berichtet, Schutzausrüstung im wert von rund 4,5 Millionen Euro geordert, die Vorräte reichen für Monate. Darunter sind 400 000 FFP-Masken, gut 1,5 Millionen normale Mund-Nasen-Schutze, Handschuhe im siebenstelligen Bereich sowie tausende Schutzkittel und fast 10 000 Liter Desinfektionsmittel.

Virus in Pflegeheimen

Erleichtert zeigte sich Gesundheitsamtsleiterin Dr. Sibylle Borgo, dass man das Sars-CoV-2-Virus aus den Pflegeheimen weitgehend habe heraushalten können. Infektionen habe es in vier Einrichtungen gegeben. In einer seien sogar mehrere Pfleger und Bewohner betroffen gewesen. „Die schnelle Reaktion und Isolation hat Schlimmeres verhindert“, sagte Borgo. Auch deswegen habe es bislang vergleichsweise wenig Tote gegeben. Das Klinikum legt seine Bilanz am Montag im Krankenhausausschuss vor. ham

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