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Die Lichter aus sind in der Goldschmiede Hoedemaker in der Erdinger Altstadt wieder seit Mitte Dezember. Auf Staatshilfen wartet Guido Krutscher bislang vergebens und beklagt Ungerechtigkeiten und Schlupflöcher bei der Öffnungsstrategie des Staates. 

Goldschmied Guido Krutscher lebt von der Substanz – Vom Staat vergessen?

„Es ist einfach ungerecht“

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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Sie ist einer von vielen Betrieben und ein gutes Beispiel für den Unmut in der Wirtschaft über die Corona-Politik – die Goldschmiede Hoedemaker in der Erdinger Altstadt.

Erding – Vor 60 Jahren gegründet, steht mit Guido Krutscher die dritte Generation in der Verantwortung. Und die lastet in Pandemie und Lockdown wie Blei auf den Schultern des Meisters und Geschäftsmanns.

Am 17. Dezember musste er sein Geschäft (wieder) schließen, als Handwerker darf Krutscher weitermachen. Doch der Wechsel von Uhrenbatterien sei „allenfalls ein marginales Geschäft“, ebenso wie Click & Collect. Seit drei Monaten hat er sich und seiner Familie, ebenso seinen Eltern kein Gehalt mehr überwiesen.

Auf Staatshilfen wartet Krutscher bis heute, und er erwartet nicht viel – einen Teil der Fixkosten. Immerhin hat er am Montag 2000 Euro Kurzarbeitergeld für seine fünf Angestellten bekommen. „Das ist aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein.“ Was ihn ärgert: Steuern, Sozialabgaben und Miete muss er weiter zahlen – und zwar in voller Höhe und ohne Verzug.

Krutscher lebt von der Substanz. Das Vermögen des Betriebs ist angetastet, ein Teil der Altersversorgung schon weg – alles in allem eine sechsstellige Summe. Dennoch ist Krutscher bemüht, zuversichtlich zu bleiben: „Wir werden das schon irgendwie schaffen. Aber was machen die, die kein Polster haben?“ Er sieht den Staat in der Verantwortung, „denn es war ja eine Zwangsschließung“. Die kann der Goldschmied ohnehin nicht mehr verstehen: „Die Einkaufszentren sind voll, bei uns sind eh nie mehr als ein, zwei Kunden im Laden.“

Der Betrieb an der Friedrich-Fischer-Straße steht in einer Reihe mit einem Drogeriemarkt, einem Bäcker und einem Optiker. „Alle haben offen, nur ich nicht. Es ist einfach ungerecht.“ Für Krutscher ist es überfällig, dass der kleine Einzelhandel wieder öffnen darf. Es habe nichts mit Logik zu tun, „wenn die großen Einkaufszentren offen sind und alles verkaufen“. Konsequent wäre es, wenn es auch dort nur die wichtigsten Dinge des täglichen Bedarfs gäbe. Dabei gönnt er jedem seinen Umsatz, aber das beansprucht er auch für sich. „Von April bis Dezember hatten wir offen – ohne eine einzige Infektion“. Die Politik habe da den Bezug zur Realität verloren.  ham

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