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Alles gerichtet für den Kampf gegen Corona: Das BRK-Impfzentrum in der Loderer-Sporthalle steht.

BRK-Impfzentrum ist einsatzbereit – Schon nach Weihnachten könnte es losgehen

„Wir spritzen das Virus weg“

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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Nur wenige Tage hat das BRK Erding gebraucht, um in der Turnhalle am Lodererplatz ein Impfzentrum gegen Corona aufzubauen. Es ist einsatzbereit. Ein Rundgang.

Erding – Einem Hindernisparcours gleichen die Bauzäune, Tische und Kabinen in der Schulturnhalle am Lodererplatz in der Erdinger Innenstadt. Doch hier findet kein sportlicher Wettkampf statt, sondern einer gegen die schlimmste Pandemie in der deutschen Nachkriegsgeschichte. Der BRK-Kreisverband hat in der Halle sein Impfzentrum aufgebaut. Seit Dienstag ist es einsatzbereit. Das Team um Chris König rechnet damit, eventuell schon nach Weihnachten die ersten Bürger gegen das Corona-Virus impfen zu können. Gestern Nachmittag war dann bereits vom 23. Dezember als Tag der Zulassung die Rede. Unmittelbar danach könnte mit den Impfungen begonnen werden.

In Erding fehlen nur noch die großen Kühlschränke – und der Impfstoff. Sobald beides da ist, sollen täglich 200 Bürger gegen Sars-CoV-2 geschützt werden. Oder, wie es eine Ärztin launig formuliert: „Wir spritzen das Virus weg.“ Zudem gibt es ein mobiles Impfteam, das die Heime aufsucht, aber auch Personen, die nicht in der Lage sind, das Impfzentrum aufzusuchen.

Ein Arztgespräch ist Pflicht

Betriebsleiter König erklärt beim Rundgang, dass man sich online oder telefonisch anmelden müsse. Die Erreichbarkeiten würden rechtzeitig bekannt gegeben. Am Eingang wird die Temperatur gemessen, ehe es in dem Einbahnstraßen-System zur Anmeldung und in den Wartebereich geht. „Jeder wird von einem Arzt aufgeklärt“, kündigt König an. Danach führt der Weg in eine der vier Impfkabinen, wo medizinisches Personal die Nadel setzt. Noch nicht geklärt ist, ob der Impfpass mitzubringen ist.

Zum Einsatz kommt der Wirkstoff des deutschen Herstellers Biontech. König weist darauf hin, dass zwei Impfungen erforderlich seien – die zweite nach etwa 21 Tagen. In einem Ruhebereich muss jeder Geimpfte 15 Minuten warten, ob sich Nebenwirkungen einstellen. Passiert das, gibt es einen Erste-Hilfe-Bereich, von dem solche Fälle dann vom Rettungsdienst abgeholt werden können.

200 Spritzen pro Tag und ein mobiles Team

BRK-Kreisgeschäftsführerin Gisela van der Heijden erklärt, man werde in zwei Schichten arbeiten, besetzt mit einem Arzt, je zwei medizinischen und Verwaltungskräften sowie einem Leiter. Geöffnet sei vorerst montags bis freitags. Die Chefin will nicht ausschließen, dass bei hoher Bereitschaft die Öffnungszeiten ausgedehnt und das Tagesmaximum von 200 Bürgern erweitert wird. Dabei wolle man eng mit dem Landratsamt aus Auftraggeber zusammenarbeiten.

Landrat: Es sollte so schnell wie möglich losgehen

Ab 29. Dezember soll das Vakzin in die Verteilzentren ausgeliefert werden – bei minus 70 Grad. Von dort kommt es in regelmäßigen Abständen ins Impfzentrum. „In den Kühlschränken können wir es bei einem bis acht Grad lagern. Es muss dann binnen vier Tagen verabreicht werden“, erklärt van der Heijden. Sie freut sich nicht nur, „dass wir die Ausschreibung gewonnen haben, sondern auch, dass wir sehr schnell ausreichend haupt- und ehrenamtliche Kräfte rekrutieren konnten“. Das Impfzentrum habe man seit Samstag mit viel Energie aufgebaut. Für van der Heijden eine Selbstverständlichkeit. „Unser Motto lautet: ,Aus Liebe zum Menschen‘. Das leben wir hier. Und es macht uns stolz, bei der Bekämpfung der Pandemie unseren Beitrag leisten zu können.“

Landrat Martin Bayerstorfer lobt das BRK für dessen effiziente Arbeit. Er hoffe, „dass wir jetzt so schnell wie möglich mit dem Impfen beginnen können. Wir sind bereit.“ Die Zulassung in Europa dauert ihm zu lange. OB Max Gotz hingegen meinte, die genaue Prüfung vor der Zulassung stärke das Vertrauen und „erhöht hoffentlich die Impfbereitschaft“.

Für die Halle am Lodererplatz habe man sich unter anderem wegen der idealen Lage entschieden. An der Lebzelterstraße gebe es ausreichend Parkmöglichkeiten. Mehrere Stadtbuslinien würden in der Nähe halten. Grund- und Mittelschule bittet Gotz um Verständnis, dass hier vorerst kein Schulsport stattfinden könne. Er möchte ihnen möglichst schnell die Gerd-Vogt-Halle öffnen.

So könnte der Impffahrplan aussehen

Es gibt für Deutschland einen Impffahrplan, den der Städte- und Gemeindebund herausgegeben hat. Bis April sollen Hochbetagte und medizinisches Personal geschützt werden, danach folgen bis Juli 75- bis 80-Jährige sowie geistig Behinderte und Demenzkranke. Bis August könnten 70- bis 75-Jährige, Vorerkrankte, Asylheimbewohner und öffentlicher Gesundheitsdienst geimpft werden, danach bis September die 65- bis 70-Jährigen, Lehrer, Erzieher und Arbeitende in der Lebensmittelproduktion, ehe bis November die 60- bis 65-Jährigen, Polizisten und Feuerwehrleute im Fokus stehen. Ab Dezember 2021 kann sich dann jeder impfen lassen. Je mehr niedergelassene Ärzte in ihren Praxen impfen, desto schneller könnte es gehen.

ham

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